2. Etmal 107,6 Seemeilen

22.05.2023 – 12:15 Uhr Ortszeit – 16:15 UTC
3. Seetag
Etmal: 107,6 sm
Gesamtsumme: 206,9 sm
Wind aus NO zwischen 8 und 10 Knoten

Segelstellung – Großsegel voll – Genua voll – spitzer Amwindkurs um die 40° abfallend auf Halbwind

Speed über Grund: 7 kn

In der vergangenen Nacht haben wir die letzte Bahamas-Insel hinter uns gelassen und fahren seither in weiten Zickzack-Kursen, zuerst nach Norden-Nordwesten gemäß den empfohlenen Wegpunkten von Sebastian Wache, nun nach Osten-Nordosten.

Gestern gegen 22 Uhr alarmierte uns unser B&G-Kartenplotter – Kollisionskurs mit einem anderen Segler. Nur noch 1,5 Seemeilen Abstand! Schnell beschließen wir, eine Ausweichwende zu fahren, beleuchten das Vordeck und sichern uns mit unseren Westen. Das Manöver gelingt, und der amerikanische Segler zieht an uns vorbei. Danach ziehen wir uns beide in den Salon zurück. Der nächtliche Wind nimmt bis auf 28 Knoten in Böen zu, und das Schiff erreicht zum ersten Mal seit unserer Abfahrt 8,5 Knoten. Wir fahren spitz gegen die vorherrschende 2,5-Meter-Welle. Gischt spritzt über das Schiff, und überall funkelt das Meersalz auf den Oberflächen.

An Schlaf ist unter diesen Bedingungen im Moment nicht zu denken. Wir überlegen, wie wir die Nacht weiter angehen wollen, und beschließen, das Großsegel ins erste Reff zu nehmen (also ein Stück herunterzunehmen -um die Segelfläche zu verkleinern). Unser gemeinsamer Beschluss wird sich rächen! Es heißt nicht umsonst: „Wenn du übers Reffen nachdenkst, ist es oft schon zu spät.“ Wir bereiten alles vor – draußen donnern die Wellen gegen und unter das Schiff (bei einem Katamaran unter dem Salon in der Mitte des Schiffs). Das sind beängstigende Geräusche, die man sich kaum vorstellen kann. Blitzschnell schießen uns Gedanken durch den Kopf:
Wird der Mast halten?
Sind die Schoten nicht schon zu alt und könnten brechen?

Wir bereiten uns auf das nächtliche Reffmanöver vor, legen die Westen an und sichern uns an Deck. Wir lassen das Großfall bis zum ersten Reffpunkt fallen und merken, dass die Reffleine klemmt. Die Elektrowinsch ächzt, und wir stoppen das Dichtholen der Reffleine. Mir bleibt nichts anderes übrig, als aufs Vorschiff zu gehen und die Reffleinen zu klarieren.
Was passieren muss – passiert.
Das Schiff springt von der Bugwelle ins Wellental, und es gibt einen donnernden Ruck. Ich rutsche dabei am Mast aus und hänge wie ein zusammengerollter Käfer in den Sicherheitsleinen. Ich spüre brennende Schmerzen an meinen Schienbeinen und stauche mir die Finger an der linken Hand. Karsten, der im Steuerstand an den Winschen steht, bekommt das gar nicht richtig mit und wundert sich, als ich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder zu ihm in die „Sicherheitszone“ des Steuerstands krabble – im wahrsten Sinne des Wortes. Schweißgebadet und etwas lädiert bringen wir das Manöver nach gut 50 Minuten zu Ende.

Nach dem Reffen und einer kleinen Kurskorrektur wird es etwas erträglicher an Bord. Karsten bietet mir an, die Augen zu schließen – ich lege mich neben ihm im Salon hin und falle sofort in einen zweistündigen Tiefschlaf. Gegen 5 Uhr schicke ich Karsten in seine Koje. Er sieht gar nicht gut aus und ist völlig am Ende. Schon einige Stunden vorher beim Reffmanöver fiel es ihm aufgrund des Schlafentzugs schwer, rechts und links – also Steuerbord und Backbord – zu unterscheiden.

Es ist gerade für uns beide eine Ausnahmesituation, aber wir wachsen daran!

Ich bin froh, dass Karsten mit an Bord ist und dass er mit meinem „Gebrumme“ (wenn ein Manöver nicht gleich so funktioniert) gut umgehen kann.

