Wir segeln

04. Juni 2023

Gegen 8 Uhr klarieren wir aus und legen kurz danach am Tanksteg an. Der Liter Diesel kostet hier 2,07 Euro. Wir füllen unsere Tanks mit insgesamt 320 Litern.

Bei 3 Meter Welle verlassen wir den Hafen gemeinsam mit anderen Seglern bei strahlendem Sonnenschein. Jeder fährt seinen eigenen Kurs, und die Abstände werden nach und nach größer. Mit gut 6 bis 7 Knoten durchpflügen wir die seitlich auftreffenden Wellen.

Wir laufen gemeinsam mit anderen Segelbooten aus … (Plotterbild)

Karsten ist schon wieder blass um die Nase, sein Frühstück fällt heute sehr übersichtlich aus.

Wir machen gute Fahrt und hoffen, dass sich die See noch etwas beruhigt. Am Horizont achteraus verschwindet die Insel Bermuda, und wir steuern unseren nächsten Wegpunkt an … endlich!

Abschied von Geza

03. Juni 2023

Wieder herrschte eine super Stimmung gestern Abend im Wahoo. Nachdem Karsten unser Abendessen ausgegeben hatte, tranken wir vorn an der Bar noch einige Getränke „aufs Haus“.
Geza versprach uns, in der Frühe gegen 8 Uhr von der KAMI abzuholen, um mit uns eine Inseltour zu unternehmen. So kam es dann auch. Pünktlich hupt es auf dem Parkplatz, und wir steigen in Gezas Kia ein. Es geht Richtung Süden, und während der Fahrt inspizieren wir die Gegenden der Millionäre und Milliardäre. Hotels, die Kirk Douglas gehörten, und ganze Straßenzüge in der Hand von Bill Gates – das ist Bermuda (die schöne Seite). Wir besuchen einige Strände, die trotz Nieselregen und bedecktem Himmel bei 22 Grad von amerikanischen Tagesgästen überflutet sind. Im Süden der Insel liegen die großen Kreuzfahrtschiffe, und Massen von Touristen wuseln auf den Straßen und Wegen herum.

Geza verpflichtet uns, auf dem Rückweg am „Swizzle In“ einen Stopp einzulegen. Es ist die angesagteste Location auf der Insel, und jeder „muss“ hier kurz einkehren. Das tun wir dann auch, und überraschend lädt uns Geza zu einem kleinen Imbiss sowie zu einem „Bermuda Swizzle Rum – Recipe“ ein. Es schmeckt wie Orangensaft mit Rum – ganz lecker. An der Decke im Swizzle In hängen etwa 10.000 Ein-Dollar-Noten (Schätzung von Geza), auf denen sich vergangene Gäste verewigt haben. Das wollen wir natürlich auch, und schwups, hängt eine Dollarnote mit der Aufschrift: „Mike und Karsten – SY KAMI – 3.6.23“ mit einem Reißnagel an der Decke.

Karsten, Geza und ich im „Swizzle In“

Zurück in St. George’s gehen wir gleich in den Supermarkt, um die letzte Einkaufsrunde zu machen. Leider gibt es keine H-Milch, sodass wir uns zwei frische Liter mitnehmen müssen. Wir bereiten noch die KAMI für die Abfahrt morgen früh vor. Das Dinghy wird ordentlich vertäut, und dann sind wir soweit „ready“.

Die reparierte Winsch lief gestern Abend, als wir vom Wahoo zurückkamen, schon wieder. Scheinbar hat der Elektriker doch keine so gute Arbeit geleistet. Wir haben erst einmal die Sicherungen herausgenommen. Bei dem Dauerregen könnte schon wieder Feuchtigkeit in den Fußschalter eingedrungen sein. Kommt mit auf die Reparaturliste in Deutschland.

Karsten geht gleich noch einmal kurz in die fußläufig erreichbare Stadt. Er sucht noch ein, zwei Souvenirs für daheim.

