Wir nutzen die Zeit während des außerplanmäßigen Hafenstopps in Cuxhaven für „Alltagsdinge“ an Bord und kleinere Arbeiten. Ich nehme mir den Wassermacher vor, den ich über den Winter stillgelegt hatte (mit Desinfektionslösung gespült und den Vorfilter ausgebaut). Das Vorfiltersystem spüle ich 15 Minuten lang mit Frischwasser und setze anschließend eine neue Vorfilterkartusche ein. Die Kartusche, beziehungsweise der Sediment-Vorfilter, ist mit einer Filtrationsrate von 5 Mikron ideal für Haushaltswasseranwendungen. Sie filtert die gröbsten Verunreinigungen aus dem Seewasser, bevor das so gereinigte Wasser durch die vier Hochdruckmembranen gepresst wird. Heraus kommt dann fast steriles Wasser – etwa 100 Liter pro Stunde. Hier im Hafen werden wir unsere beiden 300-Liter-Frischwassertanks mit Trinkwasser aus der Stegzapfstelle auffüllen, bevor es weitergeht. Das Wasser der Nordsee und auch im Englischen Kanal ist so stark verschmutzt, dass wir den Wassermacher dort möglichst nicht in Betrieb nehmen möchten. Während der Blauwasserfahrt auf dem Atlantik hat ein Sediment-Vorfilter eine Lebensdauer von etwa drei Monaten. Müssten wir ihn jedoch in der Nordsee verwenden, könnten wir den Vorfilter wohl schon nach zwei Durchläufen erneuern.
Gestern prüfte ich die Motorräume und die Bilgen. Alles ist trocken! Sehr schön, so soll es sein. Mit einer gebogenen Nadel versuche ich, den kleinen Läufer vor der Küchenzeile an den Ecken an der darunterliegenden Auslegware festzunähen. Im Moment verrutscht er ständig, und mit der Zeit wird das ständige Anheben und Geradeziehen des Läufers ziemlich nervig.
Der Hafen füllt sich inzwischen, und wir treffen immer häufiger andere TO-Segler, die ebenfalls gerne weiter möchten. Bei diesen Begegnungen schnacken wir über Themen wie Orca-Abwehr, Windvorhersagen und Co. Am Nachmittag läuft eine Segelyacht mit karibischer Flagge und russischsprachigen Crewmitgliedern ein. Abends sehen wir zwei Polizisten in Richtung des festgemachten Schiffs gehen. Offenbar ist man hier im Hafen besonders sensibilisiert, wenn es um „ungewöhnliche“ Schiffs- und Crewkonstellationen geht.
Am Samstagvormittag rufen wir uns ein Taxi und lassen uns zum nächstgelegenen Baumarkt fahren. Wir brauchen dringend eine Aufstiegshilfe für unsere hohe Bordwand. Das Hoch- und Herunterhieven von Piper ist schon etwas tricky, und schwere Einkäufe an Bord zu bringen, ist zwar sportlich, aber auf Dauer anstrengend. Im Baumarkt entdecken wir eine kleine Aluminiumleiter, die Kathi sofort ins Auge fällt. Ja, die soll es sein! Sie reicht zwar nicht ganz bis nach oben an Deck, erleichtert uns das Übersteigen aber enorm. Und da sie so schön schmal ist, passt sie auch noch gut ins Vorpiek zum verstauen.

Die aktuelle Windprognose ist bis kommenden Samstag leider nicht wirklich passend. Eine Weiterfahrt am Samstag ist wahrscheinlich – aber das kann sich natürlich auch kurzfristig wieder ändern. Heute (Sonntag) sollte es eigentlich den ganzen Tag regnen. Tatsächlich ist das Wetter durchwachsen, und die Sonne lässt sich ab und zu blicken. Erst ab 15.30 Uhr setzt der Regen ein und soll bis in die kommende Nacht anhalten.
Kathi will morgen versuchen, den Hafenmeister auf Helgoland telefonisch zu erreichen. Von anderen Seglern haben wir gehört, dass es während der Ferien auf Helgoland kaum freie Liegeplätze gibt – der Hafen ist stets überfüllt, und kleinere Segelboote müssen dort in „Päckchen“ liegen. Sollte für uns kein Liegeplatz verfügbar sein, werden wir Helgoland auf unserer Route wohl überspringen müssen.
Mit der außerplanmäßigen Einfahrt in Cuxhaven wurde uns bewusst:
„Wenn der Plan nicht funktioniert, dann ändere den Plan. Aber niemals das Ziel!“
Wir halten euch auf dem Laufenden …
