Kurzupdate – Kein Wetter

Es ist wie verhext: Wir finden einfach kein passendes Wetterfenster.


Wie letzte Woche mit Alina von wetterwelt.com besprochen, erreichte uns heute ihre E-Mail mit der Prognose für die nächsten Tage. Sie schreibt, dass die Wetterlage weiterhin instabil und wechselhaft bleibt. Derzeit rollen mehrere Tiefdruckgebiete vom Atlantik in Richtung Britische Inseln. Die Winde drehen von West bis Südwest, anschließend auf Ost bis Nordost – und ab dem 16.08. gehen (wie leider in letzter Zeit so oft) alle Wettermodelle wieder komplett auseinander. Eine eindeutige Tendenz ist nicht erkennbar.

Für unsere geplante längere Passage nach Madeira macht das die Planung extrem schwierig. Auf keinen Fall wollen wir erneut die meiste Zeit der Überfahrt unter Motor zurücklegen. Abgesehen vom „Krach“ an Bord spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle: Die Kosten für Diesel sind erheblich, und auch der Verschleiß – etwa durch Motorölverbrauch, Filterwechsel und Beanspruchung der Antriebe – muss mit einkalkuliert werden. Unsere Wunschroute verläuft nicht an der Küste entlang, sondern weit hinaus auf den Atlantik.

Wunschroute nach Madeira – weit weg von der Küste (Kartenmaterial von OpenSeaMap)

Alina empfiehlt uns aufgrund der schlechten Aussichten, stattdessen kürzere Passagen in Betracht zu ziehen. Ab dem 14.08., so schreibt sie, wäre zum Beispiel eine Überquerung der Biskaya nach A Coruña denkbar. Genau das wollen wir jedoch vermeiden: Küstenhopping.

Zum einen ist das Risiko, sich etwas „einzufahren“, sehr hoch – sei es durch Fischernetze oder illegale Stellnetze / Langleinenfischerei. Zum anderen steigt mit zunehmender Fahrt Richtung Süden das Risiko von Orca-Interaktionen.
Schon bei unserer Durchfahrt durch den Englischen Kanal gab es einige brenzlige Situationen, in denen wir gekennzeichnete und vor allem unmarkierte Fischfang­einrichtungen (oft nur treibende weiße, blaue oder gelbe Kanister mit kleinen Ankerbojen) in letzter Sekunde umsteuern mussten. Nachts haben wir vermutlich sogar einen dieser Kanister mit blauer Leine touchiert – im Dunkeln keine Chance, sie zu erkennen; sie haben weder AIS-Sender noch sind sie auf dem Radar sichtbar. Fasern der blauen Leine habe ich beim letzten Schwimmen hier in der Ankerbucht von Anse de l’Auberlac’h noch aus dem Faltpropeller auf der Backbordseite gezogen. Ärgerlich.

Es sieht also so aus, als müssten wir weiterhin warten. Ein wirklich merkwürdiger Sommer, den wir dieses Jahr erleben: Entweder es weht gar kein Wind oder er kommt genau aus den Richtungen, in denen wir nicht vernünftig segeln können. Die Alternativen wären: weite Strecken motoren oder in endlosen Zickzackkursen nach Madeira segeln. Der direkte Kurs dorthin sind etwa 1.300 Seemeilen. Bei günstigen Bedingungen bräuchten wir dafür rund 10 Tage. Im Moment würden wir jedoch in großen Flautenfeldern festhängen und nur langsam vor uns hintreiben.
Das hat zwar auch seinen Reiz – aber wie viel Proviant bräuchten wir, um auch längere Zeit (bis zu 30 Tage) autark zu sein? Schon jetzt merken wir, wie unsere Vorräte – insbesondere frische Lebensmittel und Getränke – während der langen Wartezeit in den hiesigen Ankerbuchten zur Neige gehen.

Müssen wir im schlimmsten Fall wirklich noch bis Ende August oder gar September hier ausharren?

 

P.S. Der Tausch unserer Solarplatten im Hafen von Brest hat gut geklappt. Der Elektriker (ein junger Franzose) hat einen guten Job gemacht. Jetzt bringt unsere Solaranlage wieder volle Power!

Gefällt mir 3

Kurs IJmuiden – endlich geht es los!

Nach fast 18 Tagen im Cuxhavener Seglerhafen entscheiden wir uns, endlich abzulegen und Kurs auf IJmuiden in den Niederlanden zu nehmen. Das Wetter und die Vorhersagen bei Windy passen einigermaßen für die rund 200 Seemeilen lange Etappe – und wir wollen jetzt auch einfach mal weiter.

Bevor wir am Freitagabend gegen 20 Uhr mit der ablaufenden Tide starten, füllen wir an der SB-Tankstelle im Hafen beide Tanks mit jeweils 72 Litern Diesel nach. Dann geht es los. Bei schönstem Abendsonnenschein biegen wir in die Elbmündung ein und motoren Richtung Nordsee zum ersten VTG (Verkehrstrennungsgebiet) „Jade Approach“.
Die ablaufende Flut aus Hamburg schiebt uns mit rund 2 Knoten – super.

Diesmal lassen wir nur eine Maschine laufen, um Sprit zu sparen und eine erste Verbrauchskalkulation zu machen. Natürlich ist das bei Strömung, Gegenwind und Welle nur bedingt aussagekräftig, aber für einen Mittelwert sollte es reichen.
Am Ende der Etappe rechnen wir hoch: 700 Liter Diesel ergeben eine Reichweite von ca. 1.000–1.200 Seemeilen, also rund 2.000 Kilometer. Nicht, dass ihr denkt, wir wollen absichtlich motoren – ganz im Gegenteil! Das dumpfe Gebrumme nervt uns wahnsinnig und geht irgendwann richtig auf den Kopf. Wir wollen segeln. Aber der Wind muss eben mitspielen.

Erste Nachtfahrt – neue Erfahrungen

Wir motoren also in die Nacht hinein. Laut Vorhersage soll es in den frühen Morgenstunden Wind geben. Ich schicke Kathi gegen 23 Uhr in die Koje und übernehme die komplette erste Nacht bis 8 Uhr morgens. Irgendwann kommt sie nochmal hoch und fragt: „Soll ich dich ablösen?“ Ich verneine, sie geht wieder schlafen.


Unsere Hündin Piper erlebt ihre erste Nachtfahrt – und ist völlig unentspannt. Sie weicht mir nicht von der Seite, schläft nur kurz, und wenn ich mich einmal bewege oder mir ein Getränk aus dem Kühlschrank hole, schaut sie mich mit ihren müden Augen an, als wolle sie sagen: Warum bewegt sich hier alles?! Sie muss sich natürlich erst daran gewöhnen, Tag und Nacht an Bord zu verbringen.
Beim „Lösen“ klappt es schon richtig gut: Wir gehen mit ihr auf das Vorschiff, geben den Befehl „Piper, los!“ – und sie macht brav ihr Geschäft. Danach wird wie auf See üblich alles mit Schlauch und Pütz abgespült. Natur zur Natur!

Wind? Fehlanzeige.

Am Samstagmorgen um 8 Uhr übernimmt Kathi die Wache, ich lege mich in den Salon in ihre Nähe und sage noch: Weck mich, wenn dir was komisch vorkommt oder du mit Radar oder AIS nicht klar kommst. Nach 20 Minuten bin ich wieder wach – Schlaf will sich einfach nicht einstellen. Also trinken wir einen Kaffee, und ich rolle die Genua aus. Immerhin: 9 Knoten Wind! Vielleicht reicht das für ein wenig Segelbetrieb?
Leider nicht. Nach zwei Stunden schläft der Wind wieder ein und das Segel fällt back. Also Genua einrollen. Wir tuckern weiter unter Maschine. Die Tide ist mittlerweile gekippt, der Strom kommt jetzt von vorn – unsere Geschwindigkeit sinkt auf nur noch 2,5 Knoten. Gerade einmal 4,6 km/h! Das ist langsamer als Gehen.

Tagsüber nutzt die Sonne jede Gelegenheit, vorbei zu schauen. Ich versuche, mal im Salon, mal im Cockpit ein Nickerchen zu machen – vergeblich. Ich finde keinen Schlaf.
Ab dem Nachmittag baut sich die See auf – 2,5 Meter Welle schiebt uns von hinten. Der Wind frischt auf: 10 bis 12 Knoten. Endlich! Aber: direkt von achtern, 180 Grad. Für unseren Katamaran KAMI denkbar ungünstig – wir können nur zwischen 40 und 135 Grad segeln. Also: Maschine bleibt an.

Wach bleiben um jeden Preis

Am Abend wird’s wolkig, wir sehen kaum noch Schiffe. Nach dem Abendbrot übernehme ich erneut die Nachtwache. Kathi geht schlafen – Kopfhörer auf, ich höre mal wieder „Domian“. Gegen Mitternacht schreibt meine Mom, dass sie nicht schlafen kann. Wir tauschen ein paar WhatsApp-Nachrichten aus. Ich vermisse Sie und meine Gedanken sind oft bei ihr.
Gegen 2 Uhr steht plötzlich Kathi bei mir. „Willst du dich ablösen lassen?“ fragt sie. Ich schicke sie nochmal in ihre Koje. Natürlich bin ich noch fit. Oder etwa nicht? Irgendwie hatte sie wohl eine Vorahnung. Immerhin bin ich zu dem Zeitpunkt schon fast einen ganzen Tag wach.

Um 4 Uhr werde ich richtig müde. Augenlider schwer, auf dem Plotter nichts, Radar leer, kein Verkehr – Langeweile macht sich breit. Und dann der gefährlichste Moment: Sekundenschlaf. Ich spüre, wie mein Körper ein klares Alarmsignal sendet. Nicht einschlafen! Also gehe ich sofort runter und wecke Kathi. Sie übernimmt ohne zu zögern.
Nach zwei Stunden narkotischen Tiefschlaf wache ich wieder auf. Es wird hell, Kathi steuert die KAMI mit Autopilot die Küste entlang. Aber weit sind wir noch nicht gekommen – kein Wunder bei der Gegenströmung. Unsere kalkulierten 34 Stunden für die Überfahrt nach IJmuiden werden wir nicht schaffen, am Ende sind es 40 Stunden.

Kontrolle auf See

Am Sonntag gegen 10 Uhr – mittlerweile haben wir sieben Stunden Verspätung – entdecke ich an Steuerbord ein großes Schiff der niederländischen Küstenwache. Kurz darauf wird ein RIB zu Wasser gelassen und rast mit Highspeed achteraus. Ich ahne schon: Die kommen zu uns.
Ein paar Minuten später liegen sie längsseits. „Woher kommen Sie?“, ruft einer der Beamten auf perfektem Deutsch. Ich antworte freundlich (trotz Müdigkeit) und erzähle von unserer Weltumsegelung. Nach ein paar Fragen und einem kurzen Gespräch wünschen sie uns alles Gute – und brausen wieder ab. Unsere erste Kontrolle auf See!

IJmuiden – der erste Stop außerhalb Deutschlands

Eine Stunde später erreichen wir IJmuiden. Wir funken den Hafenmeister auf Kanal 74 an. Kathi hatte dort zuvor angerufen, die Dame hatte einen freien Liegeplatz zugesagt – auf Deutsch. Jetzt fordert man uns über Funk auf, auf Englisch umzuschalten. Kathi übernimmt entspannt.
Wir motoren mit 15 Knoten Gegenwind in den Hafen. Ein „Marinero“ kommt im Dinghy entgegen und winkt uns, wir sollen folgen. Unser Liegeplatz ist in Reihe „F“. Die Ansteuerung klappt fast wie bei den Profis. Danach geht’s direkt ins Hafenmeisterbüro – wir buchen für eine Woche.

Nächste Schritte: Der Atlantik ruft!

Schon in der Nacht hatten wir via Podcast von Sebastian Wache (wetterwelt.com) gehört, dass das Wetter weiterhin suboptimal bleibt. Unser Plan: notfalls motoren bis Brest – raus aus dem Ärmelkanal, rein in den Atlantik.
Denn wir wollen endlich ins Warme! Segeln! Türkisfarbenes Wasser!

Bis dahin sind es noch ca. 600–700 Seemeilen. Aber: Gegenwelle und Gegenströmung sind das, was am meisten belastet – auch für unsere Piper. Sie musste schon Reisetabletten nehmen, um etwas zu entspannen. Sie ist ein wichtiger Teil der Crew – auch ihr Wohlbefinden steht für uns an erster Stelle.


Die Infos schicke ich in der Nacht an Alina. Direkt am Sonntagvormittag kommt ihre Antwort: Gegen Ende der Woche will sie sich mit neuen Wetterdaten melden.

Ankommen, schlafen, Pläne schmieden

Sonntagnachmittag gönnen wir uns ein Erholungsschläfchen – drei Stunden tiefster, erholsamer Schlaf. Der Körper holt sich, was er braucht. Am Abend fühlen wir uns wieder frisch und erkunden den Hafen und die Umgebung.

Seebeine wachsen nicht über Nacht – und wir sind froh, dass wir nicht ausschließlich auf Wind angewiesen sind. Wer nur auf’s Segeln gesetzt hätte, würde womöglich heute noch in der Ostsee treiben. Gut, dass wir auf einem Katamaran leben – die Vorteile gegenüber einer Monohülle sind enorm. Wir haben größten Respekt vor all unseren Mitseglern, mit denen wir über WhatsApp im Austausch stehen: die anderen Lossegler 2025.

Was kommt als Nächstes?

Am 26. Juli startet das legendäre Rolex Fastnet Race von Cowes nach Cherbourg. Über 400 Yachten nehmen teil. In den umliegenden Häfen wird es voll, laut – und spannend! Für uns ein weiterer Grund, so bald wie möglich durch den Ärmelkanal zu kommen.

Unsere Wunschroute:
 Noch einmal in IJmuiden auftanken, dann durch den Kanal nach Brest. Von dort aus Proviant und Diesel auffüllen – und auf Alinas „GO“ warten. Dann geht’s rüber über die Biskaya in einem weiten Atlantik-Bogen nach Madeira.
Dort ist gerade genau unser Wetter: Sonne, 32 Grad – Happy Feeling.

Jetzt beobachten wir aus den Niederlanden weiter die Wetterkapriolen. Die Wetterentwicklung wird immer rasanter, kurzfristiger, unberechenbarer.

Zur Stunde tobt ein höllisches Gewitter über dem Hafen…

Gefällt mir 4

Kurzupdate – Wetterwelt

Wir haben unseren Plan, morgen mit der auslaufenden Flut den Cuxhavener Seglerhafen zu verlassen, kurzfristig wieder verworfen. Genau wie viele andere Segler verstehen wir nicht, warum sich die Wettervorhersagen täglich mehrfach ändern. Hier oben ist es kalt, grau, windig – und böig (natürlich aus der falschen Richtung). Irgendwie fühlt es sich hier einfach nicht nach Sommer an.

Aufgrund der derzeitigen, ungewöhnlichen Wetterverhältnisse (in ganz Europa) sind wir mit der Firma Wetterwelt in Kontakt getreten. Ihr erinnert euch bestimmt: 2023, bei der Überführung der KAMI von den Bahamas, hatten wir Sebastian Wache von Wetterwelt als Routingcoach gebucht – und das hatte super geklappt. Kurzerhand haben wir jetzt ein individuelles Routing von hier nach Madeira, zu den Kanaren und dann weiter in die Karibik angefragt – und bereits die Zusage erhalten. Das freut uns sehr und gibt uns ein wenig mehr Sicherheit.

Alina von Wetterwelt wird uns betreuen, und wir haben heute schon mit ihr telefoniert. Unseren Plan, von hier aus direkt nach Madeira „durchzurutschen“, können wir wohl begraben – den Zahn hat sie uns gezogen. Es wird weiterhin nur in Etappen gehen. Also wahrscheinlich doch Küstenhopping, bis wir aus dem Ärmelkanal raus sind. Eigentlich ist das gar nicht so schlecht, aber es sind Sommerferien, und die Häfen entlang der Küste (z. B. in den Niederlanden oder Frankreich) sind meist proppevoll. Für Katamarane ist es oft sehr schwierig, einen guten Hafenplatz zu finden, und „im Päckchen liegen“ ist mit Piper`li an Bord völlig ausgeschlossen.

Was heißt das nun für uns? Wir haben eine App namens Navily. Mit dieser App findet man geeignete Häfen und Ankerplätze, und andere Segler, die vor Ort waren, können dort die Bedingungen sowie ihre Erlebnisse und Erfahrungen (Ankergrund, Lage usw.) niederschreiben und bewerten. Man kann über die App bei Häfen anfragen und sogar einige Liegeplätze im Voraus buchen (reservieren). Damit wollen wir uns ab morgen mal intensiver beschäftigen und schauen, welche Anker- oder Festmachmöglichkeiten wir bis zum Ausgang des Ärmelkanals hätten.

Mit Alina sind wir so verblieben, dass wir zum Ende der nächsten Woche telefonieren und gemeinsam schauen, ob sich endlich ein besseres Wetterfenster ergibt. Auf alle Fälle sollen die Temperaturen schon einmal steigen – das wäre ja auch schon mal schön.

Insgesamt brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Der Hochsommer kommt ja erst noch (so die Aussage von Wetterwelt), und für die 1.800 Seemeilen bis Madeira haben wir noch genügend Zeit. Die Reisekalkulation – also die Zeit, die wir bis Madeira benötigen – reicht von 9 bis 20 Tagen (je nach Windbedingungen und eventuellen Zwischenstopps wegen Schlechtwetter). Im November wollen wir von den Kanaren in Richtung Karibik starten.
Also: zeittechnisch alles gut.
Das Schiff ist komplett aufproviantiert und bereit zum Ablegen.

Aiolos (Gott der Winde) wird hiermit angerufen … bitte schicke uns moderaten Wind aus Osten oder Süden!

Ein kleiner Nachtrag:
Wir freuen uns sehr, dass bereits zweimal auf den Spendenbutton in der rechten Seitenleiste geklickt wurde. Im Namen der ganzen Crew: Herzlichen Dank für diese großartige Geste!

Gefällt mir 3