Und weiter geht’s… wir sind ready!

Besuch an Bord

Wie wir beim letzten Mal schon erzählt haben, erwarteten wir am Pfingstmontag Besuch – und zwar von unserem lieben Götz. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, ihn an Bord willkommen zu heißen! Gemeinsam haben wir ihm alles gezeigt, was unser schwimmendes Zuhause zu bieten hat, und natürlich kamen wir auch auf das Thema medizinische Notfälle zu sprechen – ein spannendes und wichtiges Thema, über das wir gerne philosophierten.

Götz zu Besuch an Bord

Am Freitag kam Kathis beste Freundin Katha zu Besuch und verbrachte den ganzen Tag mit uns. Na ja, zumindest fast den ganzen Tag – Mike hatte sich nach ihrer Ankunft erst einmal verkrümelt, um Diesel zu holen und die Reservekanister zu verstauen. Wir Mädels hatten so Zeit für eine gemütliche Kaffeerunde mit den neuesten Klatschgeschichten aus der alten Heimat.

Nach dem Kaffee ging es für Kathi und Katha an den Strand, um endlich die lang ersehnte Sonne zu genießen – natürlich in Begleitung von Piper’li, die sogar ein bisschen im Wasser getobt hat. Bei 17 Grad Wassertemperatur war es zwar noch etwas kalt, aber die frische Luft und das Wasser machten trotzdem viel Freude.

Zum Abendessen gab es Schmorgurken – Mikes Lieblingsessen – und wir ließen den Tag mit einem Glas Wein ausklingen, bevor Katha sich am späten Abend wieder auf den Heimweg machte.

Vorbereitungen – Proviantieren

Am Dienstag warteten wir ganz gespannt auf unsere erste Steg-Lieferung von Edeka, die zwischen 12 und 16 Uhr angekündigt war. Kurz nach 12 klingelte dann Kathis Handy – der Lieferant war dran und fragte, an welchem Steg er uns findet. Wir erklärten ihm den Weg und kurz darauf sahen wir ihn schon auf uns zulaufen – mit vier großen Bananenkisten voll mit allem, was wir bestellt hatten!

Proviant
Proviant
Proviant

Nach dem Kontrollieren und Verräumen waren wir begeistert: Es war wirklich alles da! Eine riesige Erleichterung für uns, denn der nächste große Supermarkt ist entweder 40 Minuten Fahrt durch Markgrafenheide oder mit der Fähre erreichbar – beides nicht gerade um die Ecke. Also haben wir gleich die nächste Bestellung abgeschickt – besser geht’s nicht!

Das Verstauen der Vorräte erfordert allerdings etwas Geschick, denn in den Fächern und Schapps darf nichts klappern. Dosen und Flaschen packten wir einzeln in Luftpolsterfolie ein, um alles sicher zu verstauen. Einige spezielle Sachen wie Antibrumm, Kefir- und Joghurtbakterien haben wir noch online bestellt. So langsam sind wir wirklich startklar – Aufproviantierung abgeschlossen!

Kleiner Strandausflug

Um die seltenen Sonnenstrahlen hier bei uns zu genießen, haben wir am Samstag einen Strandtag eingeplant – und damit auch die erste Dinghy-Fahrt für Piper in diesem Jahr. Wir machten das Dinghy startklar, ließen es ins Wasser und verstauten unsere Strandsachen darin. Piper schaute erst sehr skeptisch zu, aber dann hieß es: Rein ins Dinghy und los!

Piper im Dinghy

Zuerst war Piper nicht so begeistert, doch wir fuhren ganz vorsichtig und sanft über die Wellen, sodass sie sich langsam wieder an das kleine Boot gewöhnen konnte. Wir hatten am Hundestrand viel Spaß… es fühlte sich schon fast wie „Sommer“ an.

Spielt das Wetter nächste Woche mit, werfen wir endlich die Leinen los. Die KAMI ist bereit zum Ablegen und Auslaufen.
Wir halten euch auf dem Laufenden – versprochen!

