Eine weitere Woche in Cuxhaven – und ein kleiner Tapetenwechsel

Wir liegen immer noch im Hafen von Cuxhaven, und langsam macht sich ein kleiner Hafenkoller breit. Die Wetter- und Windlage zwingt uns weiterhin zum Warten – und langsam wird es Zeit, dass es weitergeht!

Letztes Wochenende haben wir uns kurzerhand entschieden, ein bisschen Abwechslung in unseren Bordalltag zu bringen: Ein Mietwagen sollte her – für einen kleinen Ausflug und um auch mal wieder etwas anderes als Steg und Leinen zu sehen. Gesagt, getan: Am Montagmorgen holen wir bei Sixt unseren Leihwagen ab, Piper springt direkt auf ihren kleinen Hundesitz, den wir zum Glück noch in Warnemünde am Steuerstand montiert hatten – passt auch prima im Mietwagen.

Erster Stopp: Bremen
Unser erstes Ziel ist Bremen. Schon lange hatten wir vor, dort beim Werkverkauf von SVB – dem Yachtausrüster – vorbeizuschauen. Wir brauchen neue Langfender, die besser zur Freibordhöhe der KAMI passen. Vor Ort haben wir Glück: Die gewünschten Modelle sind tatsächlich vorrätig, wir schlagen zu.
Danach geht es weiter in die Bremer Altstadt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, genießen das Flair – und auf dem Marktplatz gönnen wir uns einen Kaffee in der Sonne. Ein schöner Moment, der uns mal wieder bewusst macht, wie gut uns auch kleine Landgänge tun.

SVB Bremen

Rückweg über Bremerhaven
Auf dem Rückweg legen wir noch einen Stopp in Bremerhaven ein. Direkt an der Weser, im Alten Hafen, machen wir mit Piper einen kleinen Spaziergang. Abendessen gibt es im Restaurant Villa Seebeck – ein echter Geheimtipp. Satt und zufrieden kehren wir später zurück an Bord der KAMI.


Dienstag: Hamburg ruft

Am nächsten Tag steht Hamburg auf dem Plan – inklusive eines kleinen Erledigungsprogramms: Wir brauchen ein neues Relingnetz, damit Piper an Bord besser gesichert ist. Unsere erste Adresse: Die Hamburger Tauwerkstatt. Nach kurzer Suche auf dem Gewerbehof finden wir die richtige Tür – das vorbestellte Netz liegt schon bereit, alles klappt wunderbar.
Danach fahren wir ins Alsterhaus. Kaum angekommen, beginnt es natürlich zu regnen. Typisch. Wir lassen uns nicht entmutigen, gehen mit Piper ein wenig an der Kleinen Alster spazieren – die ist zum Glück überdacht –, trinken wieder einen Kaffee und entscheiden uns dann doch recht schnell für die Rückfahrt. Bei Regen durch Hamburg zu streifen macht weder uns noch Piper wirklich Spaß.

Abendbesuch an Bord
Zurück auf der KAMI wartet ein weiteres Highlight: Besuch! Holger, unser lieber Schwager, kommt vorbei. Gerade haben wir die Einkäufe verstaut, da klingelt auch schon das Telefon. Er steht vorm Vereinseingang. Große Freude! Gemeinsam gehen wir ins kleine Restaurant Lieblingsplatz, das sich direkt oberhalb des Hafengeländes befindet. Wir essen gemütlich, plaudern über Zuhause und tauschen Pläne aus. Schön, dass es so spontan geklappt hat! Gegen 19 Uhr verabschiedet sich Holger wieder Richtung Hamburg – am nächsten Tag steht für ihn schon der nächste Termin an.

Relingnetz & neue Motivation
Am Mittwoch bringen wir den Mietwagen zurück. Das Wetter klart auf, die Sonne lässt sich blicken – und wir legen direkt los mit der Montage des neuen Relingnetzes. Drei Stunden später ist alles fertig. Sieht gut aus – und wir fühlen uns gleich entspannter. Für Piper ist das neue Netz ein echter Sicherheitsgewinn.

