Mit Marie & Olli den Exumas (BAHAMAS) entlang

Wir erwarten schon sehnsüchtig unseren Besuch aus Deutschland und nutzen die Zeit bis dahin, um im Exuma Market nahe dem Dinghy-Dock unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen. Gleichfalls bunkern wir nochmal 200 Liter Diesel (leider minderer Qualität) sowie 20 Liter Benzin für unseren Außenborder am Dinghy. Dann wollen wir die gastronomischen Highlights hier in George Town erkunden, um später unseren Besuch ausführen zu können. Das Ergebnis fällt nüchtern aus. Fast alle Bars und Restaurants bieten typische US-Gerichte an. Fettgebratenes in allen erdenklichen Variationen. Frittierte Chickenwings mit Fries, frittierte Conch-Bälle mit Coleslaw, BBQ-Rippchen, die in der Marinade schwimmen, frittierten Fisch … uns wird ganz schwindelig. Normale Menüs mit Gemüsebeilage (außer Coleslaw) sind hier nur schwer zu finden. Die Küche, die Locations selbst, die Cocktails sind ausschließlich amerikanisch ausgerichtet. Angesichts der meisten US-Yachten, die hier vor Anker liegen, ist es auch kein Wunder.

Am Vorabend unseres Besuchs findet in George Town ein kleines Fest statt. Die amerikanische Segler-Community veranstaltet einen Kostümumzug und die Locals spielen Musik mit karibischen Rhythmen. Was für ein Spaß. Leider ist es an diesem Tag so windig, dass viele aufwändig hergestellte Kostüme nicht getragen werden können. So ist es halt hier. Das Wetter ist in diesem Jahr sehr unbeständig. Nachts fallen die Temperaturen auf bis zu 19 Grad Celsius (es lässt sich gut schlafen) und die windigen und böigen Tage dominieren das derzeitige Klima. Die Wassertemperaturen sind auf 24 Grad Celsius gefallen und bewölkte, regenreiche Tage sind leider keine Seltenheit. Auch die Locals wundern sich über das Wetter.

Als wir am nächsten Abend Marie und Olli ins Dinghy einladen, bläst ein ordentlicher Wind aus Ost. Der Schwell ist nicht zu unterschätzen und so wird die Fahrt vom Festland zur KAMI ein erstes nasses Erlebnis für den angereisten Besuch. Koffer und Rucksäcke nass, auch die Fahrgäste erhalten eine salzige Dusche.

Willkommen auf den Bahamas!

Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam nochmals in den Supermarkt sowie in den Getränkeladen, um noch einiges an Bord zu schaffen. Wir wollen am nächsten Tag aufbrechen und die Inselkette der Exumas absegeln. Unsere gemeinsamen Abende verbringen wir oft mit Karten- und Würfelspielen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug.

Unser erstes Ziel ist die „Schweineinsel“ White Cay. Nur 16 Seemeilen von George Town entfernt verlassen wir die Lagune und segeln auf dem offenen Meer bei zwei Meter Welle, die seitlich auf uns trifft. Für die Stammcrew kein Problem, der Besuch aber sitzt mit blassem Gesicht im Cockpit. Nach 3 Stunden ist das Geschaukel vorbei und wir sind wieder auf der anderen Inselseite im seichten türkisfarbenen Wasser. Kaum ist der Anker geworfen, bekommen wir auch schon Besuch von 2 Delfinen, die ihre Runden durch die Lagune drehen. Wir lassen das Dinghy ins Wasser und fahren rüber an den Strand, um die Schweine zu besuchen. Im knietiefen Wasser ziehen Stachelrochen ihre Runden. Auf der Insel liegen mindestens 50 Schweine unter den Bäumen und dösen in der Nachmittagssonne. Große Muttersäue und viele kleine Ferkelchen grunzen zufrieden vor sich hin. Hühner picken dazwischen nach Fressbarem. Einige wenige Schweine kommen uns entgegen und betteln nach Leckereien. Wir haben aber nichts dabei und so düsen wir nach einer halben Stunde wieder zurück zur KAMI. Hier beobachten wir ein Ausflugsboot, das sich nähert. Gefüllt mit mindestens 20 Touristen ruft der Guide noch 20 Meter entfernt vom Strand die grunzende Menge. Und tatsächlich traben mindestens 5 Borstentiere in Richtung Ausflugsboot und schwimmen den Touristen entgegen. Hier wird einiges ins Wasser geworfen: Möhrenstücke, Kartoffeln und Salatblätter. Dem Vieh gefällt es.

