Endlich… Blauwasser

Es ist Montag früh, gegen 8 Uhr stehen wir auf. Wie so oft vor einer längeren Überseepassage haben wir beide schlecht geschlafen. Wir träumen komische Sachen, werden mehrmals in der Nacht wach, liegen mit vielen Gedanken im Bett und versuchen, ein wenig Ruhe zu finden.

Eigentlich wollten wir erst mittags „Anker auf“ gehen, doch wir haben Hummeln im Bauch und starten nach dem Frühstückskaffee aus der Ankerbucht in Camaret-sur-Mer. Langsam tuckern wir mit 5 Knoten um die Landzunge – und landen im dichten Nebel. Vor uns zeichnen sich schemenhaft mehrere Kriegsschiffe der französischen Marine ab.
Dann trifft die erwartete Mail von Sebastian Wache ein – keine guten Nachrichten! Das nervt mittlerweile. Nicht nur, dass wir wochenlang in jedem zweiten Hafen abwettern müssen, auch das richtige Sommer-Reisefeeling will einfach nicht aufkommen.
Sebastian schreibt, dass der Hurrikan Erin seine Ausläufer nach Europa schicken wird – und das verheißt nichts Gutes. Meteorologen erwarten Stürme und bis zu 5 Meter hohe Wellen. Besonders die Küste Frankreichs soll es hart treffen, rund um den 28. August. Für uns gibt es zwei Optionen:
Weiter in einem französischen Hafen abwettern – und dort die volle Wucht abbekommen.
Verkürzt über die Biskaya starten, dann schnell nach Süden abfallen und hoffen, damit den schlimmsten Winden zu entkommen.
Aber: Die erwarteten 5-Meter-Wellen werden wir wohl trotzdem aushalten müssen.
Na klasse!

Delfinbegleitung & erste Etappe
Noch im dichten Nebel aus der Bucht von Camaret-sur-Mer motorend, wagen wir es und machen uns trotz der angsteinflößenden Prognosen auf den Weg nach Madeira. Schon am Vormittag, draußen vor Brest, begleiten uns fast eine Stunde lang Delfine.
Piper ist völlig aus dem Häuschen, rennt aufgeregt über das Bootsdeck und beobachtet das Schauspiel durchs Trampolin. Die Delfine springen und vollführen wunderschöne Pirouetten knapp unter der Oberfläche.
Und die Überraschungen gehen weiter: Wenig später landet ein kleiner Vogel – ein Trauerschnäpper – bei uns am Steuerstand. Zutraulich lässt er sich fotografieren und bleibt rund eine halbe Stunde, bevor er weiterfliegt. Fast märchenhaft: Nebel über dem Wasser, winkende Robben und nun dieser Vogelbesuch.

Die ersten Wellen und die erste Nacht
Am Nachmittag kommt endlich Wind und Sonne. Der Nebel ist vertrieben und die KAMI nimmt Fahrt auf in Richtung unseres ersten Wegpunkts. Der Wind bläst noch spitz von vorn und unbeständig, die KAMI springt über die Wellen – Kathi wird seekrank.
Zum Glück haben wir eine gute Bordapotheke, und dank Götz’ verschriebener Medis ist schnell Linderung da. Piper bleibt diesmal seegängig, was uns sehr beruhigt. Ich baue unser „Schlaflager“ im Salon auf, damit wir drei nah beieinander sind – bewährt für lange Passagen. Bald darauf liegen Kathi und Piper zusammen eingerollt und schlafen tief.
Abends entfällt die Bordküche, wir gehen in die erste Nacht. Ritualgemäß übernehme ich die Nachtwache. Kein Problem: Zwei Segler aus Österreich kreuzen unseren Kurs, wie in einem Dreieck fahren wir parallel durch die Nacht. Erst in den Morgenstunden trennen sich unsere Wege: Sie steuern A Coruña an, wir dagegen halten Kurs ins offene Blauwasser gen Süden. Das tiefe Blau – es ist überwältigend, ich liebe es einfach!

Alltag auf See
Um ordentlich Strecke zu machen, lassen wir bei unter 10 Knoten Wind eine Maschine mit geringer Drehzahl laufen – so laden wir auch unsere Energiespeicher auf, denn die Solarausbeute war zuletzt dürftig.
Gegen 5 Uhr UTC (zwei Stunden vor deutscher Zeit) übernimmt Kathi die Wache am Kartentisch. Noch geht es ihr nicht besonders, wir probieren ein anderes Präparat. Ich döse tagsüber nur in Etappen, echter Tiefschlaf will nicht kommen.
Am frühen Nachmittag kehrt der Wind zurück. Gemeinsam setzen wir das Großsegel und rollen die Genua aus – klappt schon richtig gut. Ich bin überzeugt: Spätestens ab Madeira kann Kathi die KAMI allein segeln.
Tagsüber probiere ich mich mit unserer neuen Trollingangel – noch ohne Erfolg. Vielleicht liegt’s am Köder oder an unseren Einstellungen. Aber wir üben weiter, denn frischer Fisch soll in unser Proviantkonzept integriert werden. Auch Piper würde davon profitieren: Neben Trockenfutter wollen wir ihr immer wieder frisches Gemüse und Fleisch/Fisch abkochen.

Zweite Nacht – Verkehr in der Biskaya
Die zweite Nacht segeln wir unter vollen Segeln. 17 Knoten Wind aus Nordwest bringen uns gute Fahrt – 7 Knoten im Schnitt. Wenn es so bleibt, erwischen uns die Ausläufer von „Erin“ nicht mehr. ETA Madeira: Mittwoch nächster Woche. Mit etwas Glück sogar Dienstag früh.
Doch die Nacht ist anstrengend: Wir kämpfen uns durch dichten Schiffsverkehr – Fracht-, Container- und Fischerboote, Fähren, Kreuzfahrer. Gegen 23 Uhr sind wir von über 20 Schiffen umzingelt. Bei einem Containerriesen muss ich funken, da er auf Kollisionskurs bleibt. Seine Antwort: „Ja, wir sehen Sie – Sie sind genau voraus.“ Aber er ändert den Kurs nicht. Erst 500 Meter hinter uns zieht er nach Backbord ab. Die Heckwelle kracht unter die KAMI, Gischt spritzt übers Deck – was für ein Schreckmoment!
Marinetraffic zeigt das Szenario wie ein Spalier aus bunten Schiffssymbolen. Mittendrin die Fischer, die Yachten, ein einziges Gewimmel. Hoffentlich sind wir bald aus der Hauptachse raus. Ein Trost: Bei dem dichten Verkehr wäre im Notfall sofort Hilfe da – die Medaille hat eben zwei Seiten. lach

Sorge: Orcas an Iberiens Küste
Ein Thema bleibt uns noch im Kopf: die Meldungen über Orca-Angriffe vor Spanien und Portugal. Schon seit einigen Jahren attackieren Schwertwale dort Segelboote und beschädigen Ruderblätter – einige Yachten sind dadurch sogar gesunken!
Warum gerade diese Gruppe von Tieren dieses Verhalten zeigt, ist nicht klar. Besonders gefährlich ist die Straße von Gibraltar. Da man Orcas nicht vertreiben darf und Schutzversuche mit Lärm oder Sand nichts gebracht haben, bleibt Skippern nur, die Gebiete weiträumig zu umfahren. Unser Plan: deutlich abgesetzt von der Küste und weit draußen im Tiefwasser (bis 5000 m) gen Madeira segeln. Besonders viel Glück schadet da nicht – also: Daumen drücken!