Und jetzt? Warten auf den richtigen Wind …
Ob – und wann – es für uns weitergeht, entscheidet sich wohl morgen. Die Wettermodelle sind sich uneins, der Wind bleibt launisch. Aber: Wir bleiben zuversichtlich.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

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Abwettern – wir wollten doch segeln :/

Wir nutzen die Zeit während des außerplanmäßigen Hafenstopps in Cuxhaven für „Alltagsdinge“ an Bord und kleinere Arbeiten. Ich nehme mir den Wassermacher vor, den ich über den Winter stillgelegt hatte (mit Desinfektionslösung gespült und den Vorfilter ausgebaut). Das Vorfiltersystem spüle ich 15 Minuten lang mit Frischwasser und setze anschließend eine neue Vorfilterkartusche ein. Die Kartusche, beziehungsweise der Sediment-Vorfilter, ist mit einer Filtrationsrate von 5 Mikron ideal für Haushaltswasseranwendungen. Sie filtert die gröbsten Verunreinigungen aus dem Seewasser, bevor das so gereinigte Wasser durch die vier Hochdruckmembranen gepresst wird. Heraus kommt dann fast steriles Wasser – etwa 100 Liter pro Stunde. Hier im Hafen werden wir unsere beiden 300-Liter-Frischwassertanks mit Trinkwasser aus der Stegzapfstelle auffüllen, bevor es weitergeht. Das Wasser der Nordsee und auch im Englischen Kanal ist so stark verschmutzt, dass wir den Wassermacher dort möglichst nicht in Betrieb nehmen möchten. Während der Blauwasserfahrt auf dem Atlantik hat ein Sediment-Vorfilter eine Lebensdauer von etwa drei Monaten. Müssten wir ihn jedoch in der Nordsee verwenden, könnten wir den Vorfilter wohl schon nach zwei Durchläufen erneuern.

Gestern prüfte ich die Motorräume und die Bilgen. Alles ist trocken! Sehr schön, so soll es sein. Mit einer gebogenen Nadel versuche ich, den kleinen Läufer vor der Küchenzeile an den Ecken an der darunterliegenden Auslegware festzunähen. Im Moment verrutscht er ständig, und mit der Zeit wird das ständige Anheben und Geradeziehen des Läufers ziemlich nervig.

Der Hafen füllt sich inzwischen, und wir treffen immer häufiger andere TO-Segler, die ebenfalls gerne weiter möchten. Bei diesen Begegnungen schnacken wir über Themen wie Orca-Abwehr, Windvorhersagen und Co. Am Nachmittag läuft eine Segelyacht mit karibischer Flagge und russischsprachigen Crewmitgliedern ein. Abends sehen wir zwei Polizisten in Richtung des festgemachten Schiffs gehen. Offenbar ist man hier im Hafen besonders sensibilisiert, wenn es um „ungewöhnliche“ Schiffs- und Crewkonstellationen geht.

Am Samstagvormittag rufen wir uns ein Taxi und lassen uns zum nächstgelegenen Baumarkt fahren. Wir brauchen dringend eine Aufstiegshilfe für unsere hohe Bordwand. Das Hoch- und Herunterhieven von Piper ist schon etwas tricky, und schwere Einkäufe an Bord zu bringen, ist zwar sportlich, aber auf Dauer anstrengend. Im Baumarkt entdecken wir eine kleine Aluminiumleiter, die Kathi sofort ins Auge fällt. Ja, die soll es sein! Sie reicht zwar nicht ganz bis nach oben an Deck, erleichtert uns das Übersteigen aber enorm. Und da sie so schön schmal ist, passt sie auch noch gut ins Vorpiek zum verstauen.

Aufstiegshilfe

Die aktuelle Windprognose ist bis kommenden Samstag leider nicht wirklich passend. Eine Weiterfahrt am Samstag ist wahrscheinlich – aber das kann sich natürlich auch kurzfristig wieder ändern. Heute (Sonntag) sollte es eigentlich den ganzen Tag regnen. Tatsächlich ist das Wetter durchwachsen, und die Sonne lässt sich ab und zu blicken. Erst ab 15.30 Uhr setzt der Regen ein und soll bis in die kommende Nacht anhalten.

Kathi will morgen versuchen, den Hafenmeister auf Helgoland telefonisch zu erreichen. Von anderen Seglern haben wir gehört, dass es während der Ferien auf Helgoland kaum freie Liegeplätze gibt – der Hafen ist stets überfüllt, und kleinere Segelboote müssen dort in „Päckchen“ liegen. Sollte für uns kein Liegeplatz verfügbar sein, werden wir Helgoland auf unserer Route wohl überspringen müssen.

