KAMI bleibt zurück – wir gehen auf Entdeckungstour

Wir sind jetzt schon eineinhalb Monate am Rio Dulce und es wird Zeit für uns, mal ein wenig auszubrechen und das Land – zumindest einen Teil davon – zu erkunden. Guatemala ist mit seinen 109.021 Quadratkilometern so riesig, dass man sich im Vorfeld natürlich Gedanken machen muss, was man vom Land überhaupt sehen möchte. Und da wir ja mit Piper unterwegs sind, sind Dschungel- oder Vulkantouren über mehrere Tage für uns nicht möglich.

Also haben wir Erfahrungsberichte gelesen und uns für eine Tour nach Guatemala City entschieden, um mal wieder ein wenig shoppen zu gehen, denn gefühlt tragen wir seit einem Jahr dieselben Klamotten … grins. Danach soll es weiter nach Antigua und von dort aus zum Atitlánsee gehen. Für Guatemala City haben wir eine Woche eingeplant, da hier noch ein Tierarztbesuch mit Piper ansteht, für Antigua ebenfalls eine Woche und anschließend drei Nächte am Atitlánsee. Was sich im Laufe der Reise an Land als eher suboptimale Planung herausstellen sollte. Aber dazu später mehr.

Wir haben uns bei Taxi Richard hier am Rio Dulce ein Auto für einen Monat gemietet. Der Preis ist mit 450 Quetzales, umgerechnet 51,50 €, pro Tag wirklich nicht günstig. Die Alternative wäre gewesen, in Guatemala City am Flughafen einen Mietwagen zu nehmen. Dieser hätte uns nur 241 Quetzales, also etwa 27,60 €, pro Tag gekostet. Das Problem dabei: Wir müssen erst einmal nach Guatemala City kommen. Die örtlichen Busse vom Rio Dulce nach Guatemala City nehmen keine Tiere mit. Mit Piper fällt diese Möglichkeit also direkt aus. Es bliebe nur ein Taxi – und dafür hätten wir knapp 300 € pro Strecke bezahlt, hin und zurück also ungefähr 600 €. Unterm Strich wäre die Variante mit Mietwagen ab Guatemala City zwar etwa 119 € günstiger gewesen, aber mit Piper und unserem Gepäck für drei Wochen wesentlich umständlicher. Also entscheiden wir uns für die komfortablere Variante und nehmen den Mietwagen direkt hier vor Ort.

Am 01.07. übernehmen wir um 8 Uhr unseren Toyota RAV4 in einem Restaurant (Cafe Brunos) am Rio Dulce. Mit Richard klappt alles super. Am Nachmittag fangen wir an, das Auto mit sämtlichen Utensilien zu beladen: Reisetaschen, Sitz für Piper und ein bisschen Proviant für die Fahrt.

Da wir für unser Dinghy ein neues Cover machen lassen wollen und mit Hugo, dem ansässigen „Dinghy Doctor“, bereits Farbe und Preis verhandelt haben, kommt Mike auf die Idee, das direkt miteinander zu verbinden. Am Morgen des 02.07. bringen wir unser Dinghy zu Hugo. Der Mietwagen steht gleich im Restaurant nebenan und wenn wir von unserer Tour zurückkommen, holen wir unser Dinghy einfach mit seinem neuen Cover wieder ab. So sparen wir uns das Wassertaxi und müssen auch während der Woche, in der Hugo unser Cover anfertigt, nicht mit seiner Lancha fahren. Zumindest ist das der Plan.

Gesagt, getan. Wir verlassen am 02.07. unsere KAMI, machen alles dicht, bringen das Dinghy zu Hugo und dann kann unser kleines Guatemala-Abenteuer beginnen.

Guatemala City – drei Fahrspuren, vier Autos und wir mittendrin

Die Fahrt nach Guatemala City läuft wirklich erstaunlich gut. Wir haben kaum Stau und benötigen für die rund 200 Kilometer etwa sechs Stunden. Zwischendurch legen wir noch einen Stopp in einem kleinen Café ein und dann geht es hinein ins Großstadtgewimmel.

