Grand Cayman eine Luxusinsel mit Tränen

Wir machen uns von Georgetown, Bahamas, auf den Weg nach Inagua, um auszuklarieren und von dort aus weiter auf die Cayman Islands zu segeln. Die Wetterprognose sieht gut aus, mit angesagtem NE-Wind … doch wir müssen schnell feststellen, dass die Vorhersage mal wieder nicht stimmt. Schon bei der Ausfahrt aus der Lagune kämpfen wir mit beiden Maschinen bei 2000 Umdrehungen gegen Wind, Welle und Strömung. Leider wird die Situation draußen auch nicht besser. Wir haben E-Wind – das heißt für uns Wind und Welle von vorn, was Segeln unmöglich macht. Also mal wieder Motoren.

Als wir den Comer Channel erreichen und unseren Kurs nach Süden korrigieren können, können wir endlich die Genua setzen und eine Maschine ausmachen. Der Comer Channel ist sehr flach, und Mike muss sehr konzentriert die Seekarte mit den Tiefenlinien beobachten, damit wir nicht ins zu flache Wasser geraten. Das ist wirklich sehr anstrengend. Die Fahrt durch den Channel dauert ca. 5 Stunden, und unser niedrigster Punkt laut Tiefenmesser war 1,40 m. Wir haben einen Tiefgang von 1,20 m – also entscheiden 20 cm darüber, ob wir auf Grund laufen oder nicht. Nervenaufreibend.

Wir ankern hier mitten im Channel bei einer Tiefe von 7 m. Die Nacht wird für die gesamte Crew sehr unruhig. Es ist windig sowie schwellig, und die KAMI bewegt sich an der Kette hin und her. Am nächsten Morgen machen wir uns auf zur südlichsten Spitze von Long Island. Hier war auch schon unser Stopp auf dem Weg zu den Exumas. Dort gibt es eine kleine, süße Bar und einen wunderschönen Strand, an dem wir mit Piper toben können.

Dort angekommen, schauen wir erst einmal nach den kommenden Wetterprognosen. Es soll flautig werden, kein Wind, kein Segeln. Wir beschließen, noch zwei Tage hierzubleiben und hoffen, dass sich das Wetter bis dahin für uns bessert.

Vor Anker versuchen wir mal wieder, unsere Solaranlage zu reparieren – zum gefühlten 20. Mal. Aber wir können noch lachen, denn wir wissen, dass wir nicht die Einzigen mit solchen Problemen sind. Mike telefoniert mit unserem Elektriker, wir messen alle Leitungen und wechseln einige Stecker. Hm, es zeigt sich keine Besserung … unsere Anzeige steht bei null. Okay, wir geben noch nicht auf, stellen das Projekt jedoch zurück, da wir uns auf den Weg zu den Acklins machen wollen.

Die Wetterprognosen sind nach wie vor nicht zu unseren Gunsten. Wir beschließen, die Acklins auszulassen und direkt nach Inagua zu segeln. Das sind ca. 150 Seemeilen, und wir werden dafür 1,5 Tage brauchen. Ein Tiefdruckgebiet kommt in den nächsten Tagen aus Miami, und wir hoffen, den Wind für die Überfahrt auf die Cayman Islands nutzen zu können.

Die Überfahrt nach Inagua war mal wieder geprägt von Motorengeräuschen. Wir können es bald schon nicht mehr hören. Und bei den momentanen Dieselpreisen ist es für unseren Geldbeutel auch alles andere als schön. Auf Inagua angekommen, gehen wir gleich zu den Customs zum Ausklarieren; auch diese waren wie bei unserer Ankunft supernett.

Wir schreiben noch Kenny, der hier auf der Insel für Diesel verantwortlich ist. Er kommt zum Hafen, und wir fahren mit dem Dinghy und unseren Kanistern im Gepäck zu ihm. Er hilft uns beim Tanken aus einem Anhänger im Hafen, und wir schwatzen ein wenig, während über uns schon dicke Regenwolken aufziehen. Wir müssen uns also beeilen und zahlen stolze 3,04 US-Dollar pro Liter. Wahnsinn!


Mike sagt: „Jetzt müssen wir uns aber beeilen, damit wir die Kanister trocken an Bord bekommen.“ Alles wird ins Dinghy gehievt – ein Kanister wiegt etwa 25 kg, und wir haben sieben Stück dabei. Das ist immer eine ganz schöne Plackerei. Aber wir schaffen es, alles zu verstauen und zu sichern, bevor es anfängt zu regnen.

Nach der Tanksession schauen wir wieder bei Windy nach, und es stimmt: Ab Mitternacht soll der Wind auffrischen. Am Morgen setzen wir noch vor Anker gleich das Großsegel und machen uns auf den Weg. Es ist fantastisch, mit Großsegel und Genua zum Ziel gepustet zu werden. Die ersten Seemeilen kommen wir gut voran, mit 31 Knoten Wind in Böen und 7,5 Knoten Fahrt. So kann es bleiben, denken wir uns.

Na ja, nicht ganz. Die Durchfahrt zwischen den Inseln, Kuba und Haiti, war alles andere als entspannt … hier gibt es starke Strömungen, und der Wind wird immer stärker. Dadurch, dass wir die Störung von der Seite haben, wird unsere KAMI immer weggedrückt, und der Autopilot steigt aus, da er das Ruder nicht mehr halten kann. Wir passen den Kurs an und müssen kreuzen, damit wir die Strömungen im günstigsten Fall von hinten haben. Die Windward Passage hat es wirklich in sich!

Wir haben bis zu 35 Knoten Wind in Böen und machen gut Fahrt. Das Meer ist sehr rau, aber mit Wind und Welle von hinten lässt es sich gut aushalten. Piper wird auch immer entspannter. Sie musste sich erst wieder an die längeren Passagen gewöhnen.