Mit der außerplanmäßigen Einfahrt in Cuxhaven wurde uns bewusst:
„Wenn der Plan nicht funktioniert, dann ändere den Plan. Aber niemals das Ziel!“

Wir halten euch auf dem Laufenden …

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Wir sind ausgeNOKt…

Abends auf dem Borgstedter See

Abends auf dem Borgstedter See (im Nord- Ostsee Kanal)


Nach einer turbulenten Gewitternacht heißt es nach dem Frühstück „Anker auf“. Wir verlassen den Borgstedter See und schieben die KAMI mit 6 Knoten unter Maschine Richtung Schleuse Brunsbüttel. Bis dorthin sind es noch gut 70 Kilometer (wir schreiben jetzt in Kilometern und nicht in Seemeilen – schließlich sind wir auf einem Binnengewässer). lach


Der Wind pustet mit 17 Knoten, der Himmel ist bewölkt und wir frieren. Ja, ihr lest richtig! In der alten Heimat sind es 32 Grad – hier oben dagegen nur „gefühlte“ 15 Grad.

Während der Fahrt begegnen uns zahlreiche Frachtschiffe. Einige transportieren Chemikalien, andere wiederum Schütt- und Stückgüter. Gegen 18 Uhr erreichen wir endlich die Schleuse Brunsbüttel und hoffen, dass wir rasch aus dem NOK ausgeschleust werden können. Da eine halbe Stunde zuvor bereits Sportboote geschleust wurden, sind wir nun die Einzigen, die vor der Schleuse „Warterunden“ drehen. Irgendwie passiert aber nichts. Nach 30 Minuten greifen wir zum Funkgerät und rufen: „Kiel Schleuse 1 für Segelkatamaran KAMI“. Wir fragen höflich nach, wann wir in die Elbe ausgeschleust werden können, und erhalten die Antwort, dass gerade ein größerer Frachter kommt – wir sollen uns hinter diesem in die Schleusenkammer legen. Wir bleiben also auf Standby und dürfen den aus- und eingehenden Verkehr nicht behindern.

Vor den Schleusen – also der alten Nord- und Südschleuse sowie den neuen großen Schleusen für die Containerriesen – fahren mehrere frei fahrende Fähren kreuz und quer durch die Vorbereiche. Für uns heißt das: volle Konzentration und die KAMI möglichst auf der Stelle halten. Bei ordentlich Seitenwind gar nicht so einfach! Aber es klappt, und das Frachtschiff fährt vor uns in die Schleusenkammer „Alte Nord“ ein. Wir warten auf die Aufforderung, ebenfalls einzufahren, und dürfen nach 15 Minuten auf der Steuerbordseite, schräg hinter dem Frachter, festmachen.

Da der Frachter ordentlich Schraubenwasser produziert (auch bei ganz langsamer Drehzahl), wippert die KAMI während der Einfahrt wie ein Korken auf und ab. Die ausgebrachten Fender rutschen durch die Wasserwirbel im Becken nach oben heraus, und die KAMI schrappt am hölzernen Schwimmsteg. Hoffentlich gibt es keine Kratzer oder Schrammen! Wir sind so angespannt, dass selbst Piper merkt, dass etwas nicht stimmt – und sie verhält sich entsprechend merkwürdig.

Wir funken erneut den Schleusenwärter an und informieren, dass wir die KAMI kaum halten können. Wir bitten darum, dass der Frachter als Erster das Schleusenbecken verlässt. Das wird bestätigt, und nachdem sich die Schleuse öffnet, schleicht der Frachter heraus. Wir warten, bis sich die Wirbel- und Wasserströme beruhigt haben, werfen dann die Leinen los, fahren in die Elbe ein und nehmen Kurs auf Cuxhaven. Kathi hatte die Fahrtzeit im NOK genutzt und uns einen Liegeplatz in der Segler-Vereinigung Cuxhaven e.V. organisiert.

Wir fahren noch gegen den Strom, das heißt: Gegen 20 Uhr kippt die Flut zur Ebbe, und bis dahin haben wir 2 Knoten Gegenstrom. Wir machen also 6 Knoten Fahrt durchs Wasser, kommen aber nur mit 4 Knoten voran (SOG – Speed over Ground).

Gegen 22 Uhr, also gerade noch mit Resttageslicht, laufen wir in den Sportboothafen ein und können direkt gegen den Wind an einem kleinen Steg festmachen. Nicht so schön ist, dass wir nur schwer vom Boot kommen, denn der Schwimmsteg endet etwa ein Drittel vor dem Bootsheck. Wir haben keinen Tritt an Bord – da fällt uns ein, dass wir das eigentlich noch vor dem Start besorgen wollten. Also müssen wir in den Baumarkt und einen Tritt oder eine kleine dreistufige Trittleiter kaufen.