Die darauffolgende Nacht wird unruhig. Wir liegen zwar einigermaßen windgeschützt, doch der Schwell, der um die Insel zieht, bewegt das Schiff auf und nieder. Nach dem Frühstück fahren wir weiter unserem nächsten Ziel entgegen. Der Wind bläst wieder ordentlich und auf der Atlantikseite ist die Fahrt wieder anspruchsvoller. Unter Gennaker segeln wir mit 7 Knoten und überspringen zwei geplante Zwischenstopps und laufen Rudder Cat Cay an.

Rudder Cat Cay sowie die Nachbarinsel Musha Cay sind Privatinseln. Der Eigentümer, ihr kennt ihn, David Copperfield, ließ an den jeweiligen Strandabschnitten entsprechende Hinweis- / Verbotsschilder aufstellen. Die Inseln dürfen nicht betreten werden. Doch Rudder Cat Cay stellt sich im Nachhinein als unser Tourenhöhepunkt heraus. Die Ankerbucht ist wunderschön. Kristallklares Wasser, schwimmende Rochen und Ammenhaie, Schildkröten, Riffe mit bunten Fischen und als Höhepunkt die von Copperfield versenkte Meerjungfrau am Piano.

Wir sind einige Tage vor Ort und verbringen viel Zeit beim Schnorcheln und auf den Sup-Boards. Ein kleiner wilder Strand wird trotz Verbotsschildes von den Seglern besucht, so fahren wir dort auch mehrmals mit Piper hin. Hier liegen viele Conch-Schnecken im Wasser, die sich ohne Probleme mit der Hand aufsammeln lassen. Die Conch-Schnecke (Lobatus gigas) ist eine große Meeresschnecke, bekannt für ihr rosa Gehäuse und ihr festes, weißes Fleisch. Sie gilt als Delikatesse, wird oft in Salaten oder als frittierte „Conch Fritters“ hier auf den Bahamas serviert.

Auch Piper ist verrückt nach ihnen und tatsächlich beginnt Piper „freiwillig“ zu schwimmen, um zu versuchen, die Schnecken aus dem Wasser zu holen. Wir sind völlig aus dem Häuschen, denn Piper hatte ja bis jetzt eher Angst vor dem Schwimmen. Jetzt geht sie tatsächlich von allein ins Wasser und macht einige Schwimmzüge.

Leider bekommt Marie von unseren Schnorchelausflügen Probleme mit ihrem linken Ohr, so dass an weiteren Unterwasseraktivitäten für sie nicht zu denken ist. Das ist natürlich sehr schade. Wir versuchen auch mit der Bordapotheke eine Verbesserung herbeizuführen und mailen einen HNO-Arzt in Berlin an. Leider bleibt alles erfolglos. Ärgerlich.

Doch auch über Wasser kann man einiges erleben. So entdecken wir an einem Nachmittag an einem kleinen Strandabschnitt zwei Schildkröten, die sich im flachen Wasser am Seegras laben. An Land entdecken wir einige Echsen, die sich von den Sonnenstrahlen verwöhnen lassen. Insgesamt verbringen wir wundervolle Tage an Rudder Cat Cay.

Wir gehen Anker auf und fahren unter Motor am Edelresort von David Copperfield an der Insel Musha Cay vorbei. Für 57.000 USD am Tag kann man dort mit bis zu 12 weiteren Gästen Urlaub machen. 5 Nächte muss man aber allerdings mindestens buchen. Ein Schnäppchen – nicht wahr?