Jetzt ist es 00:47 Uhr UTC (= 02:47 Uhr MESZ). Auf dem Radar taucht schon der nächste Pulk Frachter auf. Meine Augen kleben am Plotter, die Müdigkeit kommt langsam. Sonnenaufgang ist um 05:30 Uhr UTC, dann darf Kathi übernehmen.

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Abschied von Camaret-sur-Mer – Kurs auf Madeira

Die letzten Tage in Camaret-sur-Mer haben wir noch einmal richtig genutzt, bevor das nächste große Abenteuer begann. Wir haben die kleine Stadt mit ihren engen Gassen erkundet, das Künstlerviertel besucht (Mike sein Highlight war das Atelier Ramine) und uns abends gelegentlich in ein Café gesetzt, um bei Musik und einem Glas Wein die Abendsonne zu genießen. Ein perfekter Mix aus Urlaubsgefühl und Aufbruchsstimmung.

Ein Highlight war ein Ausflug in die kleine, felsige Bucht gleich um die Ecke. Dort gab es einen schmalen Strand, an dem wir mit Piper getobt haben: Ballspielen, Rennen über die Steine – und ja, wir haben auch ein bisschen Schwimmen geübt. Anfangs fand sie das gar nicht lustig, aber nach ein paar skeptischen Blicken wagte sie sich dann doch ins Wasser. Ihr Gesichtsausdruck dabei: unbezahlbar!

Das Wetter zeigte sich endlich von seiner besseren Seite: Die Persenning ist runter, der Sonnenschutz im Cockpit montiert, und die KAMI sieht wieder so aus, als könnte man mit ihr um die Welt segeln – oder zumindest erst einmal nach Madeira. Auch die Vorräte sind aufgefüllt: Obst, Gemüse, Aufstriche – und natürlich die ein oder andere Nervennahrung für die Nachtwachen. Alles ist verstaut und verzurrt.

Sonnenelemente Cockpit

Am Freitag hatten wir noch einen Termin mit Sebastian Wache, der aktuell die Urlaubsvertretung für Alina übernimmt. Sehr beruhigend, kurz vor dem Start noch ein frisches Wetter-Update parat zu haben – immerhin will man wissen, ob man mit Welle, Flaute oder Böen rechnen muss.

Gestern Abend gönnten wir uns dann noch einen Abstecher in die gemütliche Hafenbar La Rhumerie. Die Burger waren köstlich, und der Rosé mundete hervorragend. Danach ging es noch auf einen Cider zur Toroa, einer TO-Segelyacht, mit deren Crew wir seit Cuxhaven in Kontakt stehen. Sie waren gerade frisch in Camaret eingetroffen, und wir haben den Abend genutzt, um gemeinsam anzustoßen – wie immer mit der Hoffnung, sich unterwegs irgendwo wiederzusehen.

Heute Morgen dann der große Moment: Wir starteten im dichten Nebel – und natürlich völlig ohne Wind. Genau wie die Prognose es vorhergesagt hatte, auch wenn man ja immer noch auf ein kleines Segelwunder hofft. Zum Abschied zeigte sich unterwegs immerhin noch eine Robbe, die fast so wirkte, als würde sie uns zuwinken.

Und dann wurde es auch gleich ernst: In unserer Nähe fand ein Militärmanöver statt. Drei große französische Marineschiffe lagen vor uns, und eines funkte uns an. Wir sollten bitte den Kurs ändern, da sie gerade ein Mann-über-Bord-Manöver übten – und wir uns mitten in der „Übungszone“ befanden. Langweilig wird es offensichtlich nicht.

Jetzt heißt es also: Kurs auf Madeira! Planmäßig wollen wir in rund zehn Tagen dort ankommen. Mal sehen, was bis dahin noch passiert.

Madeira, wir kommen!

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39. Etmal 140 Seemeilen

04.07.2023 – 12:00 Uhr MEZ

40. Seetag
Etmal: 140 sm

Gesamtsumme: 5064 sm


Wind aus SW – W

Segelstellung: Genua voll – Groß unten

Speed über Grund: 7 kn

Am Nachmittag haben wir relativ gutes Wetter. Lediglich die Wellenfrequenz hier in der Nordsee hat es in sich, aber dafür ist sie ja (gemeinsam mit der Ostsee) bekannt. Beide Meere sind relativ flach (etwa 30 Meter tief), da türmen sich die Wellenberge anders auf als zum Beispiel im Atlantik, wo die Wellen eher langgezogen sind. Ich glaube, man spricht hier von der Wellenfrequenz.

Am frühen Abend trifft uns eine Gewitterzelle, die es in sich hat. Gut zwei Stunden lang werden wir mit heftigen Windböen und gefühlt 4 Meter hohen Wellen gequält, die zum Glück achterlich auf die KAMI treffen. In den Spitzen „rennt“ das Schiff mit 12 Knoten voraus. Das fühlt sich komisch an, wenn man zuvor stundenlang nur mit 2 bis 3 Knoten unterwegs war. lach

Die Nacht verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wir stellen jedoch fest, dass das Seekartenmaterial auf dem Plotter nicht mehr ganz aktuell ist. Einige Windparks fehlen, und auch die VTGs haben sich teilweise etwas geändert. Aber kein Problem, wir haben auf dem iPad als Backup eine brandneue Seekarte geladen, sodass wir zeitweise mit zwei Anzeigen fahren.

Das Highlight der Nacht:
>>>>> 5.000 Seemeilen <<<<<
haben wir jetzt im Fahrwasser zurückgelegt! Ich glaube, darauf können wir schon stolz sein. Welcher Newbie oder Laie ohne Segelpraxis und fundiertes Wissen nimmt so ein Abenteuer auf sich? Selbst gestandene Segler meiden die Überquerung von West nach Ost über die Nordkreisroute und holen sich dafür lieber einen Honorarskipper an Bord! Bei den herrschenden Wetter- und Windbedingungen wissen wir jetzt auch warum.

Die „Schönwettersegler“, die im November/Dezember den Atlantik auf der Barfußroute von Ost nach West überqueren, gibt es dagegen zuhauf.
Fast 40 Tage – 24 Stunden am Tag – learning by doing. Dank durchgehendem Internet und Telefon ist das kein Problem. Viele Informationen googeln wir uns, schauen Videos auf YouTube zu bestimmten Manövern oder holen uns telefonischen Rat beim Nachbarn (ein ambitionierter Segler). Aus einer Facebook-Gruppe fischen wir uns Tipps zum Trimmen der Segel bei bestimmten Windwinkeln heraus.

Ich muss gerade an den Leitspruch von Bert Frisch (Marineoffizier a.D. und Macher im Verein TransOcean e.V.) denken: „Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?!“
Einfach machen – so wie der Start ins Blauwasserleben!
Ich freue mich schon sehr auf 2025. Ein ganz anderes Leben erwartet mich und Kathi – unser Zuhause wird viele Jahre dort sein, wo der Wind uns hinträgt. Very romantic!

UPDATE:
E-Mail von Sebastian – Wetterwelt.
Ein Tief mit Orkanpotenzial (bis 60 kn oder mehr) wird sich bilden und morgen über Nord- und Ostsee ziehen. Wir müssen zwingend einen Schutzhafen anlaufen, und das bis spätestens morgen Mittag um 12:00 Uhr. Dann geht der Hexentanz los.
Wir haben jetzt schon etwas Puls!
Bis zur Insel Helgoland sind es knapp 90 Seemeilen, bis Brunsbüttel (Einfahrt NOK – Elbe) 135 Seemeilen. Jetzt kommt es auf Geschwindigkeit an – Genua ausbaumen und in der Nacht beide Maschinen auf volle Kraft!