Hier im karibischen Meer sind viele Frachter, Tanker und Containerschiffe unterwegs. Manche liegen zwischen Kuba und Jamaika auch auf Reede und lassen sich treiben. Also immer ein wachsames Auge haben. Mike sitzt am Steuerstand und überlegt, wann wir unseren Kurs wieder zum Kreuzen anpassen wollen. Auf einmal brüllt er: „Kathi, hier ist gerade ein dicker mindestens 5 Meter langer Baumstamm kurz neben der KAMI vorbeigeschwommen …“ Daraufhin beobachten wir das Wasser genauer: Äste, Stämme, Wurzelballen, große Müllberge im Sargassum … unglaublich, was hier so alles rumschwimmt. Wir hoffen, dass wir nicht von etwas Größerem getroffen werden, denn das wäre verheerend für die KAMI.

Nach zwei Tagen Fahrt schläft der Wind langsam ein. Wir bergen das Großsegel und segeln mit der Genua weiter. Es ist Freitagmorgen, und wir schauen, wie viel wir von den 480 Seemeilen noch vor uns haben. Hm, wir sind eigentlich viel zu schnell, wir haben jetzt noch knapp 200 Seemeilen vor uns. Die Customs machen aber erst Montag früh um 8:30 Uhr auf. Wenn man außerhalb der Geschäftszeiten ankommt, muss man eine zusätzliche Gebühr von 90 Dollar zahlen, darauf haben wir keine Lust.

Also lassen wir uns ein wenig treiben. Mit 10 Knoten Wind und gehisster Genua machen wir 3,5 Knoten Fahrt. Das ist entspannt. Die KAMI liegt ruhig im Wasser, und Kathi und Piper genießen das seichte Geschipper sehr … grins.

Unser Plan geht zwar nicht ganz auf, die Motoren müssen wir am Abend auch wieder mit dazu nehmen, aber mit niedriger Drehzahl, sodass sie nicht allzu laut sind. Wir haben echt gut kalkuliert. Am Montagmorgen um 8:00 Uhr sind wir in der 12-Meilen-Zone der Caymaninseln angekommen.

Wir funken die Port Control an und fragen nach weiteren Instruktionen. Sie antworten, dass wir uns zwei Meilen vor George Town auf Kanal 14 wieder melden sollen. Entspannt halten wir auf George Town zu und funken zwei Meilen davor erneut. Port Control gibt uns Koordinaten von einem Steg, an dem wir festmachen sollen. Sie fragen gleich, wie viele Personen an Bord sind und ob wir Tiere dabeihaben. Wir bekommen auch sofort den Hinweis, dass wir das Schiff nicht verlassen dürfen.

Wir beantworten alle Fragen und steuern Richtung Steg. Hier machen wir fest und sagen Bescheid, dass wir angekommen sind. Es kommt ein Beamter mit Formularen in der Hand auf uns zu. Diese übergibt er uns und fragt, ob wir Waffen an Bord haben. Wir sagen: eine Harpune. Diese müssen wir abgeben und bekommen sie bei der Ausreise wieder.
Er erklärt uns die Formulare und sagt, dass er später wiederkäme. Also ran: Gesundheitsformular für uns, Immigration-Formular, Crewliste mit Auflistung, welcher Alkohol und in welchen Mengen sich an Bord befindet, und das Customs-Formular. Puh. Eigentlich hatten wir im Vorfeld über Sailclear alle Daten von uns und auch von der KAMI angegeben. Aber gut: Wer schreibt, der bleibt.

Nach einer halben Stunde kommt der Beamte mit drei weiteren Beamten wieder, zwei von den Customs und einer vom Cayman Islands Department of Agriculture wegen Piper. Er fragt nach dem Permit für Piper. Wir erklären, dass wir eine Mail von der Behörde haben, in der uns mitgeteilt wurde, dass Piper zu einer verbotenen Rasse gehört. Sie darf aber einreisen, solange sie das Schiff nicht verlässt.

Wir müssen trotzdem ein aktuelles Gesundheitszeugnis, einen Tollwut-Titer-Test und den Chipnachweis vorlegen. Wir haben alles dabei, und ich übergebe alles den Beamten.

Noch einmal zum Verständnis: Piper ist ein Continental-Bulldog-Mix, und die Continental Bulldogge stammt von der Old English Bulldogge ab. Als Kathi sich damals mit den Caymaninseln und den Einreisebestimmungen beschäftigt hatte, hat sie das Formular für das Permit heruntergeladen. Vier Seiten mit sämtlichen Informationen und Dokumenten, die man benötigt.

Bereits auf den Bahamas hat Kathi den Antrag ausgefüllt und an das Cayman Islands Department of Agriculture gesendet. Auf dem Formular waren als verbotene Rassen lediglich diese genannt
:
a. Pit Bull Terrier and its breed types;

b. Dogo Argentino and its breed types;

c. Fila Brasileiro and its breed types;

d. Japanese Tosa and its breed types;

e. any breed of dog or crossbreed of dog whose breeding lineage was for the primary purpose of dog fighting.*

Als die Antwort vom Ministerium kam und Piper zu den verbotenen Rassen gezählt wurde, haben sie der Mail eine Liste mit angehängt, auf der noch 25 andere Rassen standen, gefühlt alle Hunde über 15 kg. Für uns absolut unverständlich, zumal die Rasselisten verboten werden müssten. Es wird immer gefährliche Hunde geben, das liegt aber nicht an der Rasse, sondern am Menschen, der sie dazu macht.
„Unsere Meinung“.

Also stand in der Mail, dass wir alle Voraussetzungen erfüllen müssen und Piper das Schiff nicht verlassen darf. Da es hier auf den Cayman Islands sehr warm ist und Piper eh sehr hitzeempfindlich ist, war das für uns kein Problem. Sie fühlt sich an Bord viel wohler, bekommt von uns eine Menge Auslastung und hat hier auch genug Bewegungsfreiraum. Die dreitägige Atlantiküberquerung hat sie auch super gemeistert.

Nachdem der Beamte Pipers Chip ausgelesen hatte und noch ein Foto von ihr machte, prüfte er unsere Bescheinigungen. Auf einmal sah Kathi ihn telefonieren und ahnte Schlimmes. Er kam auf uns zu und sagte, wir dürften einreisen, allerdings nur für sieben Tage. Das heißt, wir müssen kommenden Montag die Insel verlassen, sonst wird Piper beschlagnahmt.

