06.07.2023 – 12:00 Uhr MEZ
42. Seetag
Etmal: 40 sm
Gesamtsumme: 5192 sm
Wind aus SW
Segelstellung: Genua voll – Groß unten
Speed über Grund: 6 kn
In den frühen Nachmittagsstunden bricht die Hölle über Helgoland herein. So starke Windböen donnern über die Insel, dass einer unserer Fender platzt und die Planenverkleidung im Cockpit einreißt. Die ausgebrachten Fender werden so stark eingequetscht, dass wir kaum hoffen können, dass der Rumpf unbeschädigt bleibt.

Das Segelboot vor uns legt sich fast auf den Steg, und ständig rutschen ihm die Fender weg. Das Holz der Scheuerleiste bricht und splittert. Fast alle Segler sind jetzt in Regenkleidung auf dem Steg und packen überall mit an, wo Hilfe gebraucht wird. Ein unglaublich schönes Gefühl – dieser Zusammenhalt. Jeder spricht dem anderen Mut zu, und wir verbünden uns, als wären wir eine Familie. Wirklich toll! Diese Momente werden wir wohl nie vergessen!

Als sich das Wetter dann zum Abend hin beruhigt, entscheiden wir uns, noch rasch eine Kleinigkeit zu essen, und gehen in der Nähe des Hafens zu einem Italiener (der von Russen geführt wird). Wir verputzen eine Portion Nudeln und eilen zurück an Bord. Nicht viel später trifft die zweite Sturmwelle auf Helgoland ein. Wir sitzen im Salon und sind bereit – bereit für das, was kommen soll. Vorhergesagt sind Orkanspitzen über 130 km/h. Der Wind hat weiter gedreht, was uns am Steg sehr zugutekommt. Komischerweise liegen wir jetzt ruhiger als am Nachmittag im Wind. Während der Sturm über die Insel fegt, schlafen wir beide völlig erschöpft im Salon ein. Ich wache erst gegen 4 Uhr morgens wieder auf und bin ganz irritiert. Ich wecke Karsten, denn wir wollen doch weiter. Schnell noch einen Kaffee, und gegen 5 Uhr verlassen wir Helgoland und segeln nur mit der Genua in Richtung Cuxhaven.
Am späten Nachmittag müssten wir über die Elbe den Eingang zum NOK erreichen. Wir hoffen, dass wir dann noch einschleusen können.