Morgen früh geht es um 6 Uhr rüber zum Ausklarieren und danach zur Tankstelle, um Diesel nachzubunkern. Direkt danach wollen wir den Hafen verlassen und unsere Reise Richtung Nord-Nordost fortsetzen!

Weiterfahrt am Sonntag

02. Juni 2023

Seit gestern Mittag regnet es fast pausenlos, sodass wir auf der KAMI festsitzen. Den Vormittag hat Karsten noch für einen Fußmarsch zur nahegelegenen Tobacco Bay genutzt. Als er wieder da war, fiel er erschöpft in seine Koje und machte einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Nachmittags laufen wir im Regen noch einmal zum Mini-Supermarkt um die Ecke und holen uns eine Flasche Gin, etwas Tonic, zwei Croissants zum Frühstück und eine Paprika. Zum Abendbrot zaubert uns Karsten einen frischen Salat (köstlich), den wir mit einem „Munchiesburger“ von nebenan etwas verfeinern. lach

Abends schauen wir zwei Seglerdokus auf dem Laptop und krabbeln gegen 22 Uhr in die Koje.

Gegen 9 Uhr werden wir wach, weil das Schiff hin und her schlingert und auf und ab tanzt. Blinzelnd überlege ich, ob wir schon los sind, hechte dann nach vorn ins Bad und schaue aus der Luke nach draußen. Der Wind hat zugenommen, und im Hafen hat sich eine Kabbelsee gebildet; Wellen klatschen aus allen Richtungen zusammen, und Starkregen prasselt oben aufs Deck. Karsten sitzt schon oben mit der ersten Tasse Kaffee in der Hand. Ich frage ihn scherzhaft, ob er schon losgesegelt ist, worauf er mit einem Grinsen antwortet, dass Regen und Welle bis zum nächsten Tag so bleiben sollen. Na toll!

Der Wind drückt die KAMI fest an die Kaimauer; die ausgebrachten Fender quietschen und knarzen unter dem Druck. Können Fender eigentlich platzen? Uns ist leicht unwohl.

Da seit Tagen eine ordentliche Sonnenperiode für unsere Solarzellen fehlt, meckert zum Frühstück unser Bordcomputer mit einem lautstarken Gepiepse (Spannung nur noch 11,5 Volt). Wir werfen den Generator an, um die Batterien wieder aufzuladen.

Ich sitze mit meinem ersten Kaffee in der Hand und checke die Bordmails. Ersehnte Post von Sebastian!
Er schreibt, dass wir am 04. oder am 05. Juni die Fahrt fortsetzen können. Es bleibt aber eher durchwachsen – egal – wir wollen jetzt auch langsam weiter Richtung Heimat.

Ausflug auf Bermuda mit Karsten

Wir entscheiden uns, am Sonntag früh aufzubrechen. Morgen soll der Regen ja aufhören, das heißt, wir können in Ruhe das Dinghy wieder verzurren und letzte Einkäufe tätigen. Sonntag früh um 6 wollen wir gegenüber bei den Offiziellen ausklarieren und danach zur Tankstelle fahren, die um 7 Uhr öffnet. Wir haben jetzt aktuell ca. 240 Liter Diesel verbraucht, die es wieder aufzufüllen gilt.

Nach dem Tankstopp geht es ohne Umwege wieder raus auf den Atlantik, und wir steuern den ersten von Sebastian Wache übermittelten Wegpunkt an. So der Plan!

Den heutigen Regentag verbringen wir im Salon. Lesen, schlafen, dösen und eventuell heute Abend ein letzter Besuch im Wahoo. Mal sehen …!!!


Unser Tag auf der Insel

01. Juni 2023

Mit einiger Verspätung kam gestern dann noch der Elektriker, den wir am Großfall mit der Winsch auf die Mastspitze befördert haben. Leider konnte er oben nichts entdecken, was auf einen Mangel an der Windfahne hindeuten könnte. Schade! Wir werden wohl so weitersegeln müssen. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Kontakt an der Leitung, die im Mast verläuft, durch das Schlagen des Mastes im Wind einen Wackelkontakt hat – eventuell aufgrund von Materialermüdung.
Seine Dienste lässt sich der Elektriker von uns mit insgesamt 300 USD honorieren.