Kathi bricht sofort in Tränen aus … was den Beamten nicht wirklich interessierte. Sie sagte ihm unter Tränen, dass wir am Montag Besuch von Kathis bester Freundin erwarten und diese bei uns auf der KAMI schlafen sollte. Er meinte jedoch, er könne es nicht ändern. Wir waren fassungslos. Hätte man uns das nicht gleich in der E-Mail mitteilen können? Kathi ist todtraurig … sie hatte sich schon so sehr auf ihre Freundin gefreut, einen Mietwagen organisiert und Aktivitäten rausgesucht. Es ist unglaublich unfair, aber wir sind der Behördenwillkür leider ausgesetzt und können viele Dinge einfach nicht beeinflussen.

Traurig ruft Kathi ihre Freundin an und schildert ihr die Situation. Beide finden keine Worte für diese Situation. Die anderen drei Beamten nahmen unsere Harpune mit und fragten uns noch, welche Pflanzen wir an Bord hätten. Wir haben eine Chilipflanze, die gerade viele Früchte trägt, zwei Tomatenpflanzen und dreimal Petersilie. Sie erwiderten darauf, dass die Pflanzen die KAMI nicht verlassen dürfen. Ja, ne, klar. Wir gehen ja auch nicht mit unseren Pflanzen spazieren.

Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg in den Governors Creek, das ist eine Lagune im Inselinneren. Hier lassen wir den Anker fallen und müssen das Geschehene erst einmal verarbeiten.

Wir überlegen, wie der Plan aussieht, wenn wir die Insel verlassen müssen … wir haben im Rio Dulce in Guatemala erst ab dem 01.06. einen Liegeplatz, und eine andere Insel können wir nicht anlaufen, da wir kein aktuelles Gesundheitszeugnis für Piper bekommen, weil sie ja nicht von Bord darf. Na, mal schauen …

Mike sagt: „Komm, lass uns mal wieder was Vernünftiges essen gehen.“ Er versucht, mich ein wenig aufzumuntern.
Also los. Mit dem Dinghy machen wir an einem nahe gelegenen Steg fest und machen uns auf den Weg zum Milkberry Restaurant, die Karte verspricht asiatische Küche. So gern würden wir mal wieder Sushi essen. Dort angekommen sieht alles sehr freundlich und einladend aus … wir werden herzlich empfangen.

Bestellt und in großer Vorfreude warten wir auf unser Essen … aber wie sollte es an diesem Tag wohl anders sein. Wir waren sehr erschrocken über die Portionsgröße und die dazugehörigen Preise. Kathis Hauptspeise – siehe unten auf dem Bild – bestand aus drei Teigschälchen mit gewürfeltem Lachs für 36 US-Dollar. Es war wirklich sehr lecker, aber satt geworden sind wir davon nicht.

Von Mücken zerstochen kamen wir hungrig wieder auf die KAMI zurück und machten es uns in unserem Cockpit mit einem Glas Gin Tonic gemütlich. Kathi war von der Insel bedient.

Am nächsten Tag können wir um 12 Uhr unseren Mietwagen abholen. Wir fuhren gleich ein paar wichtige Besorgungen machen, unter anderem eine neue Getränkebox für unseren Rumpf und eine neue Lichterkette fürs Cockpit. Unsere war leider schon völlig verrostet.

Einkaufen – endlich wieder ein riesiger Supermarkt, toll! Und ein paar Leckerlis für Piper natürlich, die brav an Bord auf uns wartete. Da es hier wirklich heiß ist, mit fast 36 Grad, haben wir in unserem Rumpf die Klimaanlage zwei Stunden bevor wir losfuhren angemacht und Piper nach unten in unseren Rumpf gelegt, damit es ihr angenehm kühl ist.

Zurück an Bord, alle Einkäufe verstaut, bemerkten wir, dass die Lichterkette leider mit Stecker und nicht mit Batterie funktioniert und auch die Box nicht unter unseren Schreibtisch passt – nächstes Mal sollte man vorher mal ausmessen. Ob man hier solche Fehlkäufe auch reklamieren kann? Ein Versuch ist es wert.

Am nächsten Tag fuhren wir erneut zum Einrichtungshaus Kirk. Eine ältere Dame wurde zu uns gerufen und erklärte, dass sie die Box nicht zurücknehmen kann, da sie bereits ausgepackt ist. Hm, verstehen wir. Mist, was machen wir nur damit?
Kathi fragt die Dame, ob wir diese trotzdem da lassen können, da wir mit einem Segelboot hier sind und sie zu schade zum Wegwerfen ist. Die Dame ist sofort völlig begeistert, gibt uns die Hand und stellt sich vor. Sie fragt mit wachsender Begeisterung, wo wir herkommen und wo wir schon überall waren. Auf einmal sagt sie zu ihrer Kollegin, dass sie die Box doch zurücknehmen soll.
Sie ist so nett und herzlich, wir freuen uns … schwatzen noch ein wenig, bis wir uns verabschieden. Ein tolles Erlebnis.

Auch in der Marina, die hier im Governors Creek ist, sind alle superfreundlich. Wir unterhalten uns mit dem Gärtner, der uns auch zeigt, wo wir unseren Mietwagen über Nacht hinstellen können.

Nach den Einkäufen sind unsere Dieseltanks dran. Wir haben insgesamt 200 Liter Diesel auf dem Weg hierher verbraucht. Das heißt, wir müssen mit unseren Kanistern die Tanks befüllen und im Hafen die Kanister wieder nachtanken.
Jedoch stellen wir mit Erschrecken fest, dass der Diesel, den wir auf Inagua getankt haben, trüb ist. Es ist Wasser im Diesel, was im schlimmsten Fall die Motoren beschädigen könnte. Gut, dass wir immer mit unseren Kanistern nachtanken, so kann man Verunreinigungen und auch Wasser erkennen und gegebenenfalls den Diesel noch einmal filtern, bevor er in unsere Tanks kommt.