35. Etmal 126 Seemeilen

30.06.2023 – 12:00 Uhr UTC

36. Seetag

Etmal: 126 sm

Gesamtsumme: 4600 sm


Wind aus W

Segelstellung: alle Segel unten – wir motoren

Speed über Grund: 4 kn

Am Nachmittag stecken wir wieder in einem Fischereifeld fest und werden über Funk gebeten, unseren Kurs nach Süden zu ändern, da Fanggeschirr ausgebracht wurde. Also schlagen wir einen Haken und beschließen, einen großen Bogen um die Fischereifahrzeuge zu machen. Es scheint sicherer, sich in der Nähe der Großschiffe aufzuhalten – sie halten ihren Kurs und sind berechenbar, ganz im Gegensatz zu den unvorhersehbaren Fischerbooten.

Wir nehmen Kurs Richtung Süden, bis wir die Fahrbahnen der Frachter, Containerschiffe und Fähren erreichen. Dort reihen wir uns artig in den nicht enden wollenden Strom der Berufsschifffahrt ein. Am späten Abend dreht der Wind auf West, was für uns bedeutet, die Segel zu bergen, da wir mit Westwind keinen vernünftigen Windwinkel zum Segeln finden. Also starten wir die Steuerbordmaschine und navigieren uns durch das Fahrgebiet auf die rechte Außenseite, entlang des Randes des Verkehrstrennungsgebiets (VTG) „Platte Fougere.“ Heute gegen 14 Uhr werden wir in das VTG einfahren und dabei den großen Schiffen bis auf 100 Meter nahe kommen.

Die Regeln im VTG sind streng, und sie werden von der Küstenwache sowie den Koordinierungsstellen an Land genau überwacht. Ein Segler wurde kürzlich zu einer Geldstrafe von 9.000 Pfund verurteilt, weil er die Fahrbahnen nicht im vorgeschriebenen 90°-Winkel gekreuzt und dadurch die Berufsschifffahrt gefährdet hat. Mit dem VTG ist also definitiv nicht zu spaßen.

Es gibt mehrere Verkehrstrennungsgebiete im Ärmelkanal, insbesondere in den Engstellen nahe der Kanalinseln. Stellt euch das wie eine Autobahn für Schiffe vor: Auf der rechten Seite fahren alle in Richtung Steuerbord, auf der gegenüberliegenden nach Backbord. Zwischen den Bahnen gibt es keinen Grünstreifen, sondern einen „Blaustreifen“ – eine bis zu fünf Meilen breite Trennzone.

Unsere Geschwindigkeit im Ärmelkanal variiert stark, da wir mit Ebbe und Flut fahren. Einige Stunden am Tag profitieren wir von der Strömung und machen sechs Knoten, dann wieder kämpfen wir gegen die Strömung und kommen nur auf vier Knoten. Diesen Unterschied sehen wir deutlich auf unserem Kartenplotter, der sowohl die Geschwindigkeit über Grund als auch die Geschwindigkeit im Wasser anzeigt.

Das Wetter ist, wie so oft, grau und regnerisch. Von Sebastian haben wir schon seit über einer Woche nichts mehr gehört. Vielleicht ist er krank?

Unterdessen schlagen wir uns weiter entlang der Ränder der Fahrbahnen und nutzen die Maschine. Sollte sich kein guter Wind mehr einstellen, könnten wir theoretisch bis Deutschland unter Motor fahren. Unser Dieselverbrauch liegt bei etwa zwei Litern pro Stunde, was uns eine Geschwindigkeit von rund vier Knoten ermöglicht. Im Nord-Ostsee-Kanal könnten wir nachtanken, falls nötig – aktuell haben wir von insgesamt 600 Litern Diesel etwa 160 Liter verbraucht. Damit sind wir auf jeden Fall gut versorgt!

29. Etmal 144 Seemeilen

24.06.2023 – 12:00 Uhr UTC
30. Seetag
Etmal: 144 sm

Gesamtsumme: 3727 sm


Wind aus W

Segelstellung: Großsegel 2. Reff, Genua voll

Speed über Grund: 6 kn

Am Nachmittag erreicht uns die Freitagsmail von Sebastian Wache. Ihr erinnert euch: Sebastian ist Diplom-Meteorologe und betreut uns während der Überfahrt. Die Nachrichten sind nicht gut. Wie sich das Wetter aktuell entwickelt, besteht die Gefahr, dass wir ab der Höhe Irlands und weiter in Richtung Schottland in ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet geraten. Dort erwarten uns Winde bis zu 45 Knoten und sehr raue Bedingungen. Sebastian empfiehlt uns daher den „sicheren“ Weg durch den Ärmelkanal (Englischen Kanal) in die Nordsee und dann weiter durch den 80 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal (Kiel-Kanal) in die Ostsee zu nehmen. Wir folgen diesem Rat gern und markieren die entsprechenden Wegpunkte in unserem Kartenplotter an Bord.

Die Fahrt durch den Ärmelkanal wird anspruchsvoll. Dieses Seegebiet gehört zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt. Täglich verkehren hier bis zu 400 Großschiffe (Tanker, Frachter, Fähren) in Richtung Rotterdam und Hamburg und zurück. Das Nadelöhr zwischen Calais und Dover ist nur 34 Kilometer breit. Es gibt streng überwachte Verkehrstrennungsgebiete sowie Offshore-Parks, die nicht befahren werden dürfen. Dazu kommen Fischereifahrzeuge, die oft nur mit Radar sichtbar sind. Die Tidenströmungen und Wellensituationen im Kanal sind beachtlich und erfordern eine sorgfältige Zeitplanung. Für uns ist das eine neue Herausforderung!

Am Abend dreht der Wind auf West. Da wir Richtung Osten müssen, bedeutet das, dass wir zwischen den Wegpunkten kreuzen müssen, was wieder Zeit kostet. Der Wind bläst kräftig, und die bis zu 4 Meter hohen Wellen setzen uns zu. Leider trifft der Welleneinfallswinkel die KAMI oft seitlich, was das Bewegen im Salon, in der Koje oder im Bad erschwert. Die Wellen schlagen unaufhörlich gegen das Schiff; es rumst, donnert und vibriert ohne Pause. Gischt sprüht über das Deck. Für die nächsten Tage ist keine große Wetteränderung in Sicht, und die unruhige See bleibt uns erhalten. In vier Tagen sollten wir den westlichen Eingang des Kanals erreichen.

Trotz der starken Schaukelei gibt es heute frisches Brot, das wir uns gleich nach dem Backen mit deutscher Salami schmecken lassen. Der Duft von frisch gebackenem Brot – ein Hauch von Heimat.

