Der Dienstag begrüßt uns mit Sonne und Wärme, doch wieder bleibt uns der ersehnte Segelwind verwehrt – also schieben uns die Diesel weiter Richtung Westen. Piper lege ich vorsorglich auf eine Kühlmatte ins Cockpit. Sie scheint es zu genießen und wirkt mit ihren 1,5 Jahren immer knuffiger. Bei Wellengang weicht sie kaum von meiner Seite, schaut ständig nach mir und kuschelt sich während der Nachtwache dicht an mich. Kathi ist, glaube ich, schon ein wenig eifersüchtig. Es ist einfach schön, Piper dabei zu haben. Leider fehlen ihr noch die Seebeine, weshalb wir ihr bei ruppigem Wetter ab und zu ein Mittelchen zur Beruhigung geben müssen. Wenn es knallt und kracht oder die Wellen von vorn kommen, sucht sie Nähe und Schutz bei uns – ihrem kleinen Rudel. Eigentlich gilt ihre Rasse als schwierig in den ersten drei Jahren, doch auf Piper trifft das kaum zu. Klar, manchmal hat sie ihren Sturkopf, aber meistens ist sie einfach nur Zucker.


Trotzdem kommen wir ganz gut voran. Nachts mache ich ein Foto vom Plotter: 666,6 nautische Meilen liegen nun hinter uns – leider meist unter Motor. Das soll sich mit der Biskayaüberquerung hoffentlich ändern.
Die langen Nachtwachen gehen nicht spurlos an mir vorbei. Mein Körper sendet Warnsignale: massive Bauchkrämpfe, Herzrasen. Zwei bis drei Stunden Schlaf in 24 reichen einfach nicht aus. Zum Glück ist der Englische Kanal bald geschafft – wir alle sind am Limit. Seit Samstag kämpfen wir uns Richtung Kanalausgang (Brest), und das bescheidene Wetter drückt mächtig auf die Stimmung.

Gerade in der letzten Nacht werden wir überraschend von der Segelyacht „Cocoon“ – ebenfalls ein Katamaran mit Ziel Mallorca – angefunkt. Es stellt sich heraus, dass wir uns vor zwei Monaten in Warnemünde begegnet sind. Der Skipper warnt uns: Unser AIS-Signal fällt ständig aus, vermutlich ein Defekt an der VHF-Funkantenne. Er hat Ersatz an Bord, wir verabreden uns für Mittwoch in einem kleinen französischen Hafen nahe Brest und wollen nach dem Fehler suchen. Tatsächlich finde ich tagsüber heraus, dass es im Kanal häufiger Probleme mit AIS-Signalen gibt. Vielleicht liegt überhaupt kein technischer Defekt vor. Wir bleiben wachsam.
Nach unserer Funkverbindung steuern wir die KAMI in stockfinsterer Nacht viel zu dicht an die Rocks bei Alderney vorbei – der Puls schießt hoch! Hinter der Insel tobt eine gewaltige Kabbelsee. Mit dem ersten Licht rollen riesige Wellen aus allen Richtungen auf uns zu. Die KAMI stampft tief in eine vier Meter hohe Welle, ein gewaltiger Wasserschwall fegt durch das Trampolin über Deck. Wie eine Boje tanzen wir im Wellental, dann der nächste Brecher – wie Faustschläge krachen Wassermassen auf unser Boot. Es rumpelt, knallt, und wir fühlen uns hundeelend. Unser Abenteuerstart – ganz anders als erträumt! Ich stehe am Steuerrad, raffe alle Kräfte aus meinem übermüdeten Körper zusammen und versuche, die KAMI zurück auf Kurs zu bringen.
Wie ein Magnet zieht es unser Schiff Richtung Küstenspitze mit steinigen Geröllbrüchen. Schnell werfe ich den zweiten Motor an, gebe alles. Das Stampfen wird schlimmer, aber irgendwie kommen wir frei. Tausend Gedanken rasen durch meinen Kopf: Wie geht es Kathi unten im Salon, wie Piper? Zittert Piper wieder vor Angst? Sobald wir wieder halbwegs Kurs haben, überlasse ich dem Autopiloten das Steuer, haste in den Salon – alles okay! Beide liegen beieinander, Kathi schaut mich fragend an. Ich versuche, das Erlebte herunterzuspielen, um sie nicht zu ängstigen.
Vielleicht fragt ihr euch, warum? Die Antwort ist einfach: Sollte Kathi oder Piper das Leben an Bord dauerhaft nicht ertragen – wegen Seekrankheit, Angst oder ständiger Unruhe – würden wir spätestens auf den Kanaren aussteigen. Unser gemeinsamer Traum wäre dann vorbei. Und das darf nicht passieren. Der holprige Start mit schlechtem Wetter, tagelangem Motoren gegen Wind und Wellen und gnadenlosen Gezeitenströmen (letzte Nacht schlichen wir mit nur 0,3 Knoten über Grund – so sehr bremst die Strömung gegenan!) fordert Tribut. Zeit für ein Verwöhnprogramm! In dieser Nacht plane ich für morgen und die nächsten Tage eine kleine Ankerbuchten-Rundtour durch die schönsten Landschaften. Wenn dann noch die Sonne lacht und wir unser Schlafdefizit ausgleichen können, steigt die Laune ganz bestimmt. Französisches Baguette, bummeln durch malerische Häfen, ein Glas Wein – einfach mal genießen. Klingt nach einem Plan, oder?
Natürlich ruft das Schiff: Neben der AIS-Anlage müssen auch die Vorräte ergänzt, zwei Anoden an den Faltpropellern getauscht, Ölstände geprüft, Seewasserfilter gereinigt und Salz von Deck gespült werden – klar Schiff! Ich will die Liegezeiten nutzen, um Brot zu backen. Kathi wünscht sich Walnussbrot, und wenn der Sauerteig erst einmal fertig ist, gibt’s gleich noch mein Spezialkörnerbrot. Danach portionieren wir alles und frieren es ein – so gibt’s für zwei Wochen Frühstücksschnittchen.
Ihr seht: Bei uns kommt keine Langeweile auf. Jetzt brauchen wir aber erst mal ein wenig Ruhe und Entspannung, um Energie für den bevorstehenden großen Atlantiktrip (1..200 sm) zu tanken.

Oh man ihr drei 🙊das liest sich ja nicht so gut ! Hoffentlich wird es bald besser ! Das es so anstrengend wird habt ihr ja nicht gedacht 😢aber ihr schafft das gemeins
Passt schön auf euch auf und genießt dann die die Tage an der französischen Küste. Ich schaue ab und an bei Marine Traffic nach euch.
Luebe Grüße, Jörg und Andrea
Wir geben unser Bestes und hoffen, dass die zukünftigen Reisemeilen etwas entspannter und erholsamer sind. Ganz liebe Grüße in die alte Heimat 🤗
Ihr drei macht das super! Es ist sehr spannend aber auch aufregend, Euch bei Euren Abenteuern begleiten zu dürfen. Unsere Gedanken sind immer bei und mit Euch 🥰 bis hoffentlich ganz bald.
Danke Süße, uns geht’s auch so. Denken oft an euch und vermissen unsere gemeinsame Abende. Wir sehen uns bestimmt bald wieder…. ❤️
Ganz schön spannend, ich bin mir sicher, dass es bald besser läuft. Ich drücke euch jedenfalls ganz doll die Däumchen. Wir sind jeden Tag in Gedanken bei euch! Haltet durch… fühlt euch gedrückt. Ihr macht das toll! Und Miki… hör auf deinen Körper und leg dich öfter hin! 😘
Gegen Herzrasen und Bauchkrämpfe hilft Magnesium 200 mg morgens und abends (entspannt, am besten vor dem Schlafen oder bei großem Stress auch 400mg auf einmal, ggf. mit Vit B Komplex) Bitte Vorrat anlegen … Wir denken an Euch , Götz
Lieben Dank für deinen Tipp ☺️! Liebe Grüße in die Heimat!