Mike mischt den trüben Diesel mit unserem Diesel aus Georgetown, Bahamas, und hofft, dass die Motoren keinen Schaden nehmen.

Am Nachmittag bekommt Kathi eine WhatsApp-Nachricht von einer unbekannten Nummer:
„Guten Tag, hier spricht Richard vom Landwirtschaftsministerium der Kaimaninseln. Ich schreibe Ihnen, um mich nach Ihrem Befinden und Ihrem aktuellen Aufenthaltsort zu erkundigen.
Wir möchten noch einmal betonen, dass Ihr Hund zu keinem Zeitpunkt das Schiff verlassen darf, solange wir uns auf den Gewässern der Kaimaninseln befinden.“
Wir können es nicht glauben und schütteln den Kopf!

Am Abend entschließen wir uns, in ein Restaurant direkt in der Marina zu gehen: Morgan’s Seafood Restaurant. Ein wirklich schönes und sehr geschmackvoll eingerichtetes Restaurant, das uns gleich anspricht. Wir werden freundlich empfangen und zu einem Tisch auf der Veranda begleitet.

Der Kellner erkennt irgendwie gleich, dass wir Deutsche sind, und ruft seinen Kollegen Sascha an unseren Tisch. Sascha kommt aus Österreich, und seinem Onkel gehört das Restaurant. Er freut sich über unseren Besuch, und gleich beginnen wir zu erzählen. Wir fragen ihn auch, was es mit den vielen freilaufenden Hühnern auf der Insel auf sich hat. Er erzählt uns, dass es bei dem Hurrikan Ivan in 2004 zwei Geflügelfarmen erwischt hat. Die Tiere entkamen und pflanzen sich jetzt auf der Insel unkontrolliert fort. Überall ist das Gegacker zu hören und die Tiere scheinen keine Angst vor den Menschen zu haben. Sie gehören hier einfach zum Inselleben dazu.

Als wir meinten, dass wir aus der Nähe von Berlin kommen, holt Sascha prompt Matthias aus der Küche, einen Berliner Koch, der schon seit 30 Jahren durch die Welt reist und schon auf vielen karibischen Inseln gearbeitet hat. Wir freuen uns sehr über den Austausch, und das Essen ist auch wahnsinnig lecker.

Die beiden erzählen uns, dass auf der Insel selbst auch „verbotene Hunderassen“ wie Pitbulls leben. Unser Unverständnis über die behördliche Willkür wird immer größer.

Aber der Abend und auch die immer wieder kleinen Gespräche mit Sascha und Matthias waren super schön.

So vergehen die Tage, und wir beschließen am Samstag, nachdem wir den Mietwagen zurückgegeben haben, uns vor George Town an eine Mooringboje zu legen, um am Montag früh gleich auszuklarieren und die Insel zu verlassen.

Hier angekommen entdecken wir direkt unter unserer KAMI ein großes Riff mit vielen Fischen. Wir springen gleich zum Schnorcheln ins Wasser. Wunderschön: viele bunte Fische und ein neugieriger Schwarm, der uns gleich umkreist. Die Korallen vom Riff sind leider nicht mehr so schön, aber die verschiedenen Fische wecken unsere Begeisterung.
Wir holen unser Not-Tauchset, eine kleine Pressluftflasche mit Automaten raus und tauchen ein wenig um die KAMI herum. Endlich mal ein wenig Leben unter Wasser.

Am Montagmorgen, als wir uns gerade fertig machen, um zu den Customs zu fahren, hält ein Boot von der Port Authority neben uns. Ein freundlicher Beamter erklärt uns, dass wir die Mooringboje wechseln müssten, da diese nur für Tauchboote vorgesehen ist.

Wir erklären, dass wir gleich zu den Customs zum Ausklarieren müssen. Da sagen uns die Beamten, dass heute ein Feiertag ist und die Customs zusätzliche 90 Dollar Gebühren verlangen. Na toll, das wussten sie natürlich letzten Montag noch nicht. Was für ein Abschied von der Insel.

Wir klarierten trotzdem aus, zahlten brav die 90 Dollar in bar und werden auf keinen Fall wiederkommen.

Grand Cayman: Die Insel an sich ist wirklich sehr schön, viel Grün, tolle Villen und Einkaufsmöglichkeiten. Kulinarisch auch echt klasse, allerdings auch wahnsinnig teuer. Es war für uns eine Erfahrung, jetzt blicken wir aber nach vorne und sind beide schon sehr auf unser nächstes Ziel gespannt.

Wir segeln nach Guatemala, wo wir die Hurrikan-Saison von Juni bis November im Rio Dulce verbringen werden. Die KAMI wird auch noch einmal für vier bis sechs Wochen im August aus dem Wasser gehoben, und wir haben eine lange technische To-do-Liste.

Was werden wir in den nächsten sechs Monaten noch alles anstellen? Drei Wochen Urlaub in Guatemala-Stadt in einer schicken Airbnb sind geplant, Erkundung des Dschungels mit den drei Vulkanen und Boatlife in der Monkey Bay Marina bei fast 100% Luftfeuchtigkeit und 40 Grad Celsius bei täglichem Brüllaffenrufen ….

Die KAMI segelt schnell in Richtung Guatemala, vielleicht lassen wir vorher noch einmal den Anker in einem Atoll in Belize fallen. Dort muss man nicht unbedingt einklarieren, nur den Parkrangern einen Obolus für den Aufenthalt bezahlen.

Wir sind gespannt, was uns erwartet!

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BAHAMAS – Endlich 1000 Farben Blau!