Und Großstadtgewimmel trifft es wirklich. Der Verkehr erinnert uns ein bisschen an Paris: drei Fahrspuren und irgendwie fahren trotzdem vier Autos nebeneinander. Überall schießen Motorräder zwischen den Fahrzeugen hindurch. Nach so langer Zeit auf dem Boot und in den ruhigen Buchten der Inseln ist das für uns erst einmal wieder ein kleiner Kulturschock. Mike gewöhnt sich allerdings erstaunlich schnell an den Verkehr und die teilweise abenteuerlichen Fahrweisen und passt sich den Gegebenheiten an. Ich würde am Steuer wahrscheinlich innerhalb der ersten zehn Minuten durchdrehen.

Gegen 14:30 Uhr erreichen wir das große Gebäude an der Avenida Las Américas, in dem wir unser erstes Airbnb gemietet haben. Alles ist bewacht und mit Security gesichert und Kathi muss erst einmal herausfinden, wie sie überhaupt in das Gebäude hineinkommt. Eine nette Dame an einem Empfangstresen öffnet ihr schließlich die Tür und fragt nach unseren Pässen. Danach bringt sie Kathi zu einem Bereich mit unzähligen Schlüsseltresoren. Mithilfe der Anweisungen in der Airbnb-App kann Kathi den richtigen Tresor öffnen und die Schlüsselkarte entnehmen.

Hier kommt man wirklich nur ins Gebäude, wenn sowohl das Fahrzeug als auch die Personen vorher angemeldet wurden. Auch Besucher müssen registriert werden, sonst erhalten sie keinen Zutritt. Für uns erst einmal ziemlich ungewöhnlich. Unser Apartment ist dafür wirklich schön – genauso wie auf den Fotos. Wir fühlen uns sofort wohl und freuen uns auf die erste Nacht in einem großen Bett und vor allem: ohne das Schaukeln der KAMI.

Direkt neben unserem Gebäude befindet sich ein kleines Einkaufszentrum mit Supermarkt und mehreren Restaurants. Sehr praktisch. Wir packen erst einmal ein paar Sachen aus und gehen anschließend mit Piper die Umgebung erkunden. Der Spaziergang dauert gefühlt eine Ewigkeit, da Piper an wirklich jeder Ecke stehen bleibt und schnüffelt. Wir glauben, dass auch sie es genießt, mal wieder ein bisschen Stadtleben zu erleben. Und die Temperaturen von rund 25 Grad sind für uns drei ebenfalls sehr angenehm. Kathi zieht sich direkt ihre Jeansjacke über, worüber Mike sich natürlich sofort lustig macht. Aber wenn man seit Wochen konstant 35 Grad gewohnt ist, fühlen sich zehn Grad weniger tatsächlich fast wie Winter an … grins.

Nach einer langen Gassirunde bringen wir Piper völlig erledigt zurück ins Apartment und gehen erst einmal einkaufen: Lebensmittel, Getränke und natürlich Kaffee. Abends machen wir es uns zu dritt auf der Couch gemütlich und schauen einen Film. Lange halten wir allerdings nicht durch. Der Tag war doch ganz schön anstrengend.

Die nächsten Tage verbringen wir mit regelrechten Marathonläufen durch zwei große Einkaufszentren – Piper natürlich immer mit dabei. Guatemala ist wirklich sehr hundefreundlich und sie ist in erstaunlich vielen Geschäften willkommen. Die erste Mall ist Oakland Place Guatemala mit rund 274.000 Quadratmetern und die zweite die Miraflores Mall mit etwa 62.000 Quadratmetern. Leider ist es bei solchen Einkaufszentren meistens so, dass man kaum landestypische Geschäfte findet. Stattdessen gibt es H&M, Bershka und viele andere Läden, die man bereits aus Europa kennt. Aber natürlich finden wir trotzdem die eine oder andere Sache und der Kofferraum wird immer voller … grins.

Kathi entdeckt in der Nähe unseres Airbnbs außerdem ein großes Tierfachgeschäft. Natürlich gehen wir nicht mit leeren Händen wieder heraus. Für Piper gibt es Leckerlis, eine neue Leine mit Geschirr und ein paar Spielsachen. In einem Käfig sitzt dort auch ein kleiner Havaneser – zumindest glauben wir, dass es einer ist. Er schaut so traurig aus, dass man ihn am liebsten sofort mitnehmen würde. Für 8.200 Quetzales, knapp 940 €, könnte man ihn kaufen. Für uns natürlich keine Option, denn unsere Reise ist mit einem Hund schon kompliziert genug. Trotzdem ist es wirklich traurig mit anzusehen.