Die Sonne geht auf – der dritte Seetag beginnt. Karsten liegt unten und schnarcht, so laut, dass ich es bis oben hören kann. Sein Körper holt sich nun endlich den Schlaf, den er so dringend braucht. Ich sitze wieder im Salon am Kartentisch und höre erneut den „Domian – 1Live“-Podcast. Meine Augen brennen, und ich kämpfe gegen die Müdigkeit an. In den letzten 48 Stunden habe ich wohl insgesamt nicht mehr als fünf Stunden geschlafen. Ich gehe nach draußen, setze mich an den Steuerstand und traue meinen Augen nicht: Eine kleine Schule von Delfinen taucht unter der KAMI durch, vielleicht 20 Tiere. Ich eile in den Salon, um mein Handy zu holen und Fotos zu machen. Als ich wieder draußen bin, sind die Delfine leider schon zu weit weg, um sie festzuhalten. Etwas enttäuscht schaue ich in die Ferne und sehe einen fliegenden Fisch aus dem Wasser springen. Geschätzt segelt er 10 Meter über die Wasseroberfläche – leider zu weit weg für ein Foto.

Gegen 7 Uhr ist Karsten wieder oben. Ich falle sofort todmüde in die Koje und schlafe sofort ein. Nach zwei Stunden rappele ich mich wieder hoch. Die Sonne scheint durchs Fenster, und mich zieht es nach draußen. Karsten ist nicht traurig, denn wir können gemeinsam ein schönes Frühstück im Cockpit genießen und über das Wetter und die Kursplanung philosophieren. Wir freuen uns über eine Nachricht von Sebastian Wache, der uns mit seiner Wettervorhersage in die entgegengesetzte Richtung schickt. Wir wenden also die KAMI (wir spielen uns von Mal zu Mal besser ein) und steuern die von ihm übersandten Wetterwegpunkte an. Wir versuchen, hart nach Osten zu kreuzen, denn hier zieht in den nächsten Tagen ein „friedliches“ Tiefdruckgebiet durch, das südöstliche Winde mitbringt. Genau diese Winde bringen uns nach Hause. Wir freuen uns schon darauf, nicht mehr hart am Wind auf Amwindkursen bolzen zu müssen und endlich einen schönen Raumwindkurs (Wind von hinten seitlich) zu haben, damit die KAMI viel ruhiger und schneller durchs tiefblaue Wasser gleiten kann.

Nach dem Frühstück setzen wir das Großsegel wieder ganz. Ich schmeiße den Generator und den Wassermacher an und beschließe, eine Waschmaschine anzusetzen. Karsten macht ein Powernap im Salon, und ich behalte die frisch aufgehängte Wäsche im Blick.

Die Zickzack-Kurslinien der KAMI sehen schrecklich aus auf dem Kartenplotter.
Es fehlt uns nach wie vor der richtige Wind. Dazu kommt, dass wir eher konservativ segeln wollen. Wir kennen das Schiff noch nicht gut und wissen nicht, was wir der KAMI zumuten können.

Es wird wohl in den nächsten Tagen so weitergehen, bis sich bessere Segelbedingungen einstellen.

1. Etmal 99,3 Seemeilen

21.05.2023 – 11.48 Uhr Ortszeit – 15.50 Uhr UTC
2. Seetag
Etmal: 99,3 sm
Gesamtsumme: 99,3 sm
Wind aus NO zwischen 3 und 10 Knoten

Segelstellung – Großsegel voll – Genua voll – spitzer Amwindkurs um die 40°

Speed über Grund: gerade um die 3,5 kn

Wir kriechen weiter Richtung Norden und passieren „Great Abaco Island“ an unserer Backbordseite.
 Karsten kocht leckeren Kräutertee (wir sind beide sehr trinkfaul), und dabei hören wir den Seefunk mit.
 Nichts Spannendes!
Abwechselnd versuchen wir, ein Powernap zu machen, was bei dem ständigen Wellengehüpfe nicht so leicht ist.


Wir suchen den Wind und hoffen, dass er in den nächsten Tagen auf Süd dreht, damit wir endlich einen vernünftigen Raumwindkurs segeln können – das würde mehr Ruhe ins Schiff bringen.

Im Moment sind die Aussichten für die nächsten Tage leider eher bescheiden. Der Wind schläft regelmäßig ein, und unser Autopilot läuft auf Hochtouren, um den Kurs irgendwie zu halten. Sebastian Wache von Wetterwelt schätzt eine „Besserung“ erst ab dem 26. Mai – dann könnten die südlichen Winde langsam zurückkehren (wenn wir Glück haben) und uns Richtung Heimat schieben.