Nach einer sehr anstrengenden Fahrt gegen Wind und Welle erreichen wir erschöpft die erste Insel der Bahamas, Inagua. Wir kommen gegen Sonntagmittag an und lassen den Anker vor dem kleinen Hafen Matthew Town in kristallklarem, türkisfarbenem Wasser auf 3 Meter fallen.
Bei den Behörden können wir am nächsten Vormittag problemlos einklarieren; dazu fahren wir mit dem Dinghy in den kleinen Hafen. Es dauert nur wenige Augenblicke, da werden wir schon von einem Local angesprochen. Kurz darauf taucht wie aus dem Nichts ein Taxifahrer auf, der sich mit dem Local ein kleines Wortgefecht liefert. Wir steigen ins Taxi ein, und schon braust er mit uns zur „Behördenbaracke“. Nach nur 5 Minuten ist die kostenlose Fahrt vorbei, und der Taxifahrer erklärt uns, dass der Local, der uns im Hafen angesprochen hat, kein guter Mensch ist und immer wieder versucht, Geld von Seglern und Touristen zu erbetteln. Ferner erzählt er, dass den Einheimischen viel daran liegt, mehr Tourismus anzuziehen. Leider wird die Insel oft nur als erster Anlauf zum Einklarieren besucht und dann meist schon am selben Tag wieder von den Seglern verlassen.

Wir bleiben gut fünf Tage, denn wir müssen unsere Segel wieder auf Vordermann bringen und nachtanken. Wir belesen uns im Netz und finden viele Hinweise, dass man auf kleinen Inseln möglichst nicht nachtanken sollte. Oft ist der Diesel mit Wasser und Schmutz versetzt und sehr schwefelhaltig. Gut, dass wir noch 300 Liter in Kanistern als Ersatz an Bord haben. Wir tanken jeweils 100 Liter pro Maschine und Bug mit Kanistern nach und planen, unseren Kraftstoffvorrat in George Town in den Exumas wieder aufzufüllen. Hier ist die Bootsdichte so hoch, dass ein gewisser Dieselumsatz an den Tankstellen gegeben ist. Das Risiko, verschmutzten Treibstoff zu bunkern, ist wohl in George Town gering.

Auf Anker vor Inagua kümmern wir uns um unsere Segel. Wir stellen fest, dass der massive Metallschäkel der Genua aufgebogen war und sich bei stärkerem Seegang vom Genuaschlitten abgesprengt hat. Wir finden ihn zufällig an Deck. Zum Glück ist das Segel nicht beschädigt, wie erst angenommen. Kathi muss hoch in den Mast und das Genuafall wieder freigängig machen – es hat sich oben verklemmt. Nach etwas Hin- und Herholen bekommen wir das Fall frei (es hatte sich umwickelt). Wir schlagen das Segel neu an (wir hatten passenden Schäkelersatz an Bord), und die Genua ist wieder fit. Als Nächstes holen wir den Gennaker herunter. Mike nimmt sich den Furler vor, flechtet ein Dyneema-Seil als Klemme ein und vernäht alles sauber. Durch UV-Strahlung und Salzwasser hat sich die Gummirutschsicherung am Furler aufgelöst und ist teilweise aus der Trommel gebrochen. Wir hoffen, dass unsere Ersatzsicherung hält – ein neuer Furler ist uns momentan zu teuer.

Nun muss noch das Großsegel geklärt werden. Mike lässt sich von Kathi in den Mast hochziehen und schleift die gröbsten Grate von der Mastschiene. Danach versuchen wir, das Großsegel durchzusetzen – leider wieder ohne Erfolg. Dann fällt uns auf, dass die Halterungen der Segellatten komisch aussehen: Hier sitzt eine kleine Spange, die sich geweitet hat und keine Funktion mehr erfüllt. Wir fixen die einzelnen Spangen mit Gafferband und einem kleinen Kabelbinder. Et voilà, das Großsegel lässt sich von Hand fast bis zum Ende durchholen. Wir freuen uns, dass wir die Probleme gelöst haben.

In der kleinen City von Matthew Town finden wir einen Minimarkt. Es gibt fast nichts zu kaufen, und die wenigen Dinge in der Auslage sind wahnsinnig teuer. Wir ergattern fünf kleine Äpfel und zahlen fast 12 Dollar dafür. Auf dem Rückweg zum Hafen kehren wir in einen kleinen Imbiss ein und geraten dort mit einer älteren Amerikanerin ins Gespräch, die vor 15 Jahren aus Liebe hierhergezogen ist. Sie ist die Lehrerin auf der Insel, die gerade einmal 550 Bewohner hat.

Direkt an der Hauptstraße, in unmittelbarer Nähe einer Bankfiliale, des Minimarkts und des Imbisses, betreibt man den Inselgenerator zur Stromproduktion. Dieser riesige Generator läuft Tag und Nacht, ist schrecklich laut und spuckt extrem viel Stickoxid und Dreck in die Luft. Wir können es nicht fassen, dass Wohnhäuser direkt danebenstehen. Eine Haltestelle des Schulbusses liegt direkt davor an der Hauptstraße. Schlimm!

Zurück an Bord werden wir einen Tag vor dem Ablegen in Richtung Hogsty Reef von drei Delfinen besucht. Sie floaten stundenlang um unsere KAMI herum, spielen und necken sich. Was für ein toller Anblick!

Am nächsten Tag nehmen wir Kurs auf die Exumas. Wir werden jetzt etappenweise jeden Tag 30 bis 40 Seemeilen in diese Richtung absolvieren. Der erste Stopp ist das Hogsty Reef, ein kleiner Sandhaufen mitten im Ozean. Dort gehen wir mit Piper an Land und lassen sie ohne Leine laufen. Hier gibt es nichts außer einer baufälligen Landmarke und angespültem Plastikmüll. Auch unter Wasser ist es eher unspektakulär. Von den erwarteten Haien, Schildkröten und Rochen lässt sich nichts blicken. Nach einer tausendsternfunkelnden Nacht an diesem surrealen Ort geht es am morgen weiter Richtung Acklins.

Auf dem Weg dorthin fällt uns ein graues Schiff der Küstenwache auf, das in etwa 10 Seemeilen Entfernung mit einer amerikanischen Segelyacht funkt und nach Schiffs- und Personendaten fragt. Wir ahnen schon, dass wir die Nächsten sein werden, haben aber Glück. Sie ziehen in Gegenrichtung an uns vorbei und sind nach 30 Minuten am Horizont verschwunden.