Ein amerikanischer Katamaran, der vor uns fährt, fährt hinter Musha Cay nicht durch den Pass, sondern „innen“ in der Lagune weiter. Wir wundern uns gerade noch darüber, als sich vor uns eine große Brandung zeigt. Mit beiden Motoren versuchen wir, uns aus dem Pass zu schieben. Wellen türmen sich vor uns auf, die größte Welle schätzen wir mit 4,5 Metern, alles fliegt im Schiff umher, wir stampfen durch das Wasser, eine der Brandungswellen geht „über“ das Schiff. Unser Besuch ist nicht amüsiert – doch nach 5 Minuten ist alles vorbei und wir sind durch – wieder auf dem offenen Meer. Wir nehmen Kurs auf Big Farmers Cay. Während der Fahrt können wir den anderen Katamaran in der Lagune weiter sehen. So müssen wir nach kurzer Fahrt erneut in die Lagune durch den Pass. Diesmal mit der Welle – also mit Rückenschub. Das macht keine Probleme und so lassen wir bei 1,5 Meter Tiefe in der Nähe vom Little Farmer’s Cay Yacht Club den Anker fallen. Die Nacht hier verläuft wieder sehr unruhig aufgrund des Wellenschlags und so beschließen wir am nächsten Tag unser nächstes Ziel „Black Point“ anzulaufen. Hier soll am Wochenende eine große Party steigen.

In Black Point legen wir uns an den Rand der Bucht mit etwas Abstand zu den anderen Yachten. Es ist nicht sehr voll hier, worüber wir uns wundern. Die Veranstaltung wird schon seit Wochen in der Seglercommunity beworben. Das Lorraine’s Café Bahamas Gathering geht über 3 bis 4 Tage mit kleinen Segelregatten, Kostümfesten, Livemusik und Beachaktivitäten. Die Bucht ist im Bereich des Strandes sehr seicht, was das Anlanden mit dem Dinghy bei Ebbe und Flut nicht gerade einfach macht. Man muss hier immer in der Nähe sein und das Dinghy entweder näher an Land ziehen oder mit einem kleinen Anker etwas weiter herausführen. Generell scheint es auf den Bahamas auch öfter „verlorene“ Dinghies zu geben. In den Wochen auf den Bahamas haben wir mindestens 5 Meldungen über abgetriebene oder verlorene Dinghies erhalten.

Eigentlich sollte die Veranstaltung am Freitag beginnen. Überraschenderweise verlassen immer mehr Segler die Bucht. Warum? Liegt es am vorausgesagten schlechten Wetter? Wind und Schwell nehmen die Tage wieder zu und am Samstag erleben wir einen einzigartigen Wolkenbruch. Der Veranstalter muss sich ärgern. Tags darauf fahren wir abends zur Bühne am Strand, es soll Live-Musik geben. Wir warten fast zwei Stunden und fangen an zu frieren, da der Wind immer weiter zunimmt. Die darauffolgende Nacht wird so unruhig, dass wir beschließen, uns in eine Nachbarbucht zu verlegen. Und wie in Abrahams Schoß finden wir endlich wieder ruhigen und erholsamen Schlaf.

Die Urlaubstage von Marie und Olli neigen sich dem Ende zu. Wir beschließen mit einem kurzen Zwischenstopp in Rudder Cat Cay wieder zurück nach George Town zu segeln. So sind wir am Montag zurück und der Flug nach DE über Nassau geht Donnerstag in den frühen Morgenstunden.

Wir nutzen die restlichen Tage und besuchen die kultige Strandbar „Chat & Chill“. Hier gibt es einen Conch-Stand, der einen frischen Salat mit der Schnecke für 20 USD anbietet. Die Abfälle (Eingeweide der Schnecke) werden dort ins flache Wasser geworfen. Das lockt einige große und zahme Stachelrochen her, die man dort sogar im flachen Wasser füttern kann.

Olli hilft uns tatkräftig bei einigen kleineren Bootsproblemen. Einmal will unser Ankerlicht nicht mehr scheinen und ein anderes Mal versagt die Abflusspumpe der Gästedusche. Meist sind es nur korrodierte Kontakte, aber helfende Hände bei der Problemlösung sind immer gern gesehen und willkommen.