Wir hoffen!

Wenig Wind in den Segeln …

Die erste Nacht ist überstanden

21.05.2023 – 06:30 Uhr Ortszeit
Wir sind durch die Nacht, und die Sonne steigt langsam am Horizont auf.
 Endlich hat das Inselgekreuze ein Ende – wir haben die Inselpassage hinter uns und machen bei 13 Knoten Wind etwa 6 Knoten Fahrt über Grund. In der Nacht mussten uns einige Schnellfähren und Tanker ausweichen.

Der Sternenhimmel ist unglaublich: Milliarden von funkelnden Lichtpunkten, fliegende Satelliten und vereinzelte Sternschnuppen. Der Anblick haut uns beide um – wow!
 Genauso beeindruckend ist das tiefblaue Wasser. Einfach irre!

Karsten liegt seit zwei Stunden in „Vollmontur“ im Salon und schläft. Eigentlich hätte er bis 5 Uhr Wache, aber da ich keine Ruhe in der Koje finden konnte und mir etwas flau im Magen war, löste ich ihn ab und ließ ihn ausruhen. Das Boot knarzt und ächzt, wenn die Wellen gegen den Rumpf schlagen. Die Wellen in der Nacht zwischen den Inseln waren wahrlich nicht zahm. Auch einige Böen, die in die Segel fuhren, ließen unseren Adrenalinspiegel steigen.

Ich bin jetzt seit 26 Stunden auf den Beinen. Auch bei mir setzt langsam die Müdigkeit ein, aber ich halte planmäßig bis 9 Uhr Wache und hoffe, dann etwas Schlaf nachholen zu können.

In der Nacht mussten wir den Generator anschalten, da die Bordspannung unter 11 Volt fiel. Der Autopilot verbraucht ordentlich Energie, ebenso wie der Kühl- und der Tiefkühlschrank. Deshalb haben wir beschlossen, in der nächsten Nacht alle nicht notwendigen Verbraucher (auch Starlink & Co.) auszuschalten, um Energie zu sparen. Keine Sorge, wenn sich der Trackingpunkt der KAMI mal für einen halben Tag nicht bewegt. Sobald die Sonne unsere Solarpaneele wieder auflädt, sind wir wieder online.

Ich sitze jetzt im Salon am Kartentisch, schaue auf den Kartenplotter vor mir und überprüfe unsere Kurslinie. Um nicht einzuschlafen, höre ich Podcasts, die ich mir zu Hause heruntergeladen habe (über 20 Stunden Tonmaterial).

Die Sonnenstrahlen des jungen Tages kitzeln meine Nase. Ich ziehe den Hoody aus, den ich mir heute früh um 4 Uhr angezogen habe (nachts im Wind ist es recht frisch), und träume vor mich hin.

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Der erste Abend

20.05.2023 – 20.00 Uhr Ortszeit
Der Wind steht so ungünstig, dass wir noch mindestens zwei Wendemanöver fahren müssen. Beim ersten Manöver haben wir uns beide ziemlich „laienhaft“ angestellt, sodass wir beide Maschinen starten mussten, um wieder auf Kurs zu kommen. Jetzt stehen die Segel wieder, und wir fahren einen Zickzack-Kurs. Wir schätzen, dass wir gegen Mitternacht zwischen den beiden letzten Bahamas-Inseln hindurchkommen und das offene Meer erreichen.

Karsten steht in der Pantry und brutzelt Speck in der Pfanne. Unser Abendbrot haben wir uns heute mehr als verdient. Vereinzelt sehen wir zwei, drei Segelboote in der Ferne und den einen oder anderen Tanker.

Wann wir richtig mit unserem geplanten 4-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmus beginnen, ist noch nicht ganz klar. Im Moment haben wir einfach noch zu viel Adrenalin im Körper. Dazu kommt, dass wir gerade gegen die Wellen bolzen und das Schiff hin und her tänzelt. Vor der ersten Nacht graut es uns beiden ein wenig. Mindestens zwei Wendemanöver stehen noch im Dunkeln an.

Spannend!

Getreu dem Motto: „Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ – stellen wir uns der Herausforderung. Wir sind froh, wenn das Gekreuze morgen endlich ein Ende hat und wir etwas Konstanz in unseren neuen Bordalltag bringen können.

Der Wind soll morgen genauso bescheiden sein wie heute. Wir planen daher, uns mit der Filmdrohne sowie mit dem Angelzeug zu beschäftigen. Mal sehen, wie es nach der Nacht um die Müdigkeit bestellt ist.