Im Süden der Insel Acklins legen wir nach sechs Stunden Fahrt einen weiteren Ankerstopp ein. Wir genießen den Nachmittag, als wie aus dem Nichts das Küstenwachschiff wieder auftaucht. Es wirft unweit von uns den Anker und lässt ein Beiboot zu Wasser. Na klasse – wird es bald Besuch geben? Die Beamten fahren zuerst zu einer in der Nähe liegenden Motoryacht. Wir setzen uns ins Cockpit und flachsen herum, da taucht das Beiboot neben uns auf. Besetzt mit sechs uniformierten Beamten bitten sie, an Bord kommen zu dürfen. Auf Steuerbord drücken sie ihr RIB gegen die KAMI, drei Beamte steigen wacklig über. Ein Beamter bleibt hinten mit Sturmgewehr im Anschlag stehen, die zwei anderen kommen ins Cockpit. Einer ist für das Protokoll zuständig, der andere führt das Gespräch und ist wohl der Chef.
Piper ist über diesen Besuch nicht sehr erfreut. Sie schimpft und lässt sich nur schwer beruhigen. Kein Wunder, die Beamten verbreiten eine negative Ausstrahlung. Kathi gelingt es ihr das Geschirr umzulegen und sie auf ihrem Schoß festzuhalten.


Wir legen brav alle Dokumente vor und geben Auskunft: Woher kommen Sie? Wohin wollen Sie? – Na, die üblichen Fragen. „Sind Waffen an Bord?“, wird gefragt. Der Chef möchte sich im Inneren der KAMI umschauen. Im Salon öffnet er den Kühlschrank und das Fach mit Gewürzen und trockenen Nahrungsmitteln (Nudeln, Reis usw.). Im Backbordrumpf staunt er über unseren Lagerraum und fragt, was in den großen Kisten ist. „Ersatzteile und Werkzeug“, gebe ich Auskunft. Er lässt eine Kiste öffnen, wirft einen Blick hinein, grübelt kurz und geht in den anderen Rumpf. Dort wirft er einen kurzen Blick und eilt zurück zu seinem protokollführenden Kollegen.
Der zeigt ständig auf Kathis Tischdeko – kleine Muscheln und Schneckenhäuser, die wir bisher an Stränden gesammelt haben. Ein größeres Schneckenhaus ist wohl eine geschützte Art. Der Chef winkt ab, und nach ca. 20 Minuten verlassen sie das Schiff und düsen davon. Zurück bleiben viele schwarze Schuhabdrücke auf dem weißen Deck und dem frisch geputzten Teak im Cockpit. Wir sind bedient! Wir schrubben das Deck; der Schmutz lässt sich nur schwer entfernen. Nach zwei Stunden sind die ärgerlichen Mitbringsel beseitigt. Was für ein schöner Besuch!

Nach einer weiteren Nacht im Nordwesten der Insel setzen wir nach Long Island über. Im Süden der Insel besuchen wir eine kleine Strandbar. Hier soll es nach Berichten anderer Segler legendären Rum-Punsch geben. Den wollen wir verkosten – und sind begeistert! Ein schöner Fleck auf der Insel, leider wird in der Nähe Tag und Nacht Müll verbrannt. Die Geruchsbelästigung treibt uns schnell weiter in Richtung Inselmitte. Vor dem kleinen Ort Clarence Town verlegen wir in eine flache, türkisfarbene Lagune und ankern im flachen Wasser – teilweise nur noch 50 Zentimeter unter dem Kiel. Da wird einem unwohl. Aber alles passt, und wir düsen mit dem Dinghy zum Dinghy-Dock. Hier sehen wir mehrere Haie und einen riesigen Stachelrochen im seichten Wasser schwimmen. Hinweisschilder am Dock warnen ausdrücklich vor den Haien. Die einheimischen Fischer, die hier Abfälle ins Wasser werfen, werden von den Tieren gern angenommen. Dadurch kam es wohl schon zu kleineren Bissverletzungen bei Touristen, die ihre Hände ins Wasser hielten. Im Ort finden wir einen kleinen Bakery-Shop und kaufen ein paar Eier und soeben gebackenen Rumkuchen. Leider gibt es kein frisches Obst. Schade. Auf dem Weg zur naheliegenden Marina entdecken wir endlich wieder Kokospalmen. Auf Acklins gab es keine, nur Gestrüpp – daher ist unsere Freude groß, wieder Kokosnüsse zu sehen. Direkt an der Straße stehen mehrere große Palmen, darunter liegen vereinzelt Früchte. Wir nehmen eine grüne, frische Kokosnuss mit an Bord – Piper ist außer sich vor Freude. Sie schleckt das Kokoswasser auf und macht sich über das frische Kokosfleisch her. 

Nach einem weiteren Ankerstopp im Norden der Insel erreichen wir nach sechs Stunden Motoren bei Flaute endlich George Town auf den Exumas. Dieser Ort ist besonders: Hier haben wir 2023 das erste Mal die KAMI von den Voreignern besichtigt. Aber nicht nur das – George Town ist für die US-Segelcommunity der absolute Hotspot. Veranstaltungen an den Stränden, Hunderte Schiffe vor Anker, Supermärkte, Tankstellen und ein Flugplatz in der Nähe machen diesen Ort aus. Hier werden wir in den nächsten Tagen Marie und Olli für drei Wochen an Bord begrüßen. Gemeinsam wollen wir die Exumas erkunden – über und unter Wasser. Wir freuen uns riesig auf den Besuch aus der Heimat.

Es gibt auch Negatives zu berichten: Unsere Saildrives machen beide Probleme. Wir hatten ja schon berichtet, dass der Saildrive auf Backbord Öl verliert und die Reparatur durch Gregory in Sint Maarten keine Besserung brachte. Das ist nach wie vor so – wir verlieren weiter geringe Mengen, aber es ist bedenklich.

Marie bringt ein Mittel aus Deutschland mit, das unter Schwarzlicht die Leckstelle sichtbar machen soll. Wir berichten davon später.