KAMI im Abendrot in Warnemünde

Kochen für den Pazifik

Wir beginnen mit dem Vorkochen für die langen Passagen auf dem Pazifik. Aus Gewichtsgründen haben wir uns gegen das Einkochen in Schraubgläsern (Einwecken) entschieden. Ein weiterer Ablehnungsgrund liegt in der kürzeren Haltbarkeitszeit von eingeweckten Lebensmitteln. Diese gelten als Halbkonserven und sind maximal nur zwei Jahre haltbar. Daher haben wir uns intensiv mit der Herstellung von Vollkonserven beschäftigt. Vollkonserven sind mindestens vier bis fünf Jahre haltbar, da sie im Gegensatz zu Halbkonserven in einem Autoklaven bei ca. 127 Grad Celsius sterilisiert werden. Zudem ist die Weißblechdose im Eigengewicht um ein Vielfaches leichter als ein Einweck- oder Schraubglas und weniger bruchanfällig.

Selbst hergestellte Konserven mit Beschriftungsfeld auf dem Deckel.

Um Vollkonserven erfolgreich herzustellen, haben wir uns einen 18-Liter-Autoklaven (Dampfsterilisator), eine Dosenverschlussmaschine und natürlich ausreichend Weißblechdosen in verschiedenen Größen zugelegt. Wir planen, 12 Dosen Frikassee, 12 Dosen Gulasch, 10 Dosen Königsberger Klopse, 10 Dosen Rinderrouladen, 5 Dosen Butter (tatsächlich kann man Butter auch einkochen), 10 Dosen Weiße-Bohnen-Eintopf, 5 Dosen Hähnchencurry, 5 Dosen Bolognesesauce, 5 Dosen Soljanka, 10 Dosen Schmorgurken und 10 Dosen Würzfleisch selbst zu kochen und zu autoclavieren. So können wir sicher sein, dass uns die Konserven gut schmecken und nur gute, ausgewählte und gesunde Zutaten verwendet werden.

Nach dem Dampfsterilisieren wird der Druck von 1,6 BAR abgelassen.

Wir könnten auch Brot in Dosen backen, wollen aber regelmäßig an Bord mit Sauerteig frisch backen.

Kathi ist eine wunderbare Köchin. Alles, was sie auf den Tisch bringt, ist superlecker. Das Backen fällt in meinen (Mike) Bereich. Dafür habe ich wirkliches Geschick und backe fast nur noch „freestyle“. Auf meiner Instagram-Seite „mikes_bread_dreams“ folgen mir knapp 8.000 User, wobei ich, ehrlich gesagt, schon lange keine Brotkreationen mehr gepostet habe.

Das Lagern und Unterbringen der eigenen Konserven wollen wir im nächsten Frühjahr durchführen – das wird auch noch einmal spannend. Jede freie Ecke unter den Bodenbrettern oder unter den Kojen werden wir dafür nutzen. Die Dosen wollen wir einzeln in Luftpolsterfolie einwickeln, beschriften und in einer digitalen Lagerliste katalogisieren.

Leckeres Hühnerfrikassee für die Pazifikpassagen.
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31. Etmal 151 Seemeilen

26.06.2023 – 12:30 Uhr UTC

32. Seetag
Etmal: 139 sm

Gesamtsumme: 4017 sm

Wind aus SW

Segelstellung: Großsegel 2. Reff, Genua voll

Speed über Grund: 7 kn

Wir haben es geschafft: Die 4.000-Seemeilen-Marke ist geknackt! Insgesamt sind wir nun 7.440 Kilometer mit der KAMI unterwegs, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,4 Knoten, also etwa 10 km/h – zügiges Gehtempo! lach In Strecke ausgedrückt, fahren wir pro Tag einmal die Tour von Werder (Havel) nach Rostock-Warnemünde über die Autobahnen A19 und A24.

Wow, Geschwindigkeit mal anders erleben!

In der Nacht hatten wir wieder ungebetenen Besuch: Ein Kalmar (Tintenfisch) lag heute früh tot auf unserem Poopdeck (Achterdeck). Ein Foto des Tieres könnt ihr hier bestaunen.