Der Elektriker hoch oben im Mast.

Nachmittags haben wir uns ein Taxi geschnappt und sind in die Hauptstadt „Hamilton“ gefahren. Mit dem Besuch des Aquariums und des kleinen Zoos waren wir nach 3 Stunden wieder zurück in St. George’s.

Ihr könnt euch also denken, wie der Ausflug verlaufen ist. lach

In Hamilton sieht man ausschließlich Businessgebäude. Im „Flanierbereich“ des Hafens steht jeder dritte Laden leer und wird durch ein Schild zur Miete angeboten. Wir haben drei Boutiquen gefunden, die insgesamt das gleiche Angebot hatten (Nippes, Shirts, Souvenirs). Sonst gab es ein paar Schmuck- und Uhrenläden – nichts Aufregendes. In einem Café in der Seitenstraße haben wir uns zwei Paninis und zwei Cola für 46 USD gegönnt.

Zurück in St. George’s machen wir die erste Einkaufsrunde. Auf unserem Proviantzettel stehen Cola, Tonic, Cornflakes, Äpfel und Milch. Der Supermarkt ist fußläufig erreichbar. Wir werden mit unseren Rucksäcken zwei- bis dreimal hinlaufen müssen, bis der Vorrat an Bord wieder aufgefüllt ist.

Abends holen wir uns am „Munchies“ (Imbissbude direkt neben unserem Boot) einen Munchiburger mit Fries. Pro Burger zahlen wir 14 USD. Er schmeckt sehr gut!
Ihr denkt euch jetzt bestimmt, warum wir nicht selbst kochen und an Bord essen?!
Wir wollen natürlich möglichst nicht an unsere Vorräte gehen, und die Preise im Supermarkt sind auch jenseits von gut und böse. Jeden Abend im Wahoo essen zu gehen, ist auch keine Option. Unter 100 USD kommen wir dort nicht weg, und wir wollen es ja auch nicht übertreiben.

Karsten ist gerade unterwegs und schaut sich einige Sehenswürdigkeiten in der Nähe an. Da ich nicht so der Läufer bin, bleibe ich an Bord und nutze die Zeit für kleinere Reparaturarbeiten.

Bei dem bescheidenen Wetter (bewölkt, böig, frisch 25 °C) kann man hier nicht viel machen. Also warten wir (mal wieder) auf den Wind, der hoffentlich ab Montag wiederkommt. Sebastian Wache von Wetterwelt wird sich bei uns mit den neuesten Prognosen melden und ein Feedback geben …

Bermuda – im Kreis der Segler

31. Mai 2023

Geza war so lieb und hat uns einen Bekannten, der Elektriker ist, aufs Boot geschickt. Nach zweistündiger Fehlersuche war klar, dass sich im Fußschalter der Elektro-Winsch ein Kurzschluss durch Nässe und Bewegung gebildet hat. Mit Lötkolben und Sikaflex wurde das Problem behoben. Die Winsch funktioniert also wieder. Prima!

Die Windanzeige, die wir seit unserer Ankunft hier betreiben, ist nicht wieder ausgefallen, was uns sehr verwundert. Wahrscheinlich liegen wir hier zu ruhig an der Kaimauer, und die Bewegungen reichen nicht aus, damit der Fehler wieder auftritt. Der Elektriker will heute Mittag hoch in den Mast (22 Meter), um nachzuschauen, ob die elektrischen Verbindungen direkt an der Windfahne „fest“ sitzen oder ob sich durch Wellen und Wind etwas gelöst hat. Wir sind gespannt und erwarten ihn in den nächsten 30 Minuten.