Hier in George Town vor Anker wollten wir am Steuerbord-Saildrive nur den Ölstand prüfen, vernahmen aber beim Herausziehen des Ölmessstabs einen abscheulichen Geruch, und die Ölfarbe war mehr hellgrau als braun. Nicht gut! Das heißt: Wasser im Ölkreislauf. Wir sind sauer! Haben wir doch vor nicht einmal einem Jahr beide Saildrives in Deutschland bei der Firma Marine Service Rostock (Herrn Neumeister) für viel Geld warten lassen. Schon bei der Inspektion in Barth gab es Probleme – dass jetzt beide Antriebe solche Mängel zeigen, ist unakzeptabel.

Beide Saildrives müssen dringend repariert werden. Wir haben schon in einer Werft in Guatemala, wo wir die Hurricansaison verbringen werden angefragt und professionelle Hilfe zugesichert bekommen. Die KAMI wird dort auch wegen eines neuen Antifoulinganstrichs aus dem Wasser gehoben. In dieser Zeit müssen die Antriebe spätestens instandgesetzt werden.

Wir haben jetzt erst mal auf Steuerbord einen Ölwechsel gemacht. Nimmt die Wasserkonzentration im Ölkreislauf zu, steigt das Risiko von Rostbildung und Verlust der Schmierwirkung. Für uns heißt das: Ab sofort wöchentlich Ölstände in beiden Saildrives kontrollieren und bei gräulicher Farbe mit Geruch – sofort Öl wechseln.

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Einklarieren auf den Bahamas mit Hund – Unsere Erfahrung auf Inagua

Dieser Blogbeitrag ist für andere Segler gedacht, die genau wie wir mit Haustieren in der Karibik unterwegs sind.

Nach dem Lesen einiger Reiseberichte von anderen Seglern haben wir uns dazu entschieden, auf  Inagua  Matthew Town in die Bahamas einzuklarieren. Laut verschiedenen Berichten sollen die Beamten dort besonders freundlich sein und die Insel selbst wie ein kleines, charmantes Dorf wirken.

Rückblickend können wir sagen: Diese Entscheidung war genau richtig.

Vorbereitung: Click2Clear und Dokumente

Um in die Bahamas einzureisen, muss man vorab online ein Formular über Click2Clear ausfüllen:
Bahamas Click2Clear

Dort werden sämtliche Schiffsdaten, Crewangaben sowie Reisedaten eingegeben. Das System ist sehr intuitiv und leicht verständlich gestaltet. Zusätzlich haben wir unser Schiffszertifikat und Kopien unserer Reisepässe hochgeladen, sowie alle wichtigen Dokumente für unseren Hund Piper:

  • das letzte Gesundheitszeugnis eines Tierarztes (bei uns aus Saint Martin)
  • die Heimtierpassseite mit der Chipnummer.

Nach der Validierung der Daten und dem Absenden erhält man eine Rotationsnummer, die später beim Einklarieren bei den Behörden benötigt wird.
Wir haben sicherheitshalber einen Screenshot davon gemacht.

Mit der Rotationsnummer und der Vessel Registration Number kann man seinen Datensatz jederzeit im Netz aufrufen und ändern.

Nach der neuen Gebührenordnung auf den Bahamas von 2025 haben wir folgende Gebühren online über Click2Clear bezahlt: Das Cruising Permit kostet für Sportboote bis maximal 50 Fuß 500 US-Dollar. Zusätzlich fällt eine Ankergebühr von 200 US-Dollar an. Für Hunde werden weitere 10 US-Dollar berechnet. Auf eine Angelerlaubnis für weitere 100 US-Dollar haben wir verzichtet.

Durch den aktuell sehr günstigen Dollarkurs zum Euro haben wir insgesamt etwa 650 Euro für die behördlichen Gebühren bezahlt.

Sonderfall Hund: Permit vom Landwirtschaftsministerium

Für Piper benötigten wir zusätzlich ein spezielles Permit vom Landwirtschaftsministerium der Bahamas. Da wir recht kurzfristig aus Puerto Rico aufgebrochen sind, haben wir hierfür einen Agenten beauftragt, der die Beantragung für uns übernehmen sollte.
Unseren Agenten findet man hier:
https://www.bahamaspetpermit.com

Laut offizieller Webseite dauert die Bearbeitung etwa zwei bis drei Tage und kostet 150 US-Dollar.

Man kann das Permit aber auch direkt beim Landwirtschaftsministerium beantragen. Die Kosten für den Umweg über einen Agenten kann man sich dadurch getrost sparen.

Leider wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ein Foto der Impfungen aus dem EU‑Heimtierausweis nicht ausreicht. Stattdessen benötigt man eine englischsprachige Bestätigung eines Tierarztes, in der sämtliche Impfungen inklusive Datum aufgeführt sind.

Da wir bereits unterwegs waren, stellte uns das vor ein echtes Problem. Wir hatten zwar alle notwendigen Unterlagen – Titer‑Test, Gesundheitsbescheinigung, Impfungen sowie Entwurmungsnachweise – jedoch nur im EU‑Heimtierausweis und nicht separat auf einem A4‑Bogen.

Hier kann man die Seite des Landwirtschaftsministerium und weitere Informationen direkt aufrufen: https://www.bahamas.gov.bs/service/application-for-permit-to-import-domestic-animals

Vordruck auf A4 Seite zur Bestätigung der durchgeführten Impfungen. Herunterladen und vom Tierarzt ausfüllen und unterschreiben lassen. 

Antrag auf Haustierpermit herunterladen, ausfüllen und dem Landwirtschaftsministerium übersenden!

Rettung per WhatsApp

Kathi schrieb kurzerhand unserer letzten Tierärztin auf Saint Martin eine WhatsApp‑Nachricht und fragte, ob sie uns das benötigte Formular ausstellen und per E‑Mail zusenden könne. Da sie Piper zuletzt geimpft und auch die Gesundheitsbescheinigung erstellt hatte, lagen ihr alle relevanten Daten vor.

Zu unserem großen Glück antwortete sie schnell: kein Problem – sie würde uns das Dokument zusenden. In diesem Moment fiel uns ein riesiger Stein vom Herzen.

