24.06.2023 – 12:00 Uhr UTC
30. Seetag
Etmal: 144 sm
Gesamtsumme: 3727 sm
Wind aus W
Segelstellung: Großsegel 2. Reff, Genua voll
Speed über Grund: 6 kn
Am Nachmittag erreicht uns die Freitagsmail von Sebastian Wache. Ihr erinnert euch: Sebastian ist Diplom-Meteorologe und betreut uns während der Überfahrt. Die Nachrichten sind nicht gut. Wie sich das Wetter aktuell entwickelt, besteht die Gefahr, dass wir ab der Höhe Irlands und weiter in Richtung Schottland in ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet geraten. Dort erwarten uns Winde bis zu 45 Knoten und sehr raue Bedingungen. Sebastian empfiehlt uns daher den „sicheren“ Weg durch den Ärmelkanal (Englischen Kanal) in die Nordsee und dann weiter durch den 80 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal (Kiel-Kanal) in die Ostsee zu nehmen. Wir folgen diesem Rat gern und markieren die entsprechenden Wegpunkte in unserem Kartenplotter an Bord.
Die Fahrt durch den Ärmelkanal wird anspruchsvoll. Dieses Seegebiet gehört zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt. Täglich verkehren hier bis zu 400 Großschiffe (Tanker, Frachter, Fähren) in Richtung Rotterdam und Hamburg und zurück. Das Nadelöhr zwischen Calais und Dover ist nur 34 Kilometer breit. Es gibt streng überwachte Verkehrstrennungsgebiete sowie Offshore-Parks, die nicht befahren werden dürfen. Dazu kommen Fischereifahrzeuge, die oft nur mit Radar sichtbar sind. Die Tidenströmungen und Wellensituationen im Kanal sind beachtlich und erfordern eine sorgfältige Zeitplanung. Für uns ist das eine neue Herausforderung!
Am Abend dreht der Wind auf West. Da wir Richtung Osten müssen, bedeutet das, dass wir zwischen den Wegpunkten kreuzen müssen, was wieder Zeit kostet. Der Wind bläst kräftig, und die bis zu 4 Meter hohen Wellen setzen uns zu. Leider trifft der Welleneinfallswinkel die KAMI oft seitlich, was das Bewegen im Salon, in der Koje oder im Bad erschwert. Die Wellen schlagen unaufhörlich gegen das Schiff; es rumst, donnert und vibriert ohne Pause. Gischt sprüht über das Deck. Für die nächsten Tage ist keine große Wetteränderung in Sicht, und die unruhige See bleibt uns erhalten. In vier Tagen sollten wir den westlichen Eingang des Kanals erreichen.
Trotz der starken Schaukelei gibt es heute frisches Brot, das wir uns gleich nach dem Backen mit deutscher Salami schmecken lassen. Der Duft von frisch gebackenem Brot – ein Hauch von Heimat.