Auch Pipers Tierarztbesuch steht noch an. Kathi hat bereits vom Rio Dulce aus mit der Ärztin über WhatsApp geschrieben und eine Zahnkontrolle sowie eine Zahnreinigung vereinbart. Da diese Untersuchung unter Vollnarkose erfolgt, muss natürlich alles genau geplant werden. Piper hatte in Deutschland bereits eine Wurzelresektion und Probleme mit ihrem linken Reißzahn. Deshalb möchten wir lieber noch einmal kontrollieren lassen, ob alles in Ordnung ist.

Die Ärztin empfängt uns wirklich sehr herzlich und auch die Mitarbeiterinnen in der Praxis sind unglaublich freundlich. Dadurch haben wir zumindest ein gutes Gefühl dabei, Piper dortzulassen. Trotzdem ist einem schon etwas mulmig. In einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, seinen Hund abzugeben und zu wissen, dass eine Vollnarkose gemacht wird, die natürlich immer gewisse Risiken mit sich bringt, fühlt sich einfach komisch an. Doch das Team der Anima Clinica Veterinaria gibt uns wirklich ein gutes Gefühl. Nach etwa vier Stunden können wir Piper wieder abholen und es geht ihr soweit gut. Sie ist natürlich noch etwas benommen, aber das lässt zum Glück schnell nach.

Wir besuchen während unserer Zeit in Guatemala City auch einige Restaurants – manche besser, manche eher durchschnittlich. Aber alles in allem kann man sagen, dass man in der City wirklich fast alles bekommt. Die Preise sind etwas höher als am Rio Dulce, aber das war uns vorher schon klar. Die Woche vergeht wie im Flug und unsere Schrittzähler spielen inzwischen völlig verrückt. So viel sind wir schon lange nicht mehr gelaufen.

Antigua – wunderschön, bunt und ein Hotel nur für eine Nacht

Am 09.07. machen wir uns auf den Weg in das etwa zwei Stunden entfernte Antigua und freuen uns wieder auf eine etwas ruhigere Umgebung. Schon die Fahrt dorthin durch die vielen Serpentinen ist spektakulär. Landschaftlich ist Guatemala wirklich wunderschön – wenn man über den ganzen Müll am Straßenrand hinwegsehen kann.

Antigua Guatemala gehört definitiv zu den Städten, die man in Guatemala gesehen haben sollte. Die Stadt liegt auf rund 1.500 Metern Höhe, ungefähr 40 Kilometer von Guatemala-Stadt entfernt, und ist von den Vulkanen Agua, Fuego und Acatenango umgeben. Antigua war früher die Hauptstadt der spanischen Kolonie in Guatemala. Nach schweren Erdbeben im Jahr 1773 wurde die Hauptstadt in das heutige Guatemala-Stadt verlegt. Viele Kirchen, Klöster und Gebäude blieben als Ruinen erhalten – und genau das macht heute einen großen Teil des besonderen Charmes der Stadt aus. Seit 1979 gehört Antigua zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Innenstadt ist wunderschön: Kopfsteinpflaster, farbenfrohe Kolonialhäuser, kleine Innenhöfe, alte Kirchen und Klosterruinen. Dazu kommen unglaublich viele hübsche Cafés, Restaurants, kleine Boutiquen, Kunsthandwerksläden und Rooftop-Bars. Fast alles lässt sich zu Fuß erkunden.

Wir suchen unser kleines Hotel, in dem wir ebenfalls über Airbnb ein Zimmer gemietet haben. Das Casa Donya ist ein kleines, charmantes Boutique-Hotel mitten im historischen Zentrum von Antigua. Besonders schön ist der grüne Garten mit eigenem Café, in dem morgens auch das Frühstück serviert wird. Zum Hotel gehört außerdem ein kleiner Recovery-Spa-Bereich mit Cold Plunge und traditionellem Temazcal. Bei einer Übernachtung sind Frühstück und eine einstündige Spa-Session bereits inklusive.

Als wir ankommen, sind wir wirklich begeistert von dem schönen Garten und dem kleinen Café. Alles ist liebevoll dekoriert und wir setzen uns erst einmal hin, um etwas zu trinken. Danach geht es zum Check-in. Wir bekommen eine kurze Einführung und ein junger Mann begleitet uns zu unserem Zimmer.