Nun ist der Abreisetag gekommen und Mike fährt beide (diesmal einzeln) früh um 6 Uhr von Bord der KAMI an den Dinghy-Stegg. Hierher haben wir das Taxi für die Fahrt zum kleinen Flughafen hier in George Town bestellt. Die Überfahrt samt Gepäck verläuft dieses Mal trocken und der Taxifahrer trifft fast pünktlich ein. Marie und Olli düsen Richtung Flughafen los und wir legen uns noch einmal für 2 Stunden aufs Ohr, schließlich ist es ja noch dunkel und früh am Tag.

Die nächsten Tage wirken seltsam leer. Wir müssen oft an die Beiden denken – wie weit sie jetzt wieder weg sind. Über 24 Stunden hat ihre Rückreise nach Berlin gedauert. Insgesamt 4 Flüge mussten sie absolvieren. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

Es fällt uns auf, dass es hier in George Town immer „leerer“ wird. Eigentlich liegen hier das ganze Jahr hunderte von amerikanischen und kanadischen Yachten. Im Moment sind es nicht wirklich viele. Liegt es daran, dass die amerikanischen Ferien (Spring Break) zu Ende sind?


Einen großen Vorteil hat es für uns. Die Regale im Supermarkt sind endlich wieder richtig gefüllt. Natürlich sind die Preise enorm. Zum Beispiel zahlt man für ein Glas Miracle Whip 16,25 USD und für einen Blumenkohl 13 USD. Kathi wurde mal im Supermarkt von einer Amerikanerin angesprochen, ob sie wüsste, wie teuer der Blumenkohl hier ist. Ja, wissen wir. Wir brauchen aber im Gegensatz zu euch Obst und Gemüse für eine gesunde Ernährung.

Auf unserer Bucketliste steht noch das „Probieren“ des bahamischen Conchsalats. Tage lang war der Stand am Chat & Chill Beach geschlossen. Doch dann haben wir Glück und bestellen eine Schale von dem legendären Salat. Er besteht aus fein geschnittenem / gehacktem Conchmuskel, Zwiebel, grüner Paprika, Salz, Tomate und einer ausgepressten Zitrone. Mike schmeckte es gut, Kathi könnte darauf verzichten. Also unentschieden!

Im „The Beach Club“ wollten wir zu unserem Wedding Day schick essen gehen. Eine Reservierung war im Vorfeld zwingend erforderlich. Es war ein kurzer aber angenehmer Besuch. Die Speisen waren ganz okay (und endlich mal etwas Gemüse auf dem Teller), aber mit der Zeit wurde es in der Location immer lauter – eine amerikanische Gruppe bestehend aus 15 Damen feierte wohl einen Junggesellenabschied. Die Örtlichkeit hat uns aber sehr gefallen. Ein Mix aus Ferienwohnungen und Lofts, alles sehr gepflegt, hier und da das eine oder andere „Sold“-Schild.

Nun liegen wir wieder bei doch eher mäßigem Wetter (Wind & Regen) vor Stocking Island (gegenüber von George Town) vor Anker. Wir wollen in den nächsten Tagen noch einige Arbeiten am Boot machen und müssen für unsere nächste Passage zu den Cayman Islands noch aufproviantieren. Geplant ist die Route von hier wieder in Richtung Inagua zum Ausklarieren und dann spätestens Ende der 17ten KW. zu den Caymans aufzubrechen. Es sind dann rund 480 Seemeilen bis dorthin und wir planen 4 bis 5 Tage für die Passage ein. Auf Grand Cayman bekommen wir von Kathis Freundin zwei wöchigen Besuch und werden dort in der vorletzten Maiwoche in Richtung Guatemala aufbrechen.


Unser Fazit zu den Bahamas: Ein tolles Revier mit kristallklarem Wasser und vielen Blautönen. Die Unterwasserwelt ist nicht sehr aufregend, man sieht größtenteils immer das Selbe. Ammenhaie, Schildkröten, Delfine, Stachelrochen. Nur an exponierten Rifflagen auch mal karibische bunte Fische wie den Palettendoktorfisch, Falterfische, Grundeln usw. Die Preise hier sind heftig und vermutlich wegen der Gebührenerhöhung der Cruising Permits in diesem Jahr bleiben viele Segler weg. Wir haben einige Inseln gesehen und können fast sagen: Kennst du eine – kennst du alle. Nichtsdestotrotz wollen wir die hier gewonnenen Erfahrungen nicht missen und hoffen, noch weiter „westlich“ artenreichere Fauna und Flora zu entdecken.