Die Sonne taucht blutrot hinter dem Horizont ab – bis morgen …

Anker auf bei Regen und Gewitter

20.05.2023 – 09.00 Uhr Ortszeit
1. Seetag
Das Disney-Kreuzfahrtschiff „Wish“ läuft in den Hafen von Nassau (New Providence) ein, und ein breites, dunkles Regen- und Gewittergebiet zieht achtern auf.
Wir beschließen, „Anker auf“ zu gehen und wollen die KAMI (vor der Gewitterzelle) in Richtung Nordost steuern.
Das Anker-auf-Manöver klappt gut, und wir verlassen unter beiden Maschinen den Hafen von Nassau auf den Bahamas. Der Wind pendelt zwischen 7 und 9 Knoten – eigentlich reicht das nicht, um die 11 Tonnen des Schiffs in Bewegung zu setzen, aber wir setzen hoffnungsvoll das Großsegel und rollen die Genua aus. Wir machen im Schnitt um die 5 Knoten Fahrt. Gähnend langsam schiebt sich die KAMI durch das Wasser. Wir setzen Kurs zwischen die Inseln Abaco und Spanish Wells und hoffen, bis zum Einbruch der Dunkelheit zwischen beiden Inseln hindurch zu sein.

Wunschdenken!!

Erste kleine Problemchen zeigen sich: Unsere Geschwindigkeitsanzeige „Wasser“, also die Geschwindigkeit des Bootes inklusive Strömung und Versatz, funktioniert nicht. Wir vermuten, dass das „Logge-Rädchen“ am Bug durch Bewuchs blockiert ist. Wir haben also nur die Anzeige „SOG“ (Speed over Ground) – die Geschwindigkeit über Grund – zur Verfügung, die sich durch GPS berechnet.

Das Mobilteil des VHF-Funkgerätes lässt sich nicht mit dem Bord-WLAN verbinden. Dank „Starlink“ schauen wir How-to-Videos und hoffen, das kleine Problem so lösen zu können.

Karsten steht am Steuerstand und übt, freihändig zu steuern – also ohne Hilfe des Autopiloten. Bei uns beiden müssen sich die ganzen Begriffe wie True Wind Course, True Wind Angle usw. erst einmal richtig ins Gehirn einprägen. Das schaffen wir schon!

Wir sind beide froh, dass die Fahrt so ruhig und entspannt beginnt. Die Wellen halten sich in Grenzen und die Sonne scheint uns ins Gesicht. In einer Stunde wollen wir uns den ersten auf „See“ Kaffee machen…

Bootsübernahme & Vorbereitungen

10.05.2023 – 17.00 Uhr Ortszeit
Die Schiffsübergabe hat 2,5 Tage in Anspruch genommen, und die Schweizer Vorbesitzer sitzen nun im Flieger nach Genf.
Endlich kann ich das Schiff „in Beschlag“ nehmen.
Als Erstes sortiere ich eine Menge Überbleibsel der Vorbesitzer aus, die in den Müll wandern (Kunstblumen, kitschige Deko, angeschlagenes Nippes, usw.).
Danach baue ich die aus Deutschland mitgebrachte Starlink-Antenne auf – und schon habe ich rasend schnelles Internet.
Das freut mich sehr, denn jetzt kann ich endlich über WhatsApp mit Kathi in Deutschland telefonieren.

Nachtrag - Oktober 2024

Warum ich Elon Musk und Starlink schätze...

In letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, wie viel negative Kommentare über Elon Musk in diversen Internetforen verbreitet werden. Auch in meinem eigenen Umfeld, wie zum Beispiel in meinem Verein, dem TransOcean e.V., gibt es einige Stimmen, die ihm gegenüber kritisch sind. Das macht mich ehrlich gesagt traurig. Klar, nicht jede seiner Entscheidungen muss man gutheißen, aber die Art und Weise, wie oft über ihn hergezogen wird, finde ich übertrieben.

Besonders seine Leistungen im Bereich der Technologie und Raumfahrt werden häufig unterschätzt. Ohne Musk und sein Unternehmen Starlink wäre es für mich als Segelneuling nahezu unmöglich, eine stabile und zuverlässige Internetverbindung auf hoher See zu haben. Wer schon einmal auf den weiten Ozeanen unterwegs war, weiß, wie einsam und herausfordernd es dort werden kann. Eine funktionierende (Daten-)Verbindung ist nicht nur ein netter Bonus, sondern ein absolutes Muss. Sie ermöglicht nicht nur den Kontakt zur Außenwelt, sondern gibt auch ein Gefühl der Sicherheit, das man nicht unterschätzen sollte.

Dank Starlink habe ich auf meinen Segeltörns die Möglichkeit, jederzeit auf Wetterdaten, Navigationshilfen oder auch einfach auf Nachrichten von Freunden und Familie zuzugreifen. Besonders für mich als Anfänger im Segelsport ist das unbezahlbar. Es macht die Herausforderung, auf dem Wasser zu sein, um ein Vielfaches leichter und sorgt dafür, dass ich mich nicht komplett abgeschnitten fühle.

Ich finde, man sollte auch die positiven Seiten sehen. Klar, Kritik ist in Ordnung und manchmal auch notwendig, aber fair sollte sie bleiben. Starlink hat für mich und viele andere Segler die Art und Weise, wie wir auf den Weltmeeren kommunizieren, revolutioniert. Dafür bin ich persönlich sehr dankbar.

Vielleicht lohnt es sich, das Ganze auch mal aus dieser Perspektive zu betrachten, bevor man Musk und seine Unternehmen pauschal verurteilt.

Am Nachmittag habe ich die Proviantliste für den großen Törn ausgearbeitet und werde morgen den ersten Supermarkt aufsuchen, um mit dem Bunkern der Vorräte zu beginnen. Ich plane mindestens vier Einkaufsfahrten, verteilt auf Donnerstag, Freitag und den kommenden Montag.

Am Dienstag trifft mein Co-Skipper und Smutje Karsten gegen 14:30 Uhr hier in Nassau ein. Ich freue mich schon sehr darauf, das große Abenteuer gemeinsam mit ihm erleben zu dürfen.

Am Freitag werde ich mit Sebastian Wache (Dipl.-Meteorologe von Wetterwelt) telefonieren. Gemeinsam werden wir das Wetterrouting besprechen und schauen, ob wir nächste Woche schon in See stechen können, falls die Bedingungen passen. Bis spätestens zum 25. Mai müssen wir jedoch die Bahamas verlassen haben, da unser Cruising Permit dann ausläuft.

Nassau Cruise Port – Blick von der New Celeste (KAMI)

Vom Nichtsegler zum Atlantiküberquerer

Es gibt Momente im Leben, in denen man einfach ins kalte Wasser springen muss. Bei mir war es das Segeln. Nie zuvor hatte ich einen Fuß auf ein Segelkatamaran gesetzt, geschweige denn eine Ahnung davon, wie man mit Wind und Wellen navigiert. Und trotzdem stand ich vor der Entscheidung: tausende Seemeilen über den Atlantik – und das nicht auf der leichteren Ost-West-Route, sondern auf der schwierigeren West-Ost-Passage, die nur wenige sich zutrauen. Selbst Segler mit jahrelanger Erfahrung vermeiden gerne diesen anspruchsvollen Törn.

Man könnte mich mutig nennen – oder vielleicht auch leichtsinnig. Aber ich habe die Herausforderung angenommen.

Sich auf eine solche Reise vorzubereiten, wenn man noch nie gesegelt ist, gleicht dem Versuch, eine Sprache über Nacht zu lernen. Ich musste alles von Grund auf begreifen: den Wind lesen, Segel setzen, navigieren, das Wetter studieren und, vielleicht am wichtigsten, mentale Stärke aufbauen.

Der Ozean hat seine eigenen Regeln, und er nimmt keine Rücksicht auf Menschen, die ihn durchqueren wollen. Das habe ich schon am ersten Tag auf See begriffen. Die ersten Tage waren eine Herausforderung für meinen Körper und meinen Geist. Unwohlsein, Müdigkeit und das ungewohnte Leben auf einem so kleinen Raum – all das machte mir zu schaffen.

Doch nach einer Weile begann ich, mich anzupassen. Ich lernte, mit den Bewegungen des Schiffs umzugehen, das Segeln wurde mehr und mehr zur Routine, und der Atlantik, so wild und unberechenbar er auch sein mochte, zeigte auch seine schönen Seiten. Die Sonnenaufgänge, die unendliche Weite des Meeres, die Momente der Stille, wenn der Wind uns sanft über das Wasser trug – all das waren Augenblicke, die ich niemals vergessen werde.

Der Atlantik hat mich nicht nur gelehrt, wie man segelt – er hat mir gezeigt, dass die größten Abenteuer immer dann beginnen, wenn man sich aus seiner Komfortzone wagt.

5.200 Seemeilen – ich habe den Atlantik in 42 Seetagen bezwungen!

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