
Es ist früher Nachmittag, als wir mit dem letzten Energieschub Madeira erreichen. Wir steuern die Marina „Quinta do Lorde“ im Osten der Insel an. Kurz vor dem Eintreffen funken wir die Marina an und bitten um Zuweisung eines Liegeplatzes sowie um einen Pick-up am Hafeneingang. Wir sollen einfahren und Kurs auf den Steg „D“ nehmen. Wir biegen in den Hafen ein und sehen in der Mitte drei Marineros in hellblauen Poloshirts, die uns aufgeregt zuwinken. Mit ordentlich Seitenwind machen wir am Schwimmsteg fest. Vertäut geht es schnurstracks zum Marinabüro. Dort sitzen zwei Damen, die uns freundlich empfangen. Wir klarieren für zehn Tage ein, mieten für den nächsten Tag einen Kleinwagen und fragen nach technischem Support für unsere Funkanlage. Wir bekommen eine Visitenkarte von „Oliver“, den wir direkt im Anschluss per WhatsApp kontaktieren. Er will uns am Donnerstag besuchen.


Wir erkunden den Hafen, der inmitten einer großen Ferienanlage liegt. Das „Dreams“ wurde vor kurzem von Hyatt übernommen. Besonders die kleine Bar an der Hafenmole zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein kurzer Stopp entpuppt sich leider als Flop: Die Getränke sind eher mittelmäßig, der Burger mit Pommes fast ungenießbar – enttäuschend. Ein kleiner Eisladen daneben bietet Kugeln für 2,50 € an. Wir versuchen es – alle Sorten schmecken gleich: künstlich und süß. Hm.
Oliver besucht uns im Hafen von Quinta do Lorde und misst als Erstes die Signalstärke unserer VHF-Antenne. Die Messergebnisse sind gut, alle Stecker sind in Ordnung und es gibt keine Korrosion. Einen Fehler an unserer Funk- oder AIS-Anlage kann er nicht finden – eigenartig. Nach anderthalb Stunden brechen wir die Fehlersuche ab. Wir fragen, was wir ihm für seine Hilfe zahlen dürfen. Oliver ist es offenbar unangenehm, trotz erfolgloser Fehlersuche ein Honorar zu verlangen. Schließlich nennt er 50 Euro. Das finden wir mehr als fair. Zwei Tage später kommt Christian von der SY Fuchur zu uns an den Steg und berichtet von exakt denselben Problemen auf seinem Segelboot: Auch er hat AIS-Ausfälle und gelegentlich Schwierigkeiten mit der Funkverbindung. Das kann doch kein Zufall sein! Vielleicht liegt ja gar kein technischer Defekt vor? Wir sind ratlos.
Wir bemerken, dass wir uns den Steg „D“ mit Tagesausflüglern der örtlichen Tauchbasis sowie der Delfin- und Walbeobachtungsstation teilen müssen. Mehrmals am Tag, ab 9 Uhr morgens, hasten bis zu 20 Gäste über den Steg und springen in die Schlauchboote. Das zieht sich bis in den späten Nachmittag. Piper, natürlich wachsam, ist ständig am Bellen. Die Angestellten der Tauchbasis interagieren immer wieder mit ihr, rufen und streicheln sie durch den Seezaun.
Am nächsten Tag wird uns ganz unkompliziert der Mietwagen direkt am Steg übergeben. Im Hafen liegen zwei weitere Segelboote unseres Vereins (TransOcean). Die Crew der „Fuchur“ schreibt uns via WhatsApp und begrüßt uns, die Crew der „Hyperion“ kommt direkt vorbei und sucht das Gespräch. Es ergeben sich schnell nette Kontakte, und wir beschließen, am Abend mit Silke und Peter von der Hyperion in einer 16 km entfernten, von Einheimischen empfohlenen Gaststätte zu essen. Dort soll es die traditionellen Fleischspieße geben, die am Tisch aufgehängt werden. Mitten in den Bergen finden wir das Lokal. Der erste Hinweis: „Hunde nicht erlaubt“. Nach langem Diskutieren mit dem Wirt und Unterstützung durch die sprachgewandte Silke dürfen wir Piper doch mitnehmen. Es wird ein schöner Abend, den wir genießen.
Am nächsten Tag rücken wir der Salzkruste zu Leibe, die sich während der Überfahrt wie ein Schleier um das Schiff gelegt hat. Nach drei Stunden glänzt die KAMI wieder und die Spuren der Offshore-Passage sind beseitigt. Mit unseren 25-Liter-Kanistern fahren wir zu einer nahegelegenen Tankstelle und füllen die Dieselvorräte auf – insgesamt lagern wir Treibstoff für knapp 700 Euro ein. Die Tour zur Tankstelle machen wir zweimal.
Quinta do Lorde liegt sehr abgelegen. Für die Fahrt nach Funchal, der Hauptstadt, benötigen wir etwa 30 Minuten. In der Hauptstadt suchen wir zunächst eine Decathlon-Filiale. Auch hier sind Hunde nicht erlaubt, wir tricksen und setzen Piper in den Einkaufswagen – so lässt man uns gewähren. Wir kaufen eine Fitnessmatte und zwei Angelköder und besuchen anschließend ein Anglergeschäft. Dort finden wir eine Multirolle für die Trollingangel.


Weiter geht es nach Machico. Dort gibt es ein Restaurant namens „Munchis“. Auch auf Bermuda gab es einst einen Imbiss namens „Munchi“. Die Burger dort waren richtig lecker – 2023 war ich mit Karsten Stammgast. Das Munchi hier auf Madeira muss also auch getestet werden. Wir werden herzlich empfangen und draußen mit Piper bewirtet. Getränke und Essen schmecken super. Wir sind begeistert und nehmen uns vor, wiederzukommen.