Mit derzeit 7 Knoten Fahrt kommen wir gut voran. Der Wind hat nun auf Südwest gedreht, und wir können unsere Route direkt segeln. Die Wellen kommen jetzt von achtern, sodass die KAMI sie schön abreiten kann – das macht es an Bord etwas erträglicher. Gegen Abend nehmen Wind und Böen wieder zu. Wir hoffen, dass die Windrichtung stabil bleibt und die zunehmend höheren Wellenberge schön von hinten kommen. Ärmelkanal, wir kommen!

Nun befinden wir uns auf der Route „North American East Coast – English Channel“, die mit 2.720 nautischen Meilen die kürzeste Verbindung zwischen den Kontinenten über den Atlantik darstellt. Dementsprechend begegnen uns jetzt viele Frachter, Tanker und Containerschiffe aus Richtung Ärmelkanal. Kurioserweise finden die meisten dieser Begegnungen in den Nachtstunden statt. Während unserer Wache sitzen wir oft vor dem Kartenplotter und studieren die AIS- und Radardaten, um sicherzustellen, dass sich die Kurse der Schiffe sicher mit unserem kreuzen.

Die schiere Masse an Schiffen, die hier in Richtung Hamburg und Rotterdam unterwegs ist, ist überwältigend. Wir schauen häufig im Internet auf der MarineTraffic-Seite nach, woher die Schiffe kommen, welchen Hafen sie ansteuern, was sie geladen haben, wann sie ihr Ziel voraussichtlich erreichen und unter welcher Flagge sie fahren. Das ist zu einem kleinen Zeitvertreib auf der KAMI geworden. Ihr glaubt gar nicht, wie viele LNG-Tanker in Richtung Deutschland unterwegs sind. Was für ein ökologischer Unsinn – typisch deutsch! Wir finden das einfach daneben.

Unsere Vorräte neigen sich allmählich dem Ende zu. Schokolade, Kekse, Nüsse und Chips sind aufgebraucht, und die Cerealien reichen noch für etwa vier Tage. Ein Brot liegt noch im Tiefkühler, und wir haben 1,5 kg Dinkelmehl, aus dem wir noch drei Brote backen können. Apropos Backen: Der Gasofen bereitet mir Schwierigkeiten. Es ist nahezu unmöglich, eine konstante Temperatur im Inneren zu halten. Entweder ist sie zu niedrig oder zu hoch. Zwar gibt es am Regler Skalen von 1 bis 8, doch das Thermometer zeigt ständig andere Werte an. Das macht das Backen etwas knifflig. Da ich gerne backe, werde ich den Ofen wohl gegen einen elektrischen tauschen müssen.

Auch der Kühlschrank leert sich merklich. Obst und Gemüse haben wir nur noch in Konservenform an Bord. Wir müssen uns einschränken! Mindestens 14 Tage liegen noch vor uns.

21. Etmal 129 Seemeilen

16.06.2023 – 13:30 Uhr Ortszeit – 14:30 UTC
22. Seetag
Etmal: 129 sm

Gesamtsumme: 2761 sm


Wind aus SW

Segelstellung: Großsegel 1. Reff, Genua 80%

Speed über Grund: 6 kn

Wir machen am Nachmittag noch gute Fahrt und überlegen, was wir zum Abendessen zubereiten wollen. Im Kühlschrank haben wir noch etwas Mischgemüse, dazu möchten wir Bratwurst und Reis kochen. Als wir jedoch im Salon unter der Sitzecke die Vorratskiste öffnen, schlägt uns ein seltsamer Geruch entgegen – eine Mischung aus Apfelessig und saurer Sahne. Es muss Wasser eingedrungen sein. Eine Katastrophe!
nDer große Reissack ist zu zwei Dritteln verdorben (6 kg schlecht), fünf Nudelpackungen sind hinüber, und auch die Linsen und Spaghetti sind unbrauchbar. Was für ein Verlust! Aber mit den verbleibenden 3 kg Reis, 2 kg Nudeln und mindestens 5 kg Kartoffeln werden wir nicht verhungern.