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Die Schönste der Acht

Nach zehn Tagen in der Ankerbucht von Playa Calimera heißt es für uns: Anker auf! Unser nächstes Ziel ist La Palma. Wir müssen am Sonntag schon um sechs Uhr morgens starten – eigentlich überhaupt nicht unsere Uhrzeit –, aber laut Berechnung sind es rund 36 Stunden Fahrt. Wenn alles gutgeht, kommen wir also am Montagnachmittag in der Ankerbucht des Parque Natural de Cumbre Vieja an.

Das Wetter meint es, wie so oft, nicht besonders gut mit uns. Kaum sind wir unterwegs, stellt sich heraus: Die Vorhersage hatte recht – satte zwei Knoten Wind. Oh Mann! Das heißt mal wieder: Motoren statt Segeln. Wir nehmen es gelassen, auch wenn das gleichmäßige Brummen des Motors nach ein paar Stunden eher an eine Meditation erinnert, die man nie gebucht hat.

Immerhin ist das Meer ruhig, kaum Wellen, und der Atlantik zeigt sich von seiner schönsten Seite. Dieses unendliche Blau, das in der Sonne fast leuchtet, entschädigt uns ein wenig für den fehlenden Wind. Wir ziehen gemütlich dahin, hören Musik, kochen zwischendurch und genießen das Gefühl, endlich wieder auf offener See zu sein.

Wie geplant erreichen wir am Montagnachmittag La Palma. In der Bucht liegt nur ein weiteres Segelboot vor Anker – perfekt, genug Platz für uns. Wir lassen den Anker fallen und genießen den Sonnenuntergang. Nach der langen Motorfahrt wirkt das goldene Abendlicht wie eine Belohnung vom Atlantik persönlich.

Am nächsten Tag geht’s direkt weiter, denn wir haben in der Marina La Palma einen Liegeplatz reserviert – Mikes Mama Uschi kommt am Mittwoch zu Besuch! Also starten wir früh und machen uns auf den Weg zum Hafen. Vor der Marina befindet sich ein Fähranleger mit Industriehafen, und laut Beschreibung sollen wir zunächst den Industriehafen auf Kanal 6 anfunken, um um Erlaubnis zur Einfahrt zu bitten, und danach auf Kanal 9 die Marina kontaktieren. Zwischen Industrie- und Yachthafen befindet sich ein massives Metalltor, das verhindern soll, dass zu viel Schwell durch die Fähren und Kreuzfahrtschiffe in den Yachthafen dringt. Klingt theoretisch einfach – mal sehen, wie das in der Praxis läuft.

Gesagt, getan: Der erste Kontakt mit dem Industriehafen klappt reibungslos. Zu früh gefreut – beim Anfunken der Marina wird’s etwas chaotisch. Eine freundliche Dame meldet sich sofort, doch leider versteht Kathi sie nicht so richtig. Ein kleines Funk-Hin-und-Her folgt („Say again, please?“ – „No, other side!“ – „Left or right?“ – „Sí, sí, right!“), bis wir schließlich die Hafeneinfahrt ausmachen können. Die Dame weist uns an, am ersten Steg zu warten. Und siehe da – dort steht schon ein Marinero bereit, winkt energisch und lotst uns zur nächsten freien Box in der Mitte der Steganlage.

Das Hafenmanöver ist – wie immer – aufregend, aber alles klappt wunderbar. Kaum liegen wir fest, machen wir uns daran, die KAMI ordentlich zu sichern, denn trotz Metalltor schwappt hier ordentlich Schwell durch. Die Leinen knarzen, das Boot wippt, und wir atmen erleichtert auf: angekommen, wohlbehalten – und bereit für Uschis Besuch.