Gestern Abend waren wir bei Geza im „Wahoo“, um „meinen“ Tag etwas zu feiern. Schon als wir ankamen, war die Stimmung super – laute Musik, ausgelassene Leute … Eine schwarze Dame spricht uns auf Deutsch an; sie lebt hier mit einem Amerikaner. Schnell waren wir im Gespräch, und um uns herum bildete sich eine Traube von Menschen. Der eine spendierte uns ein Bier, der nächste einen speziellen Wahoo-Drink (Kaffeelikör, Manhattan, Rum). Je später der Abend wurde, desto lauter wurde es im Bistro-Patio (schuld ist bestimmt der ansteigende Alkoholspiegel der Gäste).

Es war ein klasse Abend!

Heute oder morgen wollen wir nach Hamilton. Das ist die kleinste und wohl auch teuerste Hauptstadt der Welt. Auf dem Plan steht ein Besuch des Aquariums, dann wollen wir uns noch in einem Marineshop ein Windhandmessgerät holen (als Backup) und die eine oder andere Sehenswürdigkeit beäugen.

Der Supermarkt ist nur 400 Meter von unserem Liegeplatz entfernt. Gestern waren wir schon einmal kurz schauen. Die Dose Cola kostet 2,45 USD, eine kleine Packung Cornflakes 7,50 USD, und für eine Flasche Mundspülung plus einen kleinen Marsriegel habe ich 14 USD bezahlt. Hier wird einem wieder bewusst, wie günstig wir in Deutschland Lebensmittel kaufen können! Mein Bestand an Bargeld (USD) hat reichlich abgenommen. Ich werde wohl noch einmal zum Automaten traben müssen.

Neben uns hat gestern ein Segelboot mit zwei deutschen Jungs aus Cuxhaven festgemacht. Sie kamen bei New York in schweres Wetter und haben einige Schäden, die sie unbedingt reparieren müssen. Wenn das Wetter besser wird, wollen sie auch Richtung Europa – Azoren. Hier liegen viele Boote, die durch den Sturm beschädigt wurden. Bei einem amerikanischen Pärchen hat es den Mast umgeknickt, bei anderen Seglern sind Solarmodule gebrochen, und einige haben Elektroprobleme. Bermuda ist DER Reparatur-Anlaufpunkt für Yachten, die weiter nach Europa wollen, also für die West- > East-Route.

Sonst stehen im Hafen überall die Segler zusammen und tauschen sich aus:
Woher kommt ihr?
Wo geht’s hin?
Habt ihr Probleme?
Es ist ein ganz besonderes Flair, das sich schwer beschreiben lässt.

Wir fühlen uns gerade sehr wohl, sind richtig ausgeschlafen und genießen (wartend auf den Elektriker) ein wenig die Sonne.

Ankunft in Bermuda

29. / 30. Mai 2023

Nachdem wir über Funk von „Radio Bermuda“ die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen bekommen haben, legen wir gegen 19:45 Uhr am Steg der Customs Immigration an. Prompt setzt wieder ein sturzflutartiger Niederschlag ein, sodass wir beide trotz Regenbekleidung innerhalb von 10 Minuten durchgeweicht sind.

Was ist das hier bloß für ein Wetter (seit Tagen)?

Die Beamten sind durchweg super nett und höflich. Schon beim Festmachen am „Amtssteg“ haben wir ihnen den einen oder anderen Schmunzler ins Gesicht gezaubert – so war schnell das „Eis“ gebrochen, und der Akt des offiziellen Einklarierens war rasch vollzogen.

Mit dem neuen Schiff war es für mich das erste Anlegemanöver. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie es bei strömendem Regen und Unerfahrenheit so ist. Wir haben es aber geschafft (ohne Schäden), und das Zusammenspiel zwischen mir und Karsten, der das Leinenhandling übernahm, war top.
Optimierungsbedarf sehe ich noch beim Knoten schlagen. So beim Üben klappt das eigentlich, doch dann im Manöver hat man öfter ein Brett vorm Kopf. lach

Gegenüber der Einklarierungsbehörde dürfen wir ganz ohne Kosten final an der Kaimauer festmachen. Dort liegt bereits ein großer, mindestens 50 Fuß langer Katamaran. Auch hier haben unsere komischen Anlegemanöver (vor, zurück, hin, her und im Kreis – Anlegen über alle Himmelsrichtungen) Interesse geweckt, worauf der Nachbar-Skipper in voller Regenmontur herüberkommt und uns beim Anlegen hilft. Oh, danke! Ah, stimmt – das ist so unter Seglern. Immer hilfsbereit!

