23. Etmal 112 Seemeilen

18.06.2023 – 12:00 Uhr UTC

24. Seetag

Etmal: 112 sm (kaum Wind)

Gesamtsumme: 2955 sm


Wind aus S – SW

Segelstellung: Großsegel kompl. gerefft, Genua voll

Speed über Grund: 5 kn

Nach unserem gelangweilten Nachmittag gehen wir mit 7 Knoten Fahrt in die Nacht. Es scheint tatsächlich so, dass wir die meisten Erlebnisse während der Nachtstunden haben – so auch in dieser.

Gegen 21 Uhr lege ich mich in die Koje. Mein Kopf schmerzt etwas, da mir der regelmäßige Schlaf fehlt. Nach etwa einer Stunde werde ich vom Schlagen des Großsegels geweckt. Karsten steht oben am Steuerstand und probiert verschiedene Kurseinstellungen, doch es hilft nichts – Flaute!

Um das Material zu schonen (die Segel schlagen bei Flaute zu stark, wenn eine Böe kommt), beschließen wir, die Segel einzuholen – was wir dann auch unverzüglich im einsetzenden Regen tun. Währenddessen tauchen plötzlich drei Frachtschiffe auf unserem Kartenplotter auf. Den ganzen Tag über hatten wir keine anderen Schiffe gesichtet, und jetzt auf einmal drei gleichzeitig?

Eines der Containerschiffe ruft uns sogar über Funk. Man erkundigt sich, ob bei uns alles in Ordnung sei, da man hier, mitten im Nordatlantik, selten Segelboote sehe. Wir freuen uns über das Interesse des Containerriesen und wünschen uns gegenseitig eine gute Weiterfahrt.

Sebastian hatte uns in seiner letzten E-Mail mindestens vier Flautentage vorhergesagt – Tage mit wenig bis gar keinem Wind. Es gibt derzeit keine besseren Alternativen für uns. Wir entscheiden uns, die Maschine zu starten, um zumindest ein paar Meilen zu machen. Zuvor informieren wir uns noch einmal im Netz über den Dieselverbrauch der verbauten Yanmar-Schiffsdiesel. Bei 1.200 Umdrehungen, was etwa 3 Knoten pro Stunde entspricht, verbrauchen wir ca. 1,6 Liter Diesel. Das würde am Tag etwa 40 Liter Diesel für 72 Seemeilen bedeuten.

Wir stellen den Autopiloten auf 48° Nordost ein und lassen die KAMI unter Maschinenkraft in diese Richtung schieben. Gegen 3 Uhr morgens ertönt plötzlich ein Alarm. Hochgeschreckt vom Piepen lese ich die Meldung „Kurs kann nicht gehalten werden“. Ich gehe nach oben zum Steuerstand und spüre kräftigen Wind. Wie aus dem Nichts bläst es auf einmal mit 23 Knoten. Die Maschine, die fast im Standgas lief, konnte dagegen nicht gegensteuern. Ich öffne die Genua (Vorsegel), und schon nimmt die KAMI wieder Fahrt auf – 4 bis 5 Knoten. Das freut mich, die Maschine kann nun wieder aus.

Als ich danach den Salon betrete, fällt mir eine blinkende rote Anzeige am Schaltpanel auf – Bilgenalarm im Backbordrumpf. Ich eile nach unten und nehme die Bodenplatten hoch. Tatsächlich stehen dort etwa 2 Liter klares Wasser. Wo kommt das denn jetzt wieder her? Das Wasser in der Steuerbordbilge kennen wir ja, aber nun auch im Backbordrumpf? Unverständnis macht sich breit. Wir müssen das im Auge behalten. Kleine Mengen werden von der Automatikpumpe zum Glück schnell abgesaugt.

Zum Frühstück gibt es heute aufgebackene Sonntagsbrötchen, und wir genießen sie. Angetrieben nur von unserem Vorsegel steuern wir weiter auf das nächste Flautengebiet zu. Es zieht sich sehr im Moment … wir schaffen nur kleine Etmale.

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