Am Mittwochmorgen machen wir uns auf den Weg zum Fährterminal, denn dort haben wir für unseren Aufenthalt auf der Insel einen Mietwagen gebucht. Damit wollen wir La Palma erkunden – und natürlich unseren Besuch vom Flughafen abholen. Es läuft alles reibungslos: Wir werden schon erwartet, bekommen den Schlüssel in die Hand gedrückt und können direkt starten. Zurück an Bord machen wir noch schnell klar Schiff (diesmal wortwörtlich grins), bevor wir gegen Mittag zum Flughafen fahren.

Piper bleibt an Bord – sie muss sich erst wieder an den Hafen und die Temperaturen gewöhnen. Es ist schon ein Unterschied, ob man 37 Grad vor Anker oder im heißen Hafen hat. Ganz schön warm!

Uschi landet pünktlich, und wir empfangen sie freudestrahlend. Koffer und Besuch ins Auto – und schon geht’s zurück zur KAMI. Erst einmal durchatmen und etwas trinken, bevor wir in der Hitze dahinschmelzen. Wir plaudern über die letzten Tage, was es Neues aus der Heimat gibt, und schmieden Pläne, was wir in der Woche alles unternehmen wollen.

Am Abend gehen wir ins Hafenrestaurant „Lucy“ und lassen den Tag beim Abendessen und guter Laune ausklingen. Es fühlt sich schön an, wieder familiäre Gesellschaft an Bord zu haben.

Am nächsten Tag steht ein besonderes Ziel auf dem Programm: der Vulkan Tajogaite. Der Ausbruch auf La Palma 2021 dauerte vom 19. September bis zum 13. Dezember und war der längste bekannte Vulkanausbruch auf der Insel. Mit Blick auf die Schäden gilt er auch als der folgenreichste in der Geschichte La Palmas. Der im Juni 2022 offiziell benannte Tajogaite-Vulkan entstand am Westhang des Höhenrückens Cumbre Vieja.

Vor Ort zu stehen, ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Man sieht, wie die Natur sich in wenigen Wochen ein neues Gesicht geschaffen hat – mächtig, schön und zugleich zerstörerisch. Wir sind still, als wir die schwarzen Lavafelder betrachten, die sich über ganze Täler gelegt haben. Es ist kaum zu fassen, was hier passiert ist.

Die Lava floss damals über mehrere Spalten nach Westen, zerstörte ganze Dörfer in den Gemeinden El Paso, Los Llanos de Aridane und Tazacorte und ergoss sich schließlich spektakulär über die Steilküste ins Meer. Besonders hart traf es das Dorf Todoque – dort blieb kein Stein auf dem anderen.

Auf dem Rückweg schweigen wir eine Weile und genießen einfach die atemberaubende Landschaft. Überall blühen neue Pflanzen zwischen der dunklen Lava, und irgendwie wirkt alles, trotz der Zerstörung, friedlich und lebendig. La Palma hat uns tief beeindruckt – eine Insel, die zeigt, wie nah Schönheit und Gewalt in der Natur beieinanderliegen.

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Auch die vom Hafen aus fußläufig erreichbare Innenstadt von Santa Cruz gefällt uns ausgesprochen gut. Viele alte, liebevoll restaurierte Häuser lassen sich bestaunen, und in versteckten Innenhöfen laden kleine Cafés mit schattigen Plätzen zum Verweilen ein. Die engen Gassen winden sich steil bergauf und bergab, jede Ecke hat ihren eigenen Charme. An einer Seite des Plaza de España steht die Kirche El Salvador, deren Bau bereits Anfang des 16. Jahrhunderts begann – beeindruckend, wie viel Geschichte hier in den Mauern steckt.

Die Woche mit Uschi vergeht wie im Flug. Kathi und sie erkunden gemeinsam die Altstadt, natürlich mit einer kleinen Shoppingtour – „nur mal gucken“, wie es so schön heißt. Die Stadt ist wirklich wunderschön: viele kleine, bunte Häuser mit hübschen Läden und charmanten Cafés, die einen förmlich dazu einladen, einfach sitzen zu bleiben, einen Kaffee zu trinken und das bunte Treiben zu beobachten.