Danach schnell aus den nassen Sachen und bei 90 % Luftfeuchtigkeit alles aufgehängt. Trocknen die Sachen eigentlich auf Dauer?

Blick von der KAMI rüber zum „Amtssteg“ der Customs Immigration

Wir ziehen uns um und laufen in den Ort. Der Regen hat aufgehört, und die Zikaden machen einen unglaublichen Lärm. Wir kehren im Wahoo (bei Alfred und Geza) ein und bestellen uns das wohlverdiente Anlegebier und essen köstlich Abendbrot. Zurück auf der KAMI kosten wir noch einen an Bord befindlichen französischen Cognac „Clement“ VSOP aus Martinique. Danach krabbeln wir „fertig“ in die Kojen.

Karsten steht gegen 08:30 Uhr auf, und Geza kommt angefahren und bespricht mit ihm das weitere Vorgehen. Gegen 11 Uhr sollen die ersten Monteure kommen, die sich der Windanzeige annehmen. Später kommt noch jemand wegen des Problems mit der elektrischen Winsch. Wir sind gespannt.

Ich stehe gegen halb 10 auf und freue mich über die vielen Glückwünsche auf meinem Handy. Nach dem morgendlichen Geburtstagskaffee wird gefrühstückt, Müll an Land entsorgt, die „Q“-Flagge am Schiff eingeholt und eine Einkaufsliste erstellt.

9. Etmal 137 Seemeilen

29.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC

10. Seetag
Etmal: 137 sm

Gesamtsumme: 1.029 sm

Wind aus E – NE

Segelstellung: wir motoren bei 4 kn Wind

Speed über Grund: 6 kn

Der gestrige Tag verlief ganz ruhig, und wir haben die Zeit genutzt, um uns mit der Angel (Trollingleine) zu beschäftigen. Leider hat aber nichts gebissen – wir vermuten, dass die laufende Maschine der Grund dafür ist.

Die Nacht war ebenfalls entspannt. Durch die Flaute hatten wir kaum Welle, und so war es ruhig im Schiff.

Der Tag erwacht auf dem Atlantik …

Wir laufen jetzt St. George’s auf Bermuda im Nordosten der Insel an und müssten nach unserer Rechnung gegen 20:00 Uhr dort sein. Sebastian Wache hat heute früh noch eine E-Mail geschickt, in der er uns mitgeteilt hat, dass wir das um den 04. Juni aufziehende Tief noch abwarten müssen, bevor es weitergehen kann. Eventuell könnten wir ab dem 05. Juni mit Nordwestwind die Tour fortsetzen. Die Entwicklung muss weiterhin beobachtet werden.

Das Schiff und die Mannschaft sind bereit zum Einlaufen.
Fender und Festmacherleinen liegen bereit.

8. Etmal 125 Seemeilen

28.05.2023 – 12:00 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC
9. Seetag
Etmal: 125 sm

Gesamtsumme: 893 sm

Wind aus E – NE

Segelstellung: wir motoren bei 4 kn Wind

Speed über Grund: 6 kn

Wir haben den Abstand von 200 Meilen zur Insel Bermuda unterschritten und können nun davon ausgehen, dass wir morgen Abend gegen 20 Uhr in Saint George’s an der Nordostküste von Bermuda einlaufen werden. Wir fahren unter Maschine, da kaum Wind ist und wir nur sehr schwer mit Besegelung vorankommen würden.