In der Nacht kommen uns fünf Frachtschiffe entgegen, darunter drei große Containerschiffe der Reederei Maersk, ein LNG-Tanker und ein normales Frachtschiff. Wir nähern uns bis auf 2 Meilen, aber alles verläuft reibungslos, und wir passieren uns sicher. Trotzdem sind wir vor allem nachts immer sehr angespannt, wenn wir auf dem Kartenplotter entgegenkommende Schiffe erkennen.

Karsten studiert die Seekarte

Seit heute Vormittag stecken wir in einer Flaute fest. Erst in der Nacht soll sich wieder etwas Wind einstellen. Wir nutzen die windstille Zeit für Putzarbeiten, füllen die Dieseltanks aus den Kanistern nach und produzieren frisches Wasser. Morgen wird uns ein Tiefausläufer aus südlichen Richtungen mit Regen und Windböen bis zu 30 Knoten treffen. Heute Abend kehrt also Ruhe auf dem Schiff ein – die perfekte Gelegenheit für einen Grillabend.

19. Etmal 163 Seemeilen

14.06.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 14:00 UTC
20. Seetag

Etmal: 163 sm

Gesamtsumme: 2.490 sm


Wind aus W / SW

Segelstellung: Großsegel voll, Genua voll

Speed über Grund: 6 kn

Nachmittags, beim Reffen des Großsegels, muss ich aufs Vorschiff und mich nach hinten zum Baum hangeln, um das abgelassene Tuch ordentlich im Lazy Bag zu verstauen. Natürlich mit Weste und ordentlich gesichert (eingepickt) – der Bereich rund um den Baum ist an Bord der gefährlichste, hier wurden schon etliche Segler erschlagen. Beim Verstauen des Segeltuchs entdecke ich oben auf dem Bimini-Dach einen etwa 20 cm langen Riss. Ach, wie ärgerlich … Vor zwei Tagen im Starkwind hatten wir bereits bemerkt, dass der Baum bei Wellengang und Böen gelegentlich das Bimini-Gestell touchiert.
 Auf den Social-Media-Kanälen lesen wir, dass auch andere Lagoon-Besitzer über diesen werftseitigen Konstruktionsmangel klagen. Die Lösung wäre, eine niedrigere Sprayhood zu installieren. Die Kosten inklusive Rahmen und neuer Verdeckteile würden sich auf knapp 4.000 Euro belaufen. Grrrr …

Riss im BIMINI Dach

Bei 4 Meter hohen Wellen gehen wir in den Abend und in die Nacht. Ganz nach dem Motto „Und täglich grüßt das Murmeltier“ machen wir, wie in der vorherigen Nacht, ordentlich Fahrt. Mit Böen bis zu 36 Knoten kämpfen wir uns durch die steilen Wellenberge. Erst am Vormittag beruhigt sich die Lage etwas.

Heute wäre eigentlich unser „Bergfest“. Doch die gerade eingetroffene E-Mail von Sebastian verdirbt uns die Stimmung. Wir werden den Anschluss an das jetzige Tief leider rasch verlieren (wir sind zu langsam) und stehen deshalb mindestens sechs windarme Tage bevor. Oh nein!

Das nachrückende Tiefdruckgebiet, auf das wir gehofft haben, wird uns wohl verfehlen. Das sich gerade neu bildende Tiefdruckgebiet aus Richtung Bahamas braucht mindestens eine Woche, um uns zu erreichen. Für Samstag ist sogar eine „0“-Flaute vorhergesagt. Es wird also erst mal im Schneckentempo weitergehen. Das Wetter ist wirklich nicht normal! Momentan leiden auch hunderte andere Segler – ein schwacher Trost.

Wir verschieben unsere Ankunftsprognose vom 7.7. auf den 14.7.!

Heute Nachmittag werden Wind und Wellen einschlafen. Wir setzen dann wieder alles an Segeln, was wir haben, in der Hoffnung, noch ein paar Meilen zu hamstern. Unser Wassertank ist auch fast leer. Um den Vorrat aufzufüllen, müssen wir den Wassermacher eine Stunde laufen lassen, um 100 Liter Trinkwasser zu erzeugen.

Gerade eben haben wir uns mal wieder ein „gutes“ Frühstück gegönnt: Zwei Spiegeleier auf Toast mit gebratenem Bacon. Hmm, lecker … In den letzten Tagen gab es aufgrund der Wellen meist nur Müsli & Co.

Für den „0“-Tag am Samstag haben wir uns vorgenommen, den Bordaußengrill anzuwerfen. Der Tiefkühler ist noch ordentlich mit Steaks & Co. gefüllt. Ich werde mich auch mal mit dem Gasbackofen beschäftigen.
 Karsten hat ja Dinkelmehl aus Deutschland mitgebracht. Also werden wir am Wochenende mal ein Brot backen!

Der Brotteig wird angesetzt und darf dann ordentlich „gehen“.

16. Etmal 141 Seemeilen

11.06.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 15:00 UTC

17. Seetag

Etmal: 141 sm

Gesamtsumme: 1.964 sm


Wind aus W

Segelstellung: Großsegel voll, Genua voll

Speed über Grund: 7 kn

Wir haben die nächste Zeitzone erreicht und somit verringert sich der Zeitunterschied nach Hause auf -4 Stunden. Auf der Papierkarte des Atlantiks tragen wir unsere Position ein und stellen fest, dass wir jetzt „richtig“ draußen sind – mitten auf dem Atlantik, weit weg von jeder Küste. Wahnsinn!

Gestern Abend fällt unser Abendessen mal wieder etwas üppiger aus. Vielleicht liegt es daran, dass sich das Wellenbild etwas beruhigt hat und wir dadurch mehr Appetit bekommen haben. Unsere letzten frischen Vorräte sind nun fast vollständig aufgebraucht oder verdorben. Karsten zaubert uns einen letzten leckeren Salat mit Tomaten, Paprika, Zwiebeln und Eisbergsalat. Dazu gibt es eingelegte amerikanische Gewürzgurken und scharfe Bratwürste. Fantastisch!

Karsten beim Abendbrot zaubern.

Unser Obst, abgesehen von ein paar Äpfeln, hat nur 7 bis 10 Tage überlebt. Besonders die Bananen und Südfrüchte sind schnell schlecht geworden. An Gemüse haben wir noch einige Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren. In der warmen, salzigen Seeluft scheint alles rasend schnell zu verderben. Bevor es 2025 auf Langfahrt geht, müssen wir uns in dieser Hinsicht noch etwas einfallen lassen (zum Beispiel Vakuumieren, Einkochen usw.).

Vermutlich durch die heftigen Regenfälle der letzten Tage scheint alles auf dem Schiff „klamm“ zu sein. Selbst Bettzeug und Kissen trocknen nicht richtig, sodass man sich immer wieder in feuchte Betten legen muss – wahrlich kein angenehmer Zustand. Auch die frische Wäsche im Schrank fühlt sich feucht an. Nicht schön! Wir werden uns wohl einige dicht schließende Plastikkisten besorgen und ein Lager- und Staukonzept entwickeln müssen, um dem in Zukunft entgegenzuwirken.

Die Nacht war wieder sehr laut, und es kam viel Wasser von oben. Ein Weißschwanz-Tropikvogel hat uns stundenlang umkreist. Besonders unser grünes Positionslicht auf der Steuerbordseite scheint ihm gefallen zu haben. Selbst in den Sturmböen flog er mit einer beeindruckenden Leichtigkeit.

In den Morgenstunden halsen wir mit der KAMI auf Kurs Nordost. Das angekündigte Starkwindpeak gegen 8 Uhr blieb aus, und so haben wir das Schiff in den nun herrschenden Westwind gedreht. Das Manöver hat uns wieder etwas dazulernen lassen. Es blies mit 20 Knoten, und wir versuchten mehrmals, selbst mit Hilfe der Maschinen die KAMI in den Wind zu drehen – ohne Erfolg. Also erst die Segel wieder runter, beide Maschinen dazu, in den Wind gedreht und das Großsegel bis zur Hälfte gesetzt. Danach der Dreher in Zeitlupe, und anschließend mit etwas Druck das restliche Segeltuch ausgebracht. Profis hätten das wahrscheinlich in 5 bis 10 Minuten geschafft, bei uns dauerte der „Tanz“ fünfmal so lange.

Aber: Alles ist heil geblieben, wir sind auf Kurs und machen Fahrt!

Apropos alles heil: Der Schaden am Vorsegel hat sich ausgeweitet. Nun scheint sich das Cover über die gesamte Länge (1 Meter) gelöst zu haben. Trotzdem wirkt das Segel stabil, und wir hoffen weiterhin, dass es sich bei dem gelösten Stück Tuch nur um eine Art „Aufnäher“ zur Verstärkung oder einen vernähten UV-Schutz handelt. Die darunterliegende Tuchschicht müsste also das eigentliche Segelmaterial sein. Ein Loch oder Riss ist jedenfalls nicht zu sehen. Wir behalten es im Auge!

Zwischenzeitlich hat sich der Himmel wieder zugezogen, und mit Wellen von achtern und seitlich an Backbord steuern wir Richtung Nordost. Laut Vorhersage bleibt der Wind in den nächsten Tagen auf West bis West-Nordwest. Das passt perfekt. Wir müssen nur nah genug am ablaufenden Tief bleiben, um dessen Wind einzufangen. Hinter uns kündigt sich bereits das nächste Hochdruckgebiet an, was wir segeltechnisch gar nicht gebrauchen können, denn damit sind oft Flauten verbunden. Bleibt abzuwarten, wie sich das Wetter in den kommenden Tagen entwickelt.

Weiterfahrt am Sonntag

02. Juni 2023

Seit gestern Mittag regnet es fast pausenlos, sodass wir auf der KAMI festsitzen. Den Vormittag hat Karsten noch für einen Fußmarsch zur nahegelegenen Tobacco Bay genutzt. Als er wieder da war, fiel er erschöpft in seine Koje und machte einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Nachmittags laufen wir im Regen noch einmal zum Mini-Supermarkt um die Ecke und holen uns eine Flasche Gin, etwas Tonic, zwei Croissants zum Frühstück und eine Paprika. Zum Abendbrot zaubert uns Karsten einen frischen Salat (köstlich), den wir mit einem „Munchiesburger“ von nebenan etwas verfeinern. lach

Abends schauen wir zwei Seglerdokus auf dem Laptop und krabbeln gegen 22 Uhr in die Koje.

Gegen 9 Uhr werden wir wach, weil das Schiff hin und her schlingert und auf und ab tanzt. Blinzelnd überlege ich, ob wir schon los sind, hechte dann nach vorn ins Bad und schaue aus der Luke nach draußen. Der Wind hat zugenommen, und im Hafen hat sich eine Kabbelsee gebildet; Wellen klatschen aus allen Richtungen zusammen, und Starkregen prasselt oben aufs Deck. Karsten sitzt schon oben mit der ersten Tasse Kaffee in der Hand. Ich frage ihn scherzhaft, ob er schon losgesegelt ist, worauf er mit einem Grinsen antwortet, dass Regen und Welle bis zum nächsten Tag so bleiben sollen. Na toll!

Der Wind drückt die KAMI fest an die Kaimauer; die ausgebrachten Fender quietschen und knarzen unter dem Druck. Können Fender eigentlich platzen? Uns ist leicht unwohl.

Da seit Tagen eine ordentliche Sonnenperiode für unsere Solarzellen fehlt, meckert zum Frühstück unser Bordcomputer mit einem lautstarken Gepiepse (Spannung nur noch 11,5 Volt). Wir werfen den Generator an, um die Batterien wieder aufzuladen.

Ich sitze mit meinem ersten Kaffee in der Hand und checke die Bordmails. Ersehnte Post von Sebastian!
Er schreibt, dass wir am 04. oder am 05. Juni die Fahrt fortsetzen können. Es bleibt aber eher durchwachsen – egal – wir wollen jetzt auch langsam weiter Richtung Heimat.