Am Freitag, den 31. Oktober, wird hier – wie überall – Halloween gefeiert. Also machen wir uns abends zu dritt auf den Weg in die Altstadt, um das Spektakel mitzuerleben. Überall laufen verkleidete Kinder herum, und ihre Kostüme sind wirklich zum Dahinschmelzen. Zwischen Hexenhüten und Mini-Vampiren wuseln Feen, Skelette und Geisterkinder durch die Straßen – Zuckerrausch inklusive. An einer Bar ist eine kleine Bühne aufgebaut, auf der eine Band spanische Musik spielt, während durch die Gassen ein Spielmannszug mit Trommeln und rhythmischen Klängen zieht. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich und einfach wunderbar.

Wir kehren schließlich in ein kleines, süßes Restaurant ein, essen gut und genießen die lebhafte Atmosphäre. Später, wieder an Bord, lassen wir den Abend wie gewohnt gemütlich ausklingen – natürlich mit einer Runde Karten. Das TO-Kartenspiel unseres Vereins Trans-Ozean ist mittlerweile fester Bestandteil unserer Bordabende geworden. Wir versuchen uns gegenseitig auszustechen, was regelmäßig in Gelächter und neckischem Geplänkel endet. Sehr zu empfehlen – für alle, die auf See mal einen Abend ohne Netflix verbringen wollen.

Ein paar Tage später machen wir noch einen Ausflug in den Süden der Insel zur Saline von Fuencaliente – ein echtes Highlight. Hier werden jedes Jahr rund 600 Tonnen Meersalz gewonnen, und gleichzeitig dient das Gelände als wichtiger Rastplatz für viele Zugvögel. Die weißen Salzhügel, das Schwarz der Lavafelder und das Blau des Meeres ergeben zusammen ein atemberaubendes Bild – fast surreal schön.

Und ehe wir uns versehen, ist es auch schon wieder Mittwoch. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück heißt es Abschied nehmen. Wir bringen Uschi zum Flughafen, winken ihr noch lange hinterher und können kaum glauben, wie schnell die Woche vergangen ist. Es war eine richtig schöne Zeit – herzlich, lebendig und voller kleiner Abenteuer.

Nach nun einer Woche im Hafen fällt uns auf, dass hier erstaunlich viele TO-Boote liegen – also Boote, die den Stander unseres Vereins am Mast führen. Mike schreibt kurzerhand in die Lossegler-Gruppe, ob jemand Lust auf ein kleines TO-Treffen in der Hafenbar am Abend hat. Da wir aber nicht wissen, wer von den umliegenden Booten tatsächlich in der WhatsApp-Gruppe ist, beschließt Mike, selbst über die Stege zu laufen und die anderen Segler persönlich einzuladen.

Zuerst sitzen wir abends allein in der Bar, aber nach und nach trudeln immer mehr Segler ein. Unsere Freude ist groß – es wird eine richtig nette Runde. Wir philosophieren über Reisepläne, tauschen Erfahrungen aus und lachen über die kleinen und großen Missgeschicke des Bordalltags. Ein wirklich toller Abend – spontan, gesellig und genau so, wie man sich das Seglerleben wünscht.

Am nächsten Tag wird’s dann wieder etwas praktischer: Wir beginnen, unsere TO-DO-Liste abzuarbeiten und starten mit den ersten Einkäufen. Baumärkte, Supermärkte, kleine Läden – wir durchstöbern alles, was wir finden können, um uns auf die große Überfahrt vorzubereiten. Von La Palma nach Martinique sind es rund drei Wochen, also müssen wir genau planen, was wir einkaufen und wie lange die Lebensmittel haltbar sind.

Auch Pipers Versorgung steht dabei natürlich mit auf der Liste. Sie bekommt eine Mahlzeit pro Tag frisch gekocht – damit ihr Trockenfutter so lange wie möglich reicht. Also müssen wir auch das in unsere Kalkulation einbeziehen. Wir erstellen eine ellenlange Einkaufsliste: Hygieneartikel, Konserven, haltbare Lebensmittel – all das wollen wir nach und nach besorgen, damit wir nicht alles auf einmal schleppen müssen. Die Wege durch den Hafen sind schließlich lang, und die KAMI liegt gefühlt immer am anderen Ende. Die frischen Sachen wie Obst, Gemüse und Fleisch werden wir erst am Samstag kaufen, kurz bevor wir den Mietwagen zurückgeben.

Auf dem Weg zum Baumarkt entdecken wir zufällig eine kleine Taverne, die mitten in den Hang gebaut ist. Das sieht so urig aus, dass wir spontan beschließen, dort einzukehren. Gesagt, getan – und wir werden nicht enttäuscht. Die hübsche kleine Taverne ist wunderschön, wir werden zu einem kleinen Tisch begleitet, und auch Piper wird herzlich begrüßt. Das Essen ist köstlich, der hauseigene Wein fantastisch. Ein herrlicher Nachmittag mitten in unseren doch recht praktischen Vorbereitungen – ein Stück Urlaubsgefühl zwischen Einkaufsliste und Schraubenschlüssel.

Ab Montag, dem 10. November, wollte sich Alina von Wetterwelt bei uns melden, um uns ein erstes Update für den geplanten Start am Sonntag zu geben. Das tat sie auch – und warnte uns gleichzeitig: Das Tiefdruckgebiet „Claudia“ zieht über die Kanarischen Inseln. Es soll jede Menge Regen, Wind und Gewitter bringen. Na super. Damit war klar, dass der Mittwoch und Donnerstag eher ruhig verlaufen würden – oder sagen wir: unfreiwillig ruhig.

Gestern hat es den ganzen Tag geschüttet. Ein Gutes hat es: Die KAMI ist endlich wieder frei von dem hartnäckigen, rotbraunen Calima-Staub. Mike nutzt das Wetter gleich aus, bewaffnet sich mit Schrubber und Eimer und schrubbt im Regen die letzten Reste runter – sozusagen Bordreinigung im „Öko-Modus“. Währenddessen sitzt Kathi an Bord und hat eine Videokonferenz mit einem Kunden. So verbringen wir den gesamten Mittwoch gemütlich – oder besser gesagt: produktiv – unter Deck.

Am Abend steht unser erstes TO-Seminar an. Das sind kleine Online-Kurse, die unser Verein kostenfrei anbietet – zu spannenden Themen rund ums Segeln, Navigation, Wetter und Co. Mike startet den Laptop, und Kathi grinst: „Irgendwie komisch – sonst haben wir die Seminare immer zu Hause auf dem Sofa geschaut und uns gefragt, wie es wohl ist, das von einem Boot aus zu machen. Jetzt gehören wir selbst dazu!“ Verrückt, wie sich das Leben manchmal ändert.

In den nächsten Tagen wollen wir alle restlichen Vorbereitungen treffen, damit wir am Sonntag unsere Atlantiküberfahrt nach Martinique starten können. Das Wetter soll sich laut Alina ab Freitag wieder beruhigen, und sie will uns dann noch einmal ein Update geben. Aber es sieht so aus, als könnten wir wie geplant starten.

Alles in allem können wir sagen: La Palma hat uns restlos begeistert. Für uns ist sie die schönste Insel der Kanaren. Santa Cruz verzaubert uns mit ihrer Atmosphäre, und das Inselinnere ist einfach spektakulär. Überall im Westen und Süden ziehen sich endlose Bananenplantagen, und der höchste Punkt – der Roque de los Muchachos – ragt stolze 2.426 Meter in den Himmel. Die Fahrt hinauf dauert fast eine Stunde und führt über unzählige Serpentinen – gefühlt tausend Kurven, manche davon so eng, dass man glaubt, man dreht gleich eine Pirouette mit dem Auto.

Oben angekommen, ist es, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Die Nadelwälder wirken märchenhaft, die Luft ist kühl und klar, und irgendwann durchbrechen wir tatsächlich die Wolkendecke. Zehn Grad kälter als unten im Hafen – aber was für ein Ausblick! Wir sind begeistert, beeindruckt und uns sicher: La Palma hat uns mitten ins Herz getroffen.

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