Bermuda

Sebastian Wache hat uns mit seiner E-Mail von heute früh auch ans Herz gelegt, Bermuda anzulaufen, denn es ist am 30. Mai überall großflächig flau. Danach soll sich das USA-Hoch durchsetzen, und es stellt sich ein Ost- bis Nordost Wind ein. Spätestens dann müssen wir sowieso weiter nach Norden. Hoffentlich klappt das in der kurzen Liegezeit mit der erhofften Reparatur unserer Windanzeige.

Der gestrige Tag war eher unspektakulär. Es war der erste Tag, an dem es mal ruhiger auf dem Schiff war (abgesehen vom Brummen der Maschine). Wir nutzten die Zeit für zwei Waschmaschinenladungen und haben viel geschlafen und gedöst. Nachmittags zeigte sich für zwei, drei Stunden die Sonne – da war eine kühle Deckdusche eine Wohltat. Sonst gab es keine neuen Schäden oder entdeckten Mängel – yeah, so kann’s bleiben (Holzklopf).

Ich bin gestern Abend um 20 Uhr in die Koje und heute Morgen um 3 Uhr wieder hoch. Das erste Mal auf See habe ich sieben Stunden tief und fest geschlafen. Das hat gut getan! Karsten hat da nicht so seine Probleme, Ruhe zu finden und zu schlafen. Er kann immer!

Jetzt wollen wir dem Standortleiter des TO in Bermuda, Geza Wolf, noch eine E-Mail mit unseren geplanten Ankunftsdaten schreiben. Da wir auf Deutsch kommunizieren können, ist das für die Verständigung ganz gut. Geza betreibt das Restaurant Wahoo in Hafennähe. Dort werden wir wohl am Dienstagabend zu meinem 55. Geburtstag einkehren.

Heute liegt nichts Weiteres bei uns an. Unseren Gennaker konnten wir noch nicht ausprobieren, da entweder die Windrichtung oder allgemein das Wetter nicht passten. Aber wir haben ja noch ein großes Zeitfenster vor uns – da wird sich schon noch die Möglichkeit zeigen.

Jetzt, kurz vor dem Etmal, schon wieder: Gewitter, Regen, Regen, Regen und Kreuzwellen, die den Kat gut 2,5 Meter springen lassen. War heute nicht eine entspannte Flaute angesagt?

7. Etmal 126 Seemeilen

27.05.2023 – 12:20 Uhr Ortszeit – 16:00 UTC

8. Seetag
Etmal: 126 sm

Gesamtsumme: 767 sm

Wind aus S bis SW

Segelstellung – Großsegel 1. Reff – Genua voll – Vorwindkurs um 110°

Speed über Grund: 7 kn

Es ist 6:30 Uhr, und der Wasserkessel pfeift auf dem Gasherd. Wir genehmigen uns einen starken Kaffee zum Wachwerden und holen die ersten Daten für die Windy-App aus dem Internet. In der Nacht hatten wir guten Wind und machten zügige Fahrt – meistens um die 6 Knoten.

Ich hole die Seekarte für den Nordatlantik aus dem Schrank und trage mit einem Bleistift unseren aktuellen Standort ein. Wir haben bereits 700 Seemeilen geschafft, sind aber erst 380 Seemeilen von Nassau entfernt?! Durch das Kreuzen auf spitzen Amwindkursen haben wir die Hälfte der Zeit und Entfernung verloren.

Wir schauen gemeinsam auf die Nordatlantikseekarte. Es ist noch so wahnsinnig weit bis nach Hause. Das wird uns spätestens jetzt richtig bewusst.

Gestern hatten wir ja das Thema Zwischenstopp auf „Bermuda“. Bermuda ist ein britisches Überseegebiet im Atlantik. Nach dem Frühstück finden wir heraus, dass der Verein „Trans-Ocean e.V.“, bei dem ich seit zwei Jahren Mitglied bin, einen deutschsprachigen Basisleiter auf der Insel hat. Karsten sendet dem Basisleiter eine E-Mail und bekommt schon sehr zeitnah eine Rückmeldung. Wir sind willkommen, und man könnte uns sicherlich mit unseren kleineren technischen Problemen, wie der ständig ausfallenden Windanzeige, helfen. Da die Wetterprognose für die nächsten Tage eher schlecht ist, beschließen wir, direkt die Bermudainseln anzulaufen (sie liegen auf unserer Kurslinie nach Hause), um einen kurzen Stopp einzulegen – je nach Wetterprognose.

Bis nach Bermuda sind es noch knapp 350 Seemeilen. Wir könnten am Pfingstmontag dort ankommen. Karsten möchte den Zwischenstopp auch nutzen, um Coca-Cola und Tonic nachzuprovientieren. Wir würden außerdem unsere Dieseltanks auffüllen und eventuell noch die eine oder andere kleine Besorgung machen. Am 30. Mai habe ich Geburtstag, da wäre doch ein Abendessen auf der Insel eine feine Sache.

Am Nachmittag werden wir von einem Frachtschiff angefunkt. Leider können wir den Anrufer nicht verstehen, da er so schnell und undeutlich Englisch spricht. Wir bitten mehrmals um langsame Wiederholung des Funkspruchs, bekommen aber keine Reaktion mehr. Wir vermuten, dass er uns vor einem Unwetter warnen wollte, mit dem wir schon für den Abend rechnen.

Kurz vor dem Sundowner ruft Karsten vom Steuerstand: „DELFINEEEE!!!“ Mindestens 20 Tiere begleiten unsere Fahrt für etwa 10 Minuten, bis sie weiterziehen. Einige der Tümmler springen 2 bis 3 Meter aus dem Wasser und drehen sich dabei wie ein Korkenzieher. Wir hatten schon gehört, dass Delfine gerne Katamarane begleiten – was für ein tolles Erlebnis.

Immer wieder ein Erlebnis, wenn ganze Delfinschulen die KAMI begleiten …

Es wird Abend, und die gewaltige Gewitterfront rückt auf uns zu. Ich beschließe, alle Segel zu reffen und zur Sicherheit über die Nacht zu motoren. Wir werfen die Steuerbordmaschine an und machen mit 2.000 Umdrehungen etwa 5 bis 6 Knoten Fahrt über Grund. In einer Stunde verbrauchen wir so ca. 4 Liter Diesel. Wir werden in Bermuda nachtanken.

Mit dem laufenden Motor produzieren wir nebenbei Heißwasser, da macht das Duschen am Abend richtig Spaß. Der Wassermacher läuft auch nebenbei und produziert in einer Stunde ca. 100 Liter Trinkwasser. Nachdem der Tank „3/4“ (450 Liter) anzeigt, schalten wir den Wassermacher wieder ab.

Bei dem Wind und Starkregen haben wir es uns in der Nacht im Salon gemütlich gemacht. Der Motor läuft und folgt via Autopilot unserer vorgegebenen Kurslinie nach Bermuda bzw. dem nächsten Wegpunkt. Wir lassen das Radar bei diesem schlechten Wetter als Sicherheitsoption mitlaufen und schauen gebannt nach draußen, wo die Blitze den Nachthimmel erleuchten.

Nachts bemerken wir, dass Karstens Rettungsweste im Cockpit automatisch ausgelöst hat. Der Wind und die gefühlten 1.000 Liter Regenwasser pro Minute müssen daran schuld gewesen sein. Jetzt sind wir schlauer und lassen die Weste bei solch einem Wetter nicht mehr draußen. Gott sei Dank haben wir noch vier weitere Westen an Bord. Sicherheit ist also gegeben.

In den frühen Morgenstunden die nächste Überraschung: Eine unserer elektrischen Winschen läuft plötzlich ohne unser Zutun los. Was für ein Krach! Ich renne in die achterliche Backbordkabine und schalte den Hauptschalter auf „off“. Der Regen muss hier einen Kurzschluss verursacht haben.

Das nächtliche Brummen der Maschine drückt uns die Augen zu. Nach dem Regengebiet haben sich die Wellen gelegt, und wir wollen nur noch in den Schlaf fallen …