20.06.2023 – 12:00 Uhr UTC
26. Seetag
Etmal: 115 sm
Gesamtsumme: 3147 sm
Wind aus E – SE
Segelstellung: Großsegel voll, Genua voll
Speed über Grund: 5 kn
Am Nachmittag schlägt das Wetter um, und die Sonne lässt sich doch noch blicken. Auch der Wind kehrt zurück und bläst mit 7 bis 12 Knoten. Wir nehmen wieder etwas Fahrt auf und schaffen es tatsächlich, 5 Knoten zu erreichen. Nicht schlecht! Gegen 18 Uhr sehen wir auf der Steuerbordseite, in einem Abstand von etwa einer halben Meile, die ersten Wale. Wir entdecken mehrere „Blas“ (die nach dem Tauchvorgang ausgeatmete Atemluft der Wale) und ab und zu kleinere, graue Rückenflossen. Für Fotos sind die Tiere leider zu weit entfernt. Schade!
Das kurzzeitig gute Wetter haben wir auch genutzt, um zwei Waschmaschinenladungen zu waschen und 280 Liter Trinkwasser zu produzieren. Wer weiß, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen entwickelt.
Aktuell planen wir, im Laufe der nächsten Woche Schottland zu umrunden und dann vom Atlantik in die Nordsee einzubiegen.
Am Abend entdecken wir auf dem Vorschiff eine verbogene Rolle am Genuaschlitten. Wir bauen die Rolle ab und richten die Profile mit einer Rohrzange. Wieder eingesetzt, funktioniert alles wie vorher. Glücklicherweise haben wir die Rolle nicht verloren. In diesem Zusammenhang stellen wir fest, dass viele Blöcke, Umlenkrollen und Klemmen sehr schwergängig sind. Eine Rolle quietscht, eine andere lässt sich gar nicht drehen, da sie fest sitzt. Auch hier warten einige Arbeiten im Heimathafen auf uns. Insgesamt sind wir enttäuscht vom derzeitigen Zustand der segeltechnischen Komponenten. Der Vorbesitzer hat in den letzten Monaten offenbar nicht mehr viel Wartung betrieben.
Die Nacht verläuft ruhig und stressfrei. Mit voller Besegelung läuft die KAMI wieder mit 5 bis 6 Knoten. Die Wellen sind erträglich.
Am Morgen weckt uns die Sonne – endlich mal wieder ein freundlicher Tag. Als wir gegen 9 Uhr die Kartenplotter vom Nacht- in den Tagesmodus umschalten wollen, entdecken wir auf dem Kartenplotter am Steuerstand einen schwarzen Fleck, etwa so groß wie ein Ein-Euro-Stück, in der unteren linken Ecke des Bildschirms. Ist das jetzt der nächste Mangel oder Defekt? Geht eine Atlantiküberquerung so sehr auf das Material? Unglaublich.
Wir machen gerade sehr gute Fahrt und bolzen nach der Kurskorrektur zum nächsten Wegpunkt wieder schräg gegen die Wellen. Im Zeitplan liegen wir derzeit sehr gut. Der Wasserkessel pfeift auf dem Herd – es gibt jetzt eine Tasse Kaffee.
Gestern ist unsere zweite Propangasflasche leer geworden, und wir müssen jetzt mit einer größeren Gasflasche improvisieren, die wir auf den Bahamas gekauft haben. Leider passt sie nicht in das dafür vorgesehene Fach, sodass wir hier etwas basteln müssen.