Wir gehen auf ein Gebäude zu, vor dessen Eingang ein Fernseher hängt. Zwei Mitarbeiter sitzen davor und schauen Fußball. Im Eingangsbereich befindet sich auf der einen Seite eine Couch mit einem kleinen Bücherregal und auf der anderen Seite eine Art Lagerbereich mit Kartons, Stühlen und Gartenbedarf. Hmm … nicht besonders einladend.

Dann betreten wir unser Zimmer und sind sprachlos. Leider nicht vor Begeisterung. Ein kahler Raum mit einem Bett und einem erhöhten, tresenartigen Tisch mit einem Hocker. Kein Schrank, und keine vernünftige Sitzgelegenheit. Auch Dusche und Toilette wirken leider genauso lieblos. Zum Glück haben wir unser Gepäck noch im Auto gelassen.

Also beschließen wir erst einmal, in die Stadt zu gehen und etwas zu essen. Im veganen Restaurant, das wir uns aussuchen, wird Piper direkt von zwei größeren Hunden angegangen. Mike stellt sich schützend vor sie – unser großer Wachhund Piper … grins. Die Besitzerin kommt sofort angerannt, nimmt die beiden Hunde weg und sperrt sie in ihr Büro. Erster Schreck verdaut. Nichts passiert, allen geht es gut.

Und dann sitzen wir auch noch in einem veganen Restaurant. Wer Mike kennt, weiß, dass wir damit eigentlich schon komplett falsch abgebogen sind. Aber auf der Karte entdecken wir Tortellini mit Spinat und Rucola und Kathi kann Mike überzeugen. Schließlich haben wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Und tatsächlich: Es ist richtig lecker.

Während wir essen, schaut Mike Kathi an und sagt: „Da können wir nicht bleiben.“

Kathi schaut ihn an: „Wo?“

„Na, in dem Hotel. Für eine Nacht okay. Aber doch nicht für eine Woche.“

Und er hat recht. Wir arbeiten auch unterwegs und brauchen zumindest eine halbwegs vernünftige Möglichkeit, am Laptop zu sitzen, ohne danach einen Bandscheibenvorfall zu haben. Kathi stimmt zu: „Ja, das Zimmer ist wirklich ungemütlich.“

Also suchen wir kurzerhand auf Airbnb eine neue Unterkunft. Diesmal kein Hotel, sondern wieder ein Apartment mit Küche und Wohnzimmer. Mit Hund und Arbeit für uns einfach praktischer. Wir buchen direkt und fahren los. Das Apartment ist niedlich und hat genau das, was wir brauchen. Kathi kann das andere Zimmer zum Glück noch stornieren und bekommt immerhin ein Viertel des Preises zurück. Als wir am Abend den Schlüssel zurückgeben, schaut uns der Portier etwas fragend an. Kathi erklärt ihm, dass das Zimmer für uns einfach nicht passt.

Unser neues Apartment haben wir bis zum 16.07. gemietet. Es liegt nah am Stadtzentrum – wobei Antigua ohnehin nicht besonders groß ist.

Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt und Kathi rennt natürlich in so ziemlich jedes Geschäft, das sie finden kann. Handgemachte Figuren, Schmuck, Kleidung, Deko – genau das wollte sie sehen.

Es gibt außerdem unzählige Restaurants. In einem entdecken wir sogar Mikes Lieblingsessen: Steak Tatar. Dort landen wir dann natürlich gleich mehrmals. Viele schöne Cafés, bunte Gassen, wunderschöne Kirchen und Torbögen – Antigua ist wirklich ein malerisches kleines Städtchen.

Durch die Temperaturunterschiede erwischt Kathi leider eine Erkältung und sie verbringt zwei Tage mehr oder weniger im Bett. Zum Glück ist sie zu unserer geplanten Quad-Tour wieder einigermaßen fit. Wir fahren in einer kleinen Gruppe mit dem Quad zunächst zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man über die gesamte Stadt schauen kann. Danach geht es auf eine Kaffeeplantage. Unser Guide erklärt uns dort, wie der Kaffee angebaut und verarbeitet wird. Wirklich interessant.