Da wir jedoch auf dieses Dokument warten mussten, konnten wir unserem Agenten erst am Donnerstag alle Unterlagen übermitteln. Er informierte uns, dass wir das Permit wegen des Wochenendes vermutlich erst am Montag oder Dienstag erhalten würden.

Ankunft ohne Permit – Was tun?

Unsere geplante Ankunft auf Inagua war allerdings bereits am Sonntag, und spätestens am Montag mussten wir uns bei Immigration und Customs anmelden. Also stellte sich die große Frage: Was machen wir mit Piper?

Mike setzte sich an seinen Laptop und schrieb eine E‑Mail u. a. an die Customs auf Inagua. Darin erklärte er, dass alle Unterlagen für Piper bereits eingereicht wurden, das Permit aber noch in Bearbeitung sei. Gleichzeitig baten wir um Einreise unter der Q‑Flagge (Quarantäneflagge) und versicherten, dass Piper so lange an Bord bleiben würde, bis wir das offizielle Permit erhalten.

Kurze Zeit später kam tatsächlich eine Antwort: Alles notiert – gute Anreise!

Wir waren unglaublich erleichtert.

E-Mail Adressen der einzelnen Behörden die angeschrieben wurden

Empfänger: bahfsabahamas@gmail.com
Kopie: inaguacustoms@bahamas.gov.bs, inaguaimmi@bahamas.gov.bs
E-Mail Text an Customs & Co.
Dear Bahamas Department of Agriculture / Customs & Immigration / Veterinary Officer Inagua,

We are currently underway to the Bahamas on our sailing yacht (Lagoon 400 S2, KAMI – MMSI *********, Call Sign *******, registration germany ******** from last port ********. Expected arrival at Inagua Port of Entry: Monday February 9, 2026.

We have one dog, continentalbulldogmix , age 2 years on board. All required health requirements are fully met:

  •     Valid EU Pet Passport with rabies vaccination and other core vaccines up to date.
  •     English Health Certificate 29/01/2026 by licensed vet dr. annaik leerain.
  •     Rabies Titer Test results (positive, compliant with Bahamas standards).

We understand a formal Pet Import Permit is required and sincerely apologize for not obtaining it prior to departure due to our underway status. We have already engaged Mr. Wellington Saunders from Bahamas Pet Permit services to handle the express approval process. We expect to receive the permit Monday or Tuesday.

All documents are ready and have been provided to our agent. Please advise:

  •    Confirmation of permit status or receipt via our agent.
  •    Any immediate steps or local instructions for Inagua clearance.
  •    Contact for Veterinary Officer at Inagua (phone/email).

We commit to full compliance, remaining on board under Q-flag until cleared, and covering any fees. Thank you for your understanding and assistance – safe passage to the Bahamas is our dream!

Kind regards,
Mike Maiwald
Skipper / Owner
Vessel: SV KAMI
Phone: ************** / Email: ********************
Position now: N 19°36.641 W 69°18.480
Crew: ************* and 1 Dog Name ***********


Einklarieren vor Ort

Wie geplant trafen wir am Sonntagvormittag auf Inagua ein und ankerten vor dem Hafen in Matthew Town mit gesetzter Q‑Flagge.

Am Montagmorgen machten wir uns nach dem Frühstück direkt auf den Weg zu Immigration und Customs. Beide Behörden liegen nur etwa zehn Gehminuten vom Hafen entfernt.

Immigration

Zuerst gingen wir zur Immigration. Dort mussten wir ein Formular mit den Schiffsdaten sowie jeweils ein Formular mit unseren persönlichen Daten ausfüllen. Anschließend zahlten wir 40 US‑Dollar und erhielten die Erlaubnis, uns 90 Tage auf den Bahamas aufzuhalten.

Die beiden Beamtinnen waren ausgesprochen freundlich, und die Abwicklung verlief absolut reibungslos.

Customs – der spannende Teil

Danach ging es nebenan zu den Customs.

Auch hier wurden wir sehr freundlich empfangen. Zunächst wollte der Beamte unsere Rotationsnummer von Click2Clear sehen und hatte dadurch direkt Zugriff auf unsere Daten. Anschließend prüfte er unsere Pässe sowie das Schiffszertifikat.

Dann kam Piper zur Sprache. Der Beamte fragte, ob wir das Permit bereits erhalten hätten. Wir mussten leider verneinen. Daraufhin fragte er lediglich, ob wir eine Bestätigung vom Agenten hätten.

Mike hatte zum Glück die Bestätigungsmail unseres Agenten ausgedruckt, die belegte, dass das Permit für Piper beantragt wurde.

Mike übergab ihm die ausgedruckte E‑Mail.

Der Beamte vermerkte im System, dass der Antrag läuft, kopierte die E‑Mail, ergänzte darunter Pipers Rasse und Geschlecht, unterschrieb das Dokument und stempelte es ab. Anschließend druckte er unser Cruising Permit aus und heftete die Bestätigung für Piper einfach mit dazu.

Er erklärte uns, dass wir das Permit später nicht erneut einreichen müssten – wir sollten es lediglich vorzeigen, falls wir kontrolliert werden.

Wir waren begeistert von dieser unkomplizierten und freundlichen Abwicklung und bedankten uns mehrfach.

Happy End

Am Nachmittag erhielten wir schließlich auch das offizielle Permit für Piper von unserem Agenten. Damit waren alle Formalitäten erledigt.

Unser Cruising Permit gilt übrigens für zwölf Monate. Rückblickend finden wir den Preis dafür absolut angemessen, auch wenn er uns anfangs recht hoch erschien.

Unser Fazit

Das Einklarieren auf Inagua können wir absolut empfehlen – besonders für Segler mit Haustieren. Die Beamten waren außergewöhnlich freundlich, hilfsbereit und lösungsorientiert. Trotz unseres fehlenden Permits wurde eine unkomplizierte und pragmatische Lösung gefunden.

Für uns war Inagua nicht nur der Einstieg in die Bahamas, sondern auch ein unglaublich entspannter Start in ein neues Segelrevier.

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