Leider ist die Waschmaschine im Hafen kaputt und der Waschraum riecht unangenehm. Also organisieren wir in Funchal einen Laundry-Service, wo unsere Bettwäsche und Handtücher für 18 Euro express gewaschen werden. Die Wartezeit verbringen wir in einer kleinen Bar an der Küste. Der Chef spricht ein paar Brocken Deutsch, kommt aus Brasilien und lebt mit seiner „Schmetterling“ – wie er seine Partnerin liebevoll nennt – auf Madeira. Wir unterhalten uns bei einem Mojito fast eine Stunde mit ihm. Im Hintergrund läuft chillige Musik. Wir fragen danach und bekommen den Link zur Spotify-Playlist. Genau unser Ding: smooth und entspannt – schön.

Am Wochenende nutzen wir die Zeit und starten Teams-Meetings mit Lea und Madeleine. Schön, mal wieder etwas aus der Heimat zu hören. Tagsüber arbeitet Kathi an ihrem Ausbildungshandbuch für Brandschutzhelfer und möchte eine gebundene Ausgabe für die Schulungsteilnehmer erstellen. Mike erledigt kleinere Reparaturen am Schiff. So vergeht die Zeit im Hafen und auf der Insel wie im Flug.
Das Wetter auf Madeira ist sehr wechselhaft: Morgens scheint die Sonne, mittags stürmt der Wind und nachmittags gibt es Regen. Mit dem Mietwagen sind wir unterwegs und suchen einen Strand, wo Piper ins Wasser kann. Leider ist das fast unmöglich – alle öffentlichen Strände mit Eintritt sind während der Saison für Hunde tabu. Ärgerlich. Wir finden einen kleinen, steinigen Strandabschnitt abseits, wo einige Surfer unterwegs sind. Nicht gerade einladend, aber zum kurzen Baden reicht es. Piper genießt es, wir auch – bis uns eine größere Welle bis zur Hüfte erwischt. Wir stehen in nassen Sachen da. Mist! Schnell aufs Schiff und umgezogen.







Abends fahren wir ohne Piper nach Canical in ein abgelegenes Restaurant mit guter Tripadvisor-Bewertung. Der Kellner ist nett, aber das Essen überzeugt uns nicht. Hier zeigt sich wieder, wie unterschiedlich Meinungen und Geschmäcker sein können.
In Funchal besuchen wir einen Obst- und Gemüseladen. Der Verkäufer spricht Deutsch und erklärt die tropischen Früchte in der Auslage. Wir nehmen drei verschiedene Drachenfrüchte und eine Monstera-Frucht mit. Zum Frühstück wollen wir probieren – nur eine der drei Drachenfrüchte schmeckt uns richtig gut. Die Monstera erinnert an eine Mischung aus Banane und Ananas, die Konsistenz ist eher breiig.








Unsere Suche nach einem schönen Sandstrand endet in Funchal, in der Nähe des Madeira Forum. Laut Internet sind dort Hunde erlaubt – das wollen wir sofort ausprobieren. Wie im B5-Center in Dallgow sind auch hier die Shops über Außenbereiche zugänglich. Leider dürfen wir mit Hund die meisten Geschäfte nicht betreten. Also ein Reinfall! Schade!
Über den „schönen Sandstrand“ (Ironie aus) freut sich immerhin Piper – und eins steht fest: Unser nächster Halt auf den Kanaren wird von der Aussicht auf „weißen, feinkörnigen Sand“ abhängig gemacht.



Am vorletzten Abend bekommen wir auf der KAMI spätabends unerwarteten Besuch: Mike entdeckt im Salon auf der Lehne ein Krabbeltier spazieren. Zuerst denken wir an eine Eidechse (davon gibt es hier ja unzählige), doch der Besucher entpuppt sich als riesige Schabe. Wie vom Blitz getroffen springen wir auf, schalten das Licht an und greifen nach der elektronischen Fliegenfalle (die aussieht wie ein Tennisschläger).
Nach mehreren wilden Sprüngen durch den Salon landet die afrikanische Kakerlake schließlich unter der Fliegenfalle. Mit Hilfe einer Küchenrolle fliegt sie im hohen Bogen über die Reling ins Freie. Wie eklig!
Natürlich googeln wir sofort – und finden Schlagzeilen wie „Madeira, Hochburg der Schaben“ oder „Kakerlakenplage in Portugal“. Kathi ekelt sich so sehr, dass sie direkt einen Herpesausschlag bekommt. Die Nacht ist unruhig, und am nächsten Morgen wird das gesamte Schiff auf den Kopf gestellt. Zum Glück finden wir keine Nester, Eier oder weitere Tiere. Gott sei Dank! Hoffentlich war es nur eine einzelne nächtliche Besucherin, die über eine Festmacherleine an Bord gelangt ist. Wachsam bleiben wir jedenfalls und behalten unsere Vorräte gut im Auge.
Am letzten Abend sind wir bei Silke und Peter auf ihrer Hyperion eingeladen. Bei einer Flasche Roséwein philosophieren wir über die nächsten Reisepläne. Auch die Crew der Hyperion möchte Ende des Jahres den Sprung über den Atlantik in die Karibik wagen. Im Gegensatz zu uns wollen sie jedoch noch einige Wochen auf Madeira bleiben. Für uns wäre das keine Option – wir vermissen schlicht die schönen Strände und wünschen uns noch ein paar Grad wärmere Temperaturen.
Madeira ist abgehakt. Man kann die Insel besuchen – muss man aber nicht unbedingt. Für Liebhaber von Blumen, Pflanzen und steilen Bergen sicherlich eine Bereicherung.
Go to Canary Islands (Lanzarote 270 sm) … erstes Ziel: Playa Francesa auf La Graciosa