27. Etmal 147 Seemeilen

22.06.2023 – 12:00 Uhr UTC
28. Seetag
Etmal: 147 sm

Gesamtsumme: 3442 sm


Wind aus SW

Segelstellung: Großsegel 1. Reff, Genua voll

Speed über Grund: 7 kn

Am Nachmittag mache ich die Koje sauber und stelle dabei fest, dass die Bettdecke schon wieder klamm und feucht ist. Daraufhin inspiziere ich die fest verschlossene Luke, und tatsächlich – es tropft. Es sind zwar nicht viele Tropfen, aber bestimmt zwei bis drei pro Minute. Außer ein Handtuch darunter zu legen oder bei starkem Regen eine kleine Schüssel aufzustellen, kann ich im Moment nicht viel tun. Der Vorbesitzer hat im Vorschiff eine nagelneue Luke verstaut. Ich werde sie wohl im Hafen austauschen müssen. Auch eine kleine Luke im Backbordrumpf, im Bereich der Toilette, scheint undicht zu sein (laut Karsten). Das muss ebenfalls kontrolliert werden.

Es tropft von der Luke

Eine weitere Kuriosität: Morgens setze ich mich im Salon in die Sitzecke und entdecke einen Wassertropfen auf der Ablage in der Nähe des Mastes. Darüber ist die Verkleidung leicht feucht. Bei dem derzeitigen Dauerregen vielleicht nicht überraschend, aber normal ist das auch nicht. Die „Erledigungs- bzw. Reparaturliste“ hat mittlerweile eine beachtliche Länge angenommen.

Der Wind bläst ordentlich, und wir kommen wieder gut voran. Wir sind derzeit so zügig unterwegs, dass wir der Wegpunktplanung von Sebastian Wache bereits um einen Tag voraus sind. Gestern Abend, bei mäßigem Wind, haben wir mit der Segelstellung experimentiert und versucht, einen Schmetterling zu fahren. Dabei ist das Großsegel auf Backbord und die Genua auf Steuerbord ausgebracht. Beide Segel werden mit „Barber Haul“ und „Preventer“ gesichert, sodass sie nicht zurückschlagen können. Das Manöver hat mit ein paar kleinen Schnitzern ganz gut geklappt, doch der Wind ist im Moment so unbeständig, dass wir zur sicheren normalen Segelstellung zurückgekehrt sind.

Der Himmel ist grau, und die Temperaturen sind weiter gesunken. In der Nacht ist es unten in den Bugkabinen kaum noch auszuhalten, und selbst oben im Salon frösteln wir, eingewickelt in Decken. Heute werden wir den Elektroheizkörper nach oben holen und ihn einschalten, sobald der Generator wieder läuft, um die Batterien aufzuladen.

Es ist deutlich spürbar – wir kommen nach Norden!

17. Etmal 179 Seemeilen

12.06.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 14:00 UTC

18. Seetag
Etmal: 179 sm

Gesamtsumme: 2.142 sm


Wind aus SW

Segelstellung: Großsegel 1. Reff, Genua voll

Speed über Grund: 8 kn

Am Nachmittag kommt etwas die Sonne heraus, und die KAMI fährt mit korrektem Kurs auf Nordost. Durch das Absurfen und das Gegenstemmen der Wellen hat Karsten wieder Probleme mit seinem Magen (Seekrankheit?). Mit einem Vitamin-C-Kaugummi liegt er jetzt draußen im Cockpit und ruht. Hoffentlich fällt er mir nicht aus.

Die Wellenfahrt wird sich in den nächsten Tagen leider kaum ändern. Wir machen um die 7 Knoten Fahrt, werden aber abends ins erste Reff gehen, da für die Nacht Böen über 23 Knoten vorhergesagt sind.

Die Tagesetmale werden auf der Seekarte vermerkt.

Ich nutze den Nachmittag für etwas Internet-Recherche zu unserer Route und finde Hinweise von anderen Seglern. Das Seegebiet Schottland – Skagerrak – Kattegat soll sehr anspruchsvoll sein. Zum einen ist das Verkehrsaufkommen dort sehr hoch, zum anderen herrschen wegen der Gezeiten und Strömungen schwierige Bedingungen. Auch das Wetter spielt eine große Rolle. Ich schreibe Sebastian von Wetterwelt an und frage nach seiner Einschätzung. Außerdem kontaktiere ich Martin Daldrup von der „Jambo“, der vor einigen Jahren ebenfalls von West nach Ost über den Atlantik und dann über Schottland in die Nordsee gesegelt ist. Er segelt derzeit mit seiner Lebensgefährtin Anke in den USA. Schon nach 15 Minuten erhalte ich über den Facebook-Messenger seine Antwort: „Hallo Mike, im Pentland Firth etwas aufpassen, ansonsten alles easy. Gute Fahrt!“

Nun warte ich noch auf Sebastians Antwort, die vermutlich im Laufe des Tages (Montag) per E-Mail kommen wird. Plan B wäre (falls das Wetter nicht mitspielt), über die Azoren, die Biskaya und den Ärmelkanal in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) und dann in die Ostsee zu fahren – was ich eigentlich vermeiden möchte. Mal sehen …

Die Nacht bricht herein, und Poseidon ist mehr als schlecht gelaunt. Innerhalb einer Stunde fallen Starkwinde über uns her, die uns Hören und Sehen vergehen lassen. Die schlimmste Nacht der letzten 16 Seetage erwartet uns, begleitet von einem höllischen Gebrüll und donnernden Wellen von durchschnittlich 3 Metern Höhe. Immer wieder werden wir von einzelnen Wellen von bis zu 4 Metern getroffen. Die Wellen schlagen mit solch enormer Kraft auf das Schiff ein, dass sich alles Bewegliche an Bord selbstständig macht. Lampen, Tassen und Handys fliegen durch den Salon. Nicht gesicherte Schranktüren schlagen auf, und deren Inhalte verteilen sich schlagartig in den Ecken. Der Wind pfeift durch Türen und Luken, dass es einem graust. Ein Wasserschwall nach dem anderen schießt durch das Trampolin auf das Vorschiff. Die Gischt, die beim abrupten Eintauchen der KAMI in die Wellen entsteht, wirkt fast explosionsartig. Besonders beunruhigt sind wir, wenn die Wellen uns schräg von achtern treffen, das Schiff seitlich versetzen und wir uns wie auf einem Teller drehen. In diesen Momenten erreicht das Schiff eine Gleitgeschwindigkeit von bis zu 14 Knoten, bremst aber bald wieder auf 7 Knoten ab. Unser Autopilot leistet Schwerstarbeit. Wir müssen in der Nacht zweimal den Generator anwerfen, um den enormen Energieverlust auszugleichen. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken. Wir klammern uns im Salon in halb liegender, halb sitzender Position an Sitzbank und Tisch. Wir sind erschöpft, und unsere Körper fallen in intervallartigen Sekunden- und Minutenschlaf. In diesem Zustand harren wir aus, bis der Tag anbricht und die Sonne die Dunkelheit verdrängt. Endlich können wir die bedrohlichen Wellenberge sehen und nicht nur hören.

Langsam beruhigt es sich „etwas“. Wir kochen uns unter artistischen Verrenkungen einen Kaffee und knabbern an kleinen Schokocookies. Wir setzen unseren Kurs noch etwas weiter nach Osten ab und holpern nun auf 70°. Immer wieder purzelt ein Gegenstand durch den Salon …

In den kommenden Stunden müssen wir unbedingt etwas Schlaf finden, denn die nächste Nacht verspricht kaum besser zu werden. Laut unserer Planung wird sich die Lage im Großen und Ganzen auch bis Dienstag kaum ändern. Vielleicht reffen wir heute Abend die Genua noch etwas ein.

Karsten brät uns ein wenig Speck, dazu gibt es Toast und vielleicht ein Ei. Das wird unser heutiges Bordmahl sein. Die See nimmt schon wieder zu, obwohl wir erst die Mittagsstunden erreicht haben.

Mit gesenktem Blick und tiefer Ehrfurcht rufen wir Poseidon an – sei milde mit uns!

12. Etmal 155 Seemeilen

07.06.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 15:00 UTC

13. Seetag
Etmal: 155 sm

Gesamtsumme: 1.423 sm

Wind aus S – SW

Segelstellung: Großsegel voll, Genua voll

Speed über Grund: 8 kn

Nachmittags stellt sich endlich der erhoffte Wind ein, und die KAMI nimmt wieder Fahrt auf. Von Stunde zu Stunde frischt der Wind auf, und es kommt richtig Bewegung ins Schiff. Unser Begleiter, das Segelboot Javelin auf der Steuerbordseite, ist jedoch nicht mehr auf unserem Kartenplotter zu sehen. Wir vermuten eine Kursänderung nach Südosten, fragen uns aber, warum wir keine AIS-Signale bzw. Symbole mehr auf dem Display sehen.

Wieder ein technisches Problem? Wir wissen es nicht und entscheiden daher, in der Nacht sicherheitshalber das Radar laufen zu lassen. Morgens um 8 Uhr sehen wir glücklicherweise wieder ein AIS-Signal, diesmal von einem Tanker. Das AIS-System funktioniert also. Gut so.

Am Abend schauen wir gemeinsam eine Dokumentation von Arte über die Tiefsee im Mittelmeer. Gegen 22 Uhr machen wir das Schiff für die Nacht fertig: Der Kartenplotter wird in den Nachtmodus geschaltet (rote Beleuchtung), elektrisches Kerzenlicht eingeschaltet, die Positionslampen aktiviert und die Thermoskanne mit Kräutertee gefüllt. Wer schläft wohl rasch wieder ein? Richtig – der liebe Karsten. Das Schiff springt von Welle zu Welle und macht bis zu 9 Knoten Fahrt. So kann es gern weitergehen – wir machen endlich Strecke, wenn man das so nennen kann. Auch ich schlafe im Salon ein und hebe mein Haupt alle 60 Minuten, um blinzelnd auf den Kartenplotter zu schauen. Nichts zu sehen. Ab und an schlagen die Segel im Wind, besonders wenn Windböen mit bis zu 23 Knoten auf die KAMI treffen – dann rumpelt es ordentlich über und unter dem Schiff.

Ich sitze am Kartentisch und vertreibe mir die Zeit, indem ich meinem Schwimmfreund Frank per WhatsApp schreibe. Gegen 4 Uhr wird Karsten wieder wach, und ich gehe in meine Koje, wo ich noch zwei Stunden schlafe. Doch die Wellen nehmen weiter zu, und bei dem Gepolter an Bord finde ich keine Ruhe mehr.

Nach Sonnenaufgang beratschlagen wir den weiteren Kurs. Im Moment fällt der Wind so ein, dass die KAMI zu nördlich läuft. Sebastian Wache hat uns geraten, einen östlichen Kurs einzuschlagen, um einem sich möglicherweise bildenden Sturmtief auszuweichen. Wir machen gerade richtig gute Fahrt und entscheiden uns, einen Zick-Zack-Kurs zu fahren, um weiter östlich zu kommen. Am Freitag könnte es dann etwas schwieriger werden, da ein Tiefdruckgebiet unseren Kurs kreuzen wird. Mal sehen, wie weit wir bis dahin kommen – vielleicht rutschen wir knapp daran vorbei.

Unser 1-kg-Orangennetz (17,50 USD) sieht mittlerweile nicht mehr so ansehnlich aus, also presse ich daraus zwei größere Gläser frischen Orangensaft. Ich stelle die Gläser in der Küche auf die Arbeitsplatte, um die ausgepressten Schalen zu entsorgen, doch dann springt die KAMI auf eine seitliche Welle und beide Gläser ergießen sich abrupt im Salon. Klasse! Ein wenig Abwechslung ist doch schön.

Ach, wie ärgerlich.

Nach den Reinigungsarbeiten verlegen wir das Datenkabel der Starlink-Antenne über zwei Revisionsklappen ins Schiffsinnere. Nachts wird es jetzt doch schon recht kühl, und wenn der Wind achterlich einfällt, ist es im Salon nicht mehr so behaglich. Wir konnten wegen des Datenkabels die Salontür bisher nicht schließen, aber dank unseres improvisierten Provisoriums geht das ab heute.

Nach dem Frühstück (leider ohne Orangensaft), das aus einer kleinen Schale Müsli besteht, werfe ich die Waschmaschine an. Bei dem heutigen Wind sollte die Wäsche schnell trocknen. Insgesamt laufen zwei Maschinen (à 3 kg) durch, jeweils 40 Minuten. Generator und Wassermacher laufen parallel.

An unsere ausgebrachte Angel (Trollingleine) will nichts beißen. Gerne würden wir zum Abendessen ein Stück gebratenen Mahi-Mahi verspeisen, aber das Schiff läuft gerade viel zu schnell für die Fangköder. Also bleibt der Teller bis auf Nudeln, Gemüse und etwas Pute (als Ersatz) leer.

Sonst gibt es nichts zu tun – außer schlafen, dösen und an unsere Lieben daheim denken.

11. Etmal 70 Seemeilen

06.06.2023 – 12:03 Uhr Ortszeit – 15:03 UTC
12. Seetag

Etmal: 70 sm

Gesamtsumme: 1.268 sm


Wind aus SW

Segelstellung: Alles draussen was geht (außer Gennaker)

Speed über Grund: 5,7 kn

Wir kommen nicht richtig voran. Die Flautenbereiche haben uns fest im Griff. Die Nacht ist sehr ruhig. Mehrmals schläft der Wind auf „0“ ein, und der Alarm des Autopiloten ertönt, da er seinen befohlenen Kurs nicht halten kann. Also starten wir kurz die Maschine und bewegen uns mit 2 bis 3 Knoten in Richtung des nächsten Wegpunkts. Dann frischt der Wind wieder bis auf 7 Knoten auf. Rasch die Maschine aus und die Genua ausgerichtet. Dieses Spielchen wiederholt sich zwei- bis dreimal in der Nacht.

7 Meilen an unserer Steuerbordseite sehen wir seit dem späten Nachmittag auf dem AIS („Automatic Identification System“) das Segelboot „Javelin“. Nach ihrer MMSI (Funkkennung) zu urteilen, müsste es sich um ein niederländisches Schiff handeln. Leider finden wir im Netz keine weiteren Informationen über das Boot. Die Javelin fährt nun schon seit 14 Stunden auf gleicher Höhe an unserer Steuerbordseite – Richtung Nordost. Wir können sie nicht sehen, sie ist mit aktuell 9,23 Meilen zu weit entfernt. So merkwürdig es klingt, aber wir freuen uns, das eine oder andere Segelboot hier draußen zu sehen.

Gestern wurden wir über Funk gerufen. Ich war gerade im Bad, und Karsten, der sich langsam als richtiger Funkprofi entpuppt, sprach mit einem französischen Katamaran. Wir wurden gefragt, ob wir wissen, wann der Wind wiederkommt, und man wünschte uns eine gute Fahrt durch die Nacht. Abschließend wurde uns vorgeschlagen, uns doch in „Horta“ auf den Azoren in einem Café zu treffen. Mit dem französischen Katamaran, der mit voller Besegelung in der Flaute unter Maschine fuhr, sahen wir vielleicht 3 Meilen dahinter noch zwei weitere Kats. Diese hatten keine Segel gesetzt und schienen nur unter Motor zu fahren. Selbst als wieder ein bisschen Wind aufkam (5 bis 7 Knoten), motorisierten die drei Katamarane weiter. Erst zum Sundowner (hinter den Wolken) sahen wir einen der Katamarane doch noch seine Segel setzen, in der Hoffnung, die Nacht würde etwas Wind bringen. Leider sollte der Plan nicht aufgehen.

Die KAMI schiebt sich mit durchschnittlich 2 Knoten durch die Dunkelheit. Nachdem wir uns eine heiße Dusche gegönnt hatten, bauten wir unser Lager im Salon auf. Jeder machte es sich auf einer Seite der Sitzecke bequem. Wir überlegen, die Sitzecke zu einem durchgängigen Schlaflager umzubauen – vielleicht in den nächsten Tagen?! Nach einem Blick auf den Kartenplotter (die Javelin ist in sicherem Abstand) und leiser Chill-out-Musik im Ohr schlafen wir beide tief und fest ein. Moment mal, wer hätte eigentlich Wache?
Ich werde nach 2 Stunden wach und schaue mich ringsum um. Wegen der Flaute gibt es kaum Wellen. Alles ist in Ordnung. Gegen 4 Uhr nasche ich einen Mr.Tom und belebe mich mit einer echten US-Coke, die übrigens ganz anders schmeckt als unsere in Deutschland. Karsten schläft – wie immer! Wie er das macht: Er legt sich hin und ist nach 2 Minuten schon im Traumland. Ich bekomme das nicht hin. Irgendwie habe ich immer eine „Grundnervosität“ in mir. Gedanken wie: „Kreuzt uns ein anderes Schiff?“, „Schlagen die Segel?“, „Ist alles sicher?“ – wecken mich nach relativ kurzen Schlafintervallen. Es ist kein Problem – durch die viele Seeluft fühlt man sich gut, und die Müdigkeit verfliegt schnell. Dann müssen tagsüber eben noch ein paar Powernaps gemacht werden.

Gegen 6 Uhr gehe ich aufs Vorschiff und setze wieder alles an Tuch, was geht. Etwas schneller laufen wir der aufgehenden Sonne entgegen. Danach gibt’s den ersten Kaffee des Tages. Mein Wachpartner schläft noch immer, nicht mal der Geruch von frischem Kaffee erweckt seine Lebensgeister. Pennbeutel! lach
Ich checke mit der Kaffeetasse in der Hand meine E-Mails. Wieder Post von Sebastian Wache: Heute soll sich noch achterlicher Wind einstellen, der uns etwas zügiger voranbringen wird. Oh ja, das wäre schön. Wir sind gespannt.

Wir freuen uns über die E-Mail von Sebastian Wache von Wetterwelt.

Gestern Nachmittag flog ein Pärchen Weißschwanz-Tropikvögel mindestens 1,5 Stunden um die KAMI. Sehr hübsche Tiere und unglaublich kunstvolle Flieger. Dann fiel uns im Wasser ein Lebewesen auf, das wie ein aufgeblasener Folienhandschuh aussah. Zuerst dachten wir, es wäre Plastikmüll, doch bei genauerem Hinsehen lösten wir das Rätsel: Es war eine Portugiesische Galeere – eine Seeblase, die zu den giftigen Staatsquallen gehört. Stunden später zählten wir noch immer etliche dieser Tiere, die an der KAMI vorbeitrieben. Selbst heute früh sieht man sie überall auf dem Atlantik – Baden fällt also erstmal aus.

Uns geht es gut.

10. Etmal 129 Seemeilen

05.06.2023 – 12:45 Uhr Ortszeit – 15:45 UTC
11. Seetag

Etmal: 129 sm

Gesamtsumme: 1.198 sm

Wind aus SW

Segelstellung: wir motoren bei 3 kn Wind

Speed über Grund: 2,6 kn

Heute Nacht, in den frühen Morgenstunden, drehte der Wind von NW auf SW und weiter auf S, jetzt wieder SW. Wir mussten unseren Kurs mehrmals anpassen (der sichtbare Haken auf der Karte). Bei Tagesanbruch sahen wir für 1,5 Stunden die Sonne, doch dann kam das nächste Regengebiet, und seitdem regnet es unaufhörlich wie aus Eimern. Leider ist der Wind auch komplett eingeschlafen (1 bis 5 Knoten), sodass wir unsere Segel reffen mussten. Nun motoren wir mit 1.200 Umdrehungen, um wenigstens einigermaßen die Richtung zum nächsten Wegpunkt zu halten. Unsere Geschwindigkeit beträgt jetzt mit Unterstützung der Backbordmaschine 2,8 Knoten. Zum späteren Nachmittag hoffen wir auf mehr Wind, damit wir die Maschine wieder abstellen und die Segel setzen können.

Wir müssen Diesel sparen!

Im Abstand von 3 bis 18 Seemeilen werden wir auf unserer Kurslinie von drei weiteren Segelbooten begleitet. Wir verfolgen sie auf unserem Radarbildschirm und stellen fest, dass auch sie „gähnend langsam“ unterwegs sind – genau wie wir. Alle Boote fahren in Richtung Azoren – auch wir werden diese Woche die Azoren anpeilen und hoffen, dann irgendwann später weiter nördlich abfallen zu können.

Sebastian Wache hat uns wieder geschrieben und neue Wegpunkte übermittelt. Wir müssen allerdings feststellen, dass die Vorhersagen doch oft etwas „daneben“ liegen. Im Großen und Ganzen passt das aber schon.
Wir haben ihm heute zurückgeschrieben, dass seine Wegpunktplanung „zu straff“ für die KAMI ist. Wir kommen nicht hinterher.

Karsten hat sich heute früh (noch vor Tagesanbruch) mit den Angeln versucht. Außer Sargassum war nichts am Haken. Für kurze Aufregung sorgte das Einholen der Trollingleine, als sie unter dem Boot feststeckte – vielleicht sogar an der Schraube. Mit Geduld haben wir sie im strömenden Regen freibekommen und konnten sie dann an Bord ziehen. Gott sei Dank! Also, das nächste Mal angeln – erst wieder bei Wind und Fahrt!

Blick aus dem Salon – Backbordseite

Ab Mittwoch soll sich ein Hochdruckgebiet zeigen. Darauf freuen wir uns, denn Sonne und Wärme vermissen wir sehr. Wir müssen unbedingt zwei, drei Waschmaschinen ansetzen, und bei freundlichem Wetter trocknet die Wäsche dann auch relativ schnell.

Zum Wochenende hin wird es mit Regenschauern und Gewittern wieder ungemütlich. Das haben wir so nicht bestellt! lach

Der Regen prasselt aufs Dach, und im Salon läuft leise chillige Jazzmusik, à la Hohe Düne-Klavierspieler.

Das graue Wetter setzt uns ein wenig zu, unsere Gedanken sind oft zu Hause – aber jetzt bloß nicht schwermütig werden …!!!

Weiterfahrt am Sonntag

02. Juni 2023

Seit gestern Mittag regnet es fast pausenlos, sodass wir auf der KAMI festsitzen. Den Vormittag hat Karsten noch für einen Fußmarsch zur nahegelegenen Tobacco Bay genutzt. Als er wieder da war, fiel er erschöpft in seine Koje und machte einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Nachmittags laufen wir im Regen noch einmal zum Mini-Supermarkt um die Ecke und holen uns eine Flasche Gin, etwas Tonic, zwei Croissants zum Frühstück und eine Paprika. Zum Abendbrot zaubert uns Karsten einen frischen Salat (köstlich), den wir mit einem „Munchiesburger“ von nebenan etwas verfeinern. lach

Abends schauen wir zwei Seglerdokus auf dem Laptop und krabbeln gegen 22 Uhr in die Koje.

Gegen 9 Uhr werden wir wach, weil das Schiff hin und her schlingert und auf und ab tanzt. Blinzelnd überlege ich, ob wir schon los sind, hechte dann nach vorn ins Bad und schaue aus der Luke nach draußen. Der Wind hat zugenommen, und im Hafen hat sich eine Kabbelsee gebildet; Wellen klatschen aus allen Richtungen zusammen, und Starkregen prasselt oben aufs Deck. Karsten sitzt schon oben mit der ersten Tasse Kaffee in der Hand. Ich frage ihn scherzhaft, ob er schon losgesegelt ist, worauf er mit einem Grinsen antwortet, dass Regen und Welle bis zum nächsten Tag so bleiben sollen. Na toll!

Der Wind drückt die KAMI fest an die Kaimauer; die ausgebrachten Fender quietschen und knarzen unter dem Druck. Können Fender eigentlich platzen? Uns ist leicht unwohl.

Da seit Tagen eine ordentliche Sonnenperiode für unsere Solarzellen fehlt, meckert zum Frühstück unser Bordcomputer mit einem lautstarken Gepiepse (Spannung nur noch 11,5 Volt). Wir werfen den Generator an, um die Batterien wieder aufzuladen.

Ich sitze mit meinem ersten Kaffee in der Hand und checke die Bordmails. Ersehnte Post von Sebastian!
Er schreibt, dass wir am 04. oder am 05. Juni die Fahrt fortsetzen können. Es bleibt aber eher durchwachsen – egal – wir wollen jetzt auch langsam weiter Richtung Heimat.

Ausflug auf Bermuda mit Karsten

Wir entscheiden uns, am Sonntag früh aufzubrechen. Morgen soll der Regen ja aufhören, das heißt, wir können in Ruhe das Dinghy wieder verzurren und letzte Einkäufe tätigen. Sonntag früh um 6 wollen wir gegenüber bei den Offiziellen ausklarieren und danach zur Tankstelle fahren, die um 7 Uhr öffnet. Wir haben jetzt aktuell ca. 240 Liter Diesel verbraucht, die es wieder aufzufüllen gilt.

Nach dem Tankstopp geht es ohne Umwege wieder raus auf den Atlantik, und wir steuern den ersten von Sebastian Wache übermittelten Wegpunkt an. So der Plan!

Den heutigen Regentag verbringen wir im Salon. Lesen, schlafen, dösen und eventuell heute Abend ein letzter Besuch im Wahoo. Mal sehen …!!!


Unser Tag auf der Insel

01. Juni 2023

Mit einiger Verspätung kam gestern dann noch der Elektriker, den wir am Großfall mit der Winsch auf die Mastspitze befördert haben. Leider konnte er oben nichts entdecken, was auf einen Mangel an der Windfahne hindeuten könnte. Schade! Wir werden wohl so weitersegeln müssen. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Kontakt an der Leitung, die im Mast verläuft, durch das Schlagen des Mastes im Wind einen Wackelkontakt hat – eventuell aufgrund von Materialermüdung.
Seine Dienste lässt sich der Elektriker von uns mit insgesamt 300 USD honorieren.

Der Elektriker hoch oben im Mast.

Nachmittags haben wir uns ein Taxi geschnappt und sind in die Hauptstadt „Hamilton“ gefahren. Mit dem Besuch des Aquariums und des kleinen Zoos waren wir nach 3 Stunden wieder zurück in St. George’s.

Ihr könnt euch also denken, wie der Ausflug verlaufen ist. lach

In Hamilton sieht man ausschließlich Businessgebäude. Im „Flanierbereich“ des Hafens steht jeder dritte Laden leer und wird durch ein Schild zur Miete angeboten. Wir haben drei Boutiquen gefunden, die insgesamt das gleiche Angebot hatten (Nippes, Shirts, Souvenirs). Sonst gab es ein paar Schmuck- und Uhrenläden – nichts Aufregendes. In einem Café in der Seitenstraße haben wir uns zwei Paninis und zwei Cola für 46 USD gegönnt.

Zurück in St. George’s machen wir die erste Einkaufsrunde. Auf unserem Proviantzettel stehen Cola, Tonic, Cornflakes, Äpfel und Milch. Der Supermarkt ist fußläufig erreichbar. Wir werden mit unseren Rucksäcken zwei- bis dreimal hinlaufen müssen, bis der Vorrat an Bord wieder aufgefüllt ist.

Abends holen wir uns am „Munchies“ (Imbissbude direkt neben unserem Boot) einen Munchiburger mit Fries. Pro Burger zahlen wir 14 USD. Er schmeckt sehr gut!
Ihr denkt euch jetzt bestimmt, warum wir nicht selbst kochen und an Bord essen?!
Wir wollen natürlich möglichst nicht an unsere Vorräte gehen, und die Preise im Supermarkt sind auch jenseits von gut und böse. Jeden Abend im Wahoo essen zu gehen, ist auch keine Option. Unter 100 USD kommen wir dort nicht weg, und wir wollen es ja auch nicht übertreiben.

Karsten ist gerade unterwegs und schaut sich einige Sehenswürdigkeiten in der Nähe an. Da ich nicht so der Läufer bin, bleibe ich an Bord und nutze die Zeit für kleinere Reparaturarbeiten.

Bei dem bescheidenen Wetter (bewölkt, böig, frisch 25 °C) kann man hier nicht viel machen. Also warten wir (mal wieder) auf den Wind, der hoffentlich ab Montag wiederkommt. Sebastian Wache von Wetterwelt wird sich bei uns mit den neuesten Prognosen melden und ein Feedback geben …

9. Etmal 137 Seemeilen

29.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC

10. Seetag
Etmal: 137 sm

Gesamtsumme: 1.029 sm

Wind aus E – NE

Segelstellung: wir motoren bei 4 kn Wind

Speed über Grund: 6 kn

Der gestrige Tag verlief ganz ruhig, und wir haben die Zeit genutzt, um uns mit der Angel (Trollingleine) zu beschäftigen. Leider hat aber nichts gebissen – wir vermuten, dass die laufende Maschine der Grund dafür ist.

Die Nacht war ebenfalls entspannt. Durch die Flaute hatten wir kaum Welle, und so war es ruhig im Schiff.

Der Tag erwacht auf dem Atlantik …

Wir laufen jetzt St. George’s auf Bermuda im Nordosten der Insel an und müssten nach unserer Rechnung gegen 20:00 Uhr dort sein. Sebastian Wache hat heute früh noch eine E-Mail geschickt, in der er uns mitgeteilt hat, dass wir das um den 04. Juni aufziehende Tief noch abwarten müssen, bevor es weitergehen kann. Eventuell könnten wir ab dem 05. Juni mit Nordwestwind die Tour fortsetzen. Die Entwicklung muss weiterhin beobachtet werden.

Das Schiff und die Mannschaft sind bereit zum Einlaufen.
Fender und Festmacherleinen liegen bereit.

8. Etmal 125 Seemeilen

28.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC
9. Seetag
Etmal: 125 sm

Gesamtsumme: 893 sm

Wind aus E – NE

Segelstellung: wir motoren bei 4 kn Wind

Speed über Grund: 6 kn

Wir haben den Abstand von 200 Meilen zur Insel Bermuda unterschritten und können nun davon ausgehen, dass wir morgen Abend gegen 20 Uhr in Saint George’s an der Nordostküste von Bermuda einlaufen werden. Wir fahren unter Maschine, da kaum Wind ist und wir nur sehr schwer mit Besegelung vorankommen würden.

Bermuda

Sebastian Wache hat uns mit seiner E-Mail von heute früh auch ans Herz gelegt, Bermuda anzulaufen, denn es ist am 30. Mai überall großflächig flau. Danach soll sich das USA-Hoch durchsetzen, und es stellt sich ein Ost- bis Nordost Wind ein. Spätestens dann müssen wir sowieso weiter nach Norden. Hoffentlich klappt das in der kurzen Liegezeit mit der erhofften Reparatur unserer Windanzeige.

Der gestrige Tag war eher unspektakulär. Es war der erste Tag, an dem es mal ruhiger auf dem Schiff war (abgesehen vom Brummen der Maschine). Wir nutzten die Zeit für zwei Waschmaschinenladungen und haben viel geschlafen und gedöst. Nachmittags zeigte sich für zwei, drei Stunden die Sonne – da war eine kühle Deckdusche eine Wohltat. Sonst gab es keine neuen Schäden oder entdeckten Mängel – yeah, so kann’s bleiben (Holzklopf).

Ich bin gestern Abend um 20 Uhr in die Koje und heute Morgen um 3 Uhr wieder hoch. Das erste Mal auf See habe ich sieben Stunden tief und fest geschlafen. Das hat gut getan! Karsten hat da nicht so seine Probleme, Ruhe zu finden und zu schlafen. Er kann immer!

Jetzt wollen wir dem Standortleiter des TO in Bermuda, Geza Wolf, noch eine E-Mail mit unseren geplanten Ankunftsdaten schreiben. Da wir auf Deutsch kommunizieren können, ist das für die Verständigung ganz gut. Geza betreibt das Restaurant Wahoo in Hafennähe. Dort werden wir wohl am Dienstagabend zu meinem 55. Geburtstag einkehren.

Heute liegt nichts Weiteres bei uns an. Unseren Gennaker konnten wir noch nicht ausprobieren, da entweder die Windrichtung oder allgemein das Wetter nicht passten. Aber wir haben ja noch ein großes Zeitfenster vor uns – da wird sich schon noch die Möglichkeit zeigen.

Jetzt, kurz vor dem Etmal, schon wieder: Gewitter, Regen, Regen, Regen und Kreuzwellen, die den Kat gut 2,5 Meter springen lassen. War heute nicht eine entspannte Flaute angesagt?

6. Etmal 133 Seemeilen

26.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC
7. Seetag

Etmal: 133 sm

Gesamtsumme: 641,5 sm


Wind aus S bis SW

Segelstellung – Großsegel voll – Genua voll – Vorwindkurs 110°

Speed über Grund: 7,7 kn

Wir freuen uns über die E-Mail von Sebastian Wache, unserem Wetterguide, der uns aus Deutschland betreut. Leider gibt es nicht wirklich gute Nachrichten. Der gesamte Atlantik ist derzeit mit Hochdruckgebieten übersät, und die für den Wind nötigen Tiefs sind kaum in Sicht. Sebastian empfiehlt (als eine Option), Bermuda anzulaufen und dort auf ein passendes Tief mit entsprechendem Wind zu warten.
Zitat von Sebastian: „Und man muss schon beten, dass endlich mal ein Tief kommt und Wind bringt …“

Wir finden die Idee gar nicht so schlecht, zumal unsere Getränkevorräte (die CO2-haltigen) langsam zur Neige gehen. Kein Wunder, bei der Hitze hier. Außerdem könnten wir in Bermuda unsere Tanks auffüllen und versuchen, Hilfe für unsere ständig ausfallende Windanzeige zu finden.
Bis nach Bermuda sind es noch gut 700 Seemeilen. Bei den derzeit eher bescheidenen Tagesetappen würden wir etwa 6 bis 7 Tage benötigen, um dort einzutreffen. Vielleicht könnten wir auch mit zeitweiser Maschinenunterstützung weiterfahren. Wir müssen sehen, wie sich der Wind heute (derzeit sieht es mit 14 Knoten ganz gut aus) und in den nächsten Tagen entwickelt. Heute nutzen wir den Tag, um zu googeln, ob wir kurzfristige Hilfe auf Bermuda bekommen könnten.

Es ist also noch offen, ob wir einen Zwischenstopp einlegen oder uns weiter nach Osten durchkämpfen. Wir entscheiden das kurzfristig, je nach Feedback der Marinas auf Bermuda.

Unsere Nacht war recht gut, allerdings ist mir während der Wache beim Naschen eines Snickers ein Stück vom Schneidezahn abgebrochen. Mist!

Am Morgen haben wir einen Gast an Bord entdeckt, dem leider nicht mehr zu helfen war. Gerne würden wir uns einen leckeren Fisch fangen, aber Angeln ist hier nicht möglich. Überall treiben Sargassum-Algen (sehen aus wie grüner Salat) – die würden sofort in der Angelschnur hängen bleiben. Heute lassen wir es ruhig angehen (so der Plan). Karsten kocht gerade Kaffee, und ich werde gleich noch einmal aufs Deck gehen, um nach den Segeln zu schauen.

Fliegende Fische sind oft nächtliche Besucher an Bord.

Uns geht es gut, und wir sind froh, dass es die Internettechnologie wie „Starlink“ gibt, um hier mitten auf dem Ozean mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben.

1. Etmal 99,3 Seemeilen

21.05.2023 – 11.48 Uhr Ortszeit – 15.50 Uhr UTC
2. Seetag
Etmal: 99,3 sm
Gesamtsumme: 99,3 sm
Wind aus NO zwischen 3 und 10 Knoten

Segelstellung – Großsegel voll – Genua voll – spitzer Amwindkurs um die 40°

Speed über Grund: gerade um die 3,5 kn

Wir kriechen weiter Richtung Norden und passieren „Great Abaco Island“ an unserer Backbordseite.
 Karsten kocht leckeren Kräutertee (wir sind beide sehr trinkfaul), und dabei hören wir den Seefunk mit.
 Nichts Spannendes!
Abwechselnd versuchen wir, ein Powernap zu machen, was bei dem ständigen Wellengehüpfe nicht so leicht ist.


Wir suchen den Wind und hoffen, dass er in den nächsten Tagen auf Süd dreht, damit wir endlich einen vernünftigen Raumwindkurs segeln können – das würde mehr Ruhe ins Schiff bringen.

Im Moment sind die Aussichten für die nächsten Tage leider eher bescheiden. Der Wind schläft regelmäßig ein, und unser Autopilot läuft auf Hochtouren, um den Kurs irgendwie zu halten. Sebastian Wache von Wetterwelt schätzt eine „Besserung“ erst ab dem 26. Mai – dann könnten die südlichen Winde langsam zurückkehren (wenn wir Glück haben) und uns Richtung Heimat schieben.

Wir hoffen!

Wenig Wind in den Segeln …