Er erzählt uns auch, dass es früher in Guatemala kaum Milch gab und viele Guatemalteken Milch bzw. Laktose nicht gut vertragen. Wir hatten uns schon am Rio Dulce immer gewundert, warum wir so häufig gefragt werden, ob wir normale oder laktosefreie Milch möchten. Jetzt wissen wir es. Der Ausflug ist wirklich schön und unser Guide sehr nett.

Ansonsten erkunden wir Antigua größtenteils zu Fuß. Unter anderem besuchen wir die Ermita de San Jerónimo, eine wunderschöne kleine Ruinenanlage mit grünen Gärten, alten Mauern und einem Brunnen. Dadurch wirkt sie fast wie ein kleiner Park mitten in Antigua. Ursprünglich sollte hier tatsächlich eine Schule bzw. ein Studienhaus entstehen. Die Mercedarier begannen 1739 mit dem Colegio de San Jerónimo, das 1757 fertiggestellt wurde. Da jedoch die notwendige königliche Genehmigung fehlte, durfte das Kolleg nicht dauerhaft als solches betrieben werden. Ab 1765 wurde die Anlage unter anderem als königliches Zollhaus, die Real Aduana, genutzt. Beim großen Erdbeben von 1773 wurde sie stark zerstört. Heute sind noch Teile des ursprünglichen Klosters bzw. Kollegs, die Kapelle und der zentrale Brunnen erhalten. Gerade die Kombination aus Ruinen, Blumen, Rasenflächen und Vulkanblick macht den Ort zu einem wunderschönen und ruhigen Zwischenstopp.

Auch der Parque Central gehört natürlich dazu. Er ist das lebendige Herz von Antigua Guatemala. Umgeben von farbenfrohen Kolonialgebäuden, der Kathedrale und dem historischen Rathaus lädt der grüne Platz mit seinen schattigen Bäumen und Bänken zum Verweilen und Beobachten des bunten Treibens ein. In der Mitte steht die berühmte Fuente de las Sirenas, der Meerjungfrauenbrunnen aus dem 18. Jahrhundert. Ein schöner Ort, um kurz zur Ruhe zu kommen und die besondere Atmosphäre Antiguas auf sich wirken zu lassen. Rund um den Platz stehen viele Einheimische mit kleinen Ständen und bieten ihre Handwerkskunst an.

Die Kirche Iglesia Santo Hermano Pedro de San José de Betancur gehört zum Santuario de San Francisco el Grande und ist eng mit dem Heiligen Pedro de San José de Betancur, dem „Hermano Pedro“, verbunden. Er widmete sein Leben in Antigua besonders den Armen und Kranken und gilt als eine der bedeutendsten religiösen Persönlichkeiten Guatemalas. Seine Grabstätte befindet sich hier und macht die Kirche bis heute zu einem wichtigen Wallfahrtsort.

Wir erreichen die Kirche eher zufällig während eines Gottesdienstes. Die wunderschöne Musik und besonders das Gebet des Pfarrers zu Beginn – welches sich für uns einfach nur wunderschön anhört, weil wir Spanisch leider nicht verstehen – sorgen für einen ganz besonderen und unerwartet berührenden Moment.

Die Zeit in Antigua war wirklich schön. Im Nachhinein hätten wir hier allerdings keine ganze Woche eingeplant, sondern eher zwei bis drei Tage. Denn in dieser Zeit kann man wirklich sehr viel sehen und die Stadt ist doch ziemlich touristisch.

Atitlánsee – Baustelle, Erdbeben, Skorpion … und dann doch noch verliebt

Am 16.07. machen wir uns auf den Weg zum Atitlánsee. Die Fahrt dauert ebenfalls ungefähr zwei Stunden. Wir freuen uns auf unsere Blockhütte direkt am See – inklusive Whirlpool auf der Terrasse. Da Mike sich inzwischen bei Kathi angesteckt hat und jetzt auch eine fette Erkältung hat, freuen wir uns besonders auf ein paar ruhige und entspannte Tage. Hier haben wir nur drei Nächte gebucht.

Die Straße zur Unterkunft lässt Mikes Laune allerdings schon deutlich sinken. Straße ist eigentlich ein sehr großzügiger Begriff. Ein Schotterweg führt uns mit gefühlten 30 Grad Steigung den Berg hinauf. Oben angekommen sehen wir ein kleines Häuschen, daneben unsere Hütte und weiter unten … Baustellen. Eine nach der anderen. