22. Etmal 82 Seemeilen

17.06.2023 – 12:00 Uhr UTC

23. Seetag

Etmal: 82 sm (Flaute)

Gesamtsumme: 2843 sm


Wind aus S

Segelstellung: Großsegel 2. Reff, Genua 60%

Speed über Grund: 6 kn

Flautentag!
Mit gerefften Segeln treiben wir im Atlantik in einem Flautengebiet. Erst am späten Nachmittag setzt langsam wieder etwas Wind ein (8 Knoten), und wir setzen die Segel. Wie in Zeitlupe bewegt sich das Schiff Richtung Nordosten. Langsam nehmen wir wieder etwas Fahrt auf, und so geht es in die Nacht. Im Durchschnitt macht die KAMI jetzt 7 Knoten. Am Morgen nehmen dann auch die Wellen wieder zu, und wir segeln am Rand eines kleinen Tiefdruckgebiets entlang.

Flautentage werden zum ausgiebigen Baden im Ozean genutzt.

So wird es erst einmal weitergehen, bis wir am Montagmorgen vermutlich im nächsten Flautengebiet feststecken. Wir versuchen, uns von Tag zu Tag weiter nach Norden vorzuarbeiten, um schließlich die Spitze Schottlands zu erreichen. Im Moment ist es sehr mühsam! Auch die Sonne bekommen wir kaum zu sehen. Es ist wolkig, bedeckt und regnet seit heute früh fast ununterbrochen. Momentan fegen erneut kräftige Windböen über uns hinweg. Die Wellenberge tragen weiße Schaumkronen, und das Seewasser spritzt aus allen Richtungen aufs Vorschiff. Der Wind pfeift durch die Türritzen.

Gemütlich!

5. Etmal 97 Seemeilen

25.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC
6. Seetag

Etmal: 97 sm

Gesamtsumme: 508 sm

ENDLICH Wind aus SW zwischen 8 und 12 Knoten

Segelstellung – Großsegel voll – Genua voll – Raumwindkurs 110°

Speed über Grund: gerade um die 7,2 kn

Wir befinden uns in völliger Flaute, kein Lüftchen ist zu spüren. Wir nutzen die Gelegenheit, springen ins fantastische 5.000 Meter tiefe blaue Wasser und kühlen uns etwas ab. Danach bauen wir eine Angel zusammen und machen das Schiff klar.

Baden mitten auf dem Atlantik – dieses tiefblaue Wasser ist einfach phänomenal.

Der Flautentag neigt sich dem Ende zu, und am späten Nachmittag setzt leichter Wind mit 4 bis 5 Knoten ein. Wir setzen die Segel und steuern noch den alten Ostkurs weiter, da die Winddrehung auf Südost noch auf sich warten lässt. Langsam kehrt der Wind zurück, und es geht in die Nacht.

In den späten Nachtstunden müssen wir zwei Tankern ausweichen. Einen davon funken wir an; es antwortet eine Dame auf Englisch und bittet uns, sie zuerst passieren zu lassen. Das machen wir natürlich und fahren eine Ausweichwende.

In weiter Ferne blitzen neben uns Gewitterzellen und erhellen den Nachthimmel. Das Gewittergebiet begleitet uns bis in die frühen Morgenstunden, kommt uns aber nicht zu nah. Nachts sehen wir in unserem Kielwasser „Meeresleuchten“ – mikroskopisch kleine Algen, die umso stärker glühen, je mehr die Wellen sich brechen (Biolumineszenz). Das sieht toll aus, aber wir bekommen es leider nicht auf ein Foto. Es ist einfach zu dunkel.

Gegen 4 Uhr kommt endlich der erwartete SW-Wind, und wir können unseren Kurs nach Nordost absetzen. Gerade jagt uns wieder eine Gewitterzelle vor sich her, in Böen bis zu 28 Knoten. Wir reffen vorsichtshalber die Segel etwas ein.

Wassermassen ergießen sich aufs Deck. Achtern wird es wieder heller, und wir warten, bis der Regen aufhört …