Nach dem Vertäuen ist es 23 Uhr, und eine WhatsApp-Nachricht trifft ein: Von einem anderen Seglerpaar des TO wurde unser Einlaufen bemerkt. Antje und Frank von der Segelyacht Toroa heißen uns willkommen. Wir freuen uns und laufen Antje heute früh bei der morgendlichen Piper-Runde über den Weg – und schnacken gleich über Wetter, Reisepläne und Co.

Hier in Cuxhaven liegen noch weitere Trans-Ocean-Segler, die hier abwettern und auf bessere Wind- und Wetterverhältnisse warten. Leider sind die Prognosen für die ganze nächste Woche wieder suboptimal: falsche Windrichtungen zum Segeln, Starkregen und böiger Wind sind angesagt. Also warten hier viele Segler, bis es raus auf die Nordsee gehen kann. Viele wollen in Richtung Englischer Kanal, einige zieht es ins IJsselmeer, andere wollen erst einmal nach Helgoland.

Eines haben wir jedoch alle gemeinsam:

Wir wundern uns über das unstete Sommerbeginnwetter.

Wir haben uns heute erst einmal bis Mittwoch beim Hafenmeister angemeldet und unseren Liegeplatzobolus plus Kurtaxe und Nebenkosten in Höhe von 268 Euro gezahlt. Wasser und Strom sind inklusive. Kathis Tageswerk besteht heute darin, mit der Wäsche ins Vereinshaus zu laufen und für je 3,50 Euro Bunt- und Kochwäsche anzusetzen.

Durch einen Tipp vom Hafenmeister kommt nachmittags ein Schiffselektriker zu uns an Bord, den ich vorher telefonisch schon fast angebettelt habe, uns doch bitte mit der Ankerwinsch zu helfen. Eigentlich hat er kein freies Zeitfenster, aber mein Ausspruch „Wir sind nicht geizig“ bringt ihn zum Schmunzeln – und schon steht er bei uns am Steg. Das Problem ist schnell gefunden: Das fingerdicke Kabel (zum Aufholen des Ankers) am Ankerwinschmotor ist verschmort und muss erneuert werden. Das dauert keine Stunde. Der freundliche Elektriker hat eine hydraulische Kabelpresse und alles Nötige dabei. Der Austausch des beschädigten Teilstücks geht schnell. Der Elektriker rät uns für die Zukunft, beim Aufholen des Ankers immer mal eine Pause zu machen, damit Motor und Zuleitung nicht überhitzen und anfangen zu schmoren. Irgendwann werden wir den Motor der Winsch wechseln müssen – vielleicht nehme ich das als Projekt, wenn wir auf den Kanaren sind und ich dort einen entsprechenden Motor bekomme. Mal sehen.

Sonst haben wir heute Vormittag das Boot geputzt (Kathi innen, Mike außen) und wollen nachher noch zu Lidl und Edeka laufen. Kathi hat schon bemerkt, dass ihre Proviantkalkulation nicht die allerbeste war – wir müssen noch ordentlich nachbunkern. Allein die Getränke gehen schnell zur Neige. Immer nur Tee ist auch nicht die Erfüllung. Heute wollen wir noch frische Lebensmittel fürs Wochenende holen (für das Wochenende ist Regen angesagt), und bevor es dann weitergeht mit der Reiseroute, nochmals Großeinkauf mit dem Hafenwagen.

Wann es tatsächlich weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir haben aber auch noch „Arbeit“: Kathi sitzt derzeit an Feuerwehr-Einsatzplänen für ein Tanklager in Chemnitz, und ich programmiere neue CRM-Workflows und muss noch neue Kundenverträge anlegen. Uns ist also nicht langweilig. Und so richtig haben wir unseren Alltag, oder wie man sagt unseren Trott, noch nicht gefunden – das kommt bestimmt noch. Bis jetzt war jeder Tag aufregend und alles andere als normal. Gerade ziehen wieder Regenwolken über uns hinweg und die ersten Tropfen klatschen aufs Deck – schnell noch die aufgehängte Wäsche reinholen.

Heute Abend wollen wir in das „Restaurant Lieblingsplatz“ hier auf dem Gelände einkehren.
Das kleine Restaurant soll Spitzenklasse sein …

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