Ausflug auf Bermuda mit Karsten

Wir entscheiden uns, am Sonntag früh aufzubrechen. Morgen soll der Regen ja aufhören, das heißt, wir können in Ruhe das Dinghy wieder verzurren und letzte Einkäufe tätigen. Sonntag früh um 6 wollen wir gegenüber bei den Offiziellen ausklarieren und danach zur Tankstelle fahren, die um 7 Uhr öffnet. Wir haben jetzt aktuell ca. 240 Liter Diesel verbraucht, die es wieder aufzufüllen gilt.

Nach dem Tankstopp geht es ohne Umwege wieder raus auf den Atlantik, und wir steuern den ersten von Sebastian Wache übermittelten Wegpunkt an. So der Plan!

Den heutigen Regentag verbringen wir im Salon. Lesen, schlafen, dösen und eventuell heute Abend ein letzter Besuch im Wahoo. Mal sehen …!!!


Unser Tag auf der Insel

01. Juni 2023

Mit einiger Verspätung kam gestern dann noch der Elektriker, den wir am Großfall mit der Winsch auf die Mastspitze befördert haben. Leider konnte er oben nichts entdecken, was auf einen Mangel an der Windfahne hindeuten könnte. Schade! Wir werden wohl so weitersegeln müssen. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Kontakt an der Leitung, die im Mast verläuft, durch das Schlagen des Mastes im Wind einen Wackelkontakt hat – eventuell aufgrund von Materialermüdung.
Seine Dienste lässt sich der Elektriker von uns mit insgesamt 300 USD honorieren.

Der Elektriker hoch oben im Mast.

Nachmittags haben wir uns ein Taxi geschnappt und sind in die Hauptstadt „Hamilton“ gefahren. Mit dem Besuch des Aquariums und des kleinen Zoos waren wir nach 3 Stunden wieder zurück in St. George’s.

Ihr könnt euch also denken, wie der Ausflug verlaufen ist. lach

In Hamilton sieht man ausschließlich Businessgebäude. Im „Flanierbereich“ des Hafens steht jeder dritte Laden leer und wird durch ein Schild zur Miete angeboten. Wir haben drei Boutiquen gefunden, die insgesamt das gleiche Angebot hatten (Nippes, Shirts, Souvenirs). Sonst gab es ein paar Schmuck- und Uhrenläden – nichts Aufregendes. In einem Café in der Seitenstraße haben wir uns zwei Paninis und zwei Cola für 46 USD gegönnt.

Zurück in St. George’s machen wir die erste Einkaufsrunde. Auf unserem Proviantzettel stehen Cola, Tonic, Cornflakes, Äpfel und Milch. Der Supermarkt ist fußläufig erreichbar. Wir werden mit unseren Rucksäcken zwei- bis dreimal hinlaufen müssen, bis der Vorrat an Bord wieder aufgefüllt ist.

Abends holen wir uns am „Munchies“ (Imbissbude direkt neben unserem Boot) einen Munchiburger mit Fries. Pro Burger zahlen wir 14 USD. Er schmeckt sehr gut!
Ihr denkt euch jetzt bestimmt, warum wir nicht selbst kochen und an Bord essen?!
Wir wollen natürlich möglichst nicht an unsere Vorräte gehen, und die Preise im Supermarkt sind auch jenseits von gut und böse. Jeden Abend im Wahoo essen zu gehen, ist auch keine Option. Unter 100 USD kommen wir dort nicht weg, und wir wollen es ja auch nicht übertreiben.

Karsten ist gerade unterwegs und schaut sich einige Sehenswürdigkeiten in der Nähe an. Da ich nicht so der Läufer bin, bleibe ich an Bord und nutze die Zeit für kleinere Reparaturarbeiten.

Bei dem bescheidenen Wetter (bewölkt, böig, frisch 25 °C) kann man hier nicht viel machen. Also warten wir (mal wieder) auf den Wind, der hoffentlich ab Montag wiederkommt. Sebastian Wache von Wetterwelt wird sich bei uns mit den neuesten Prognosen melden und ein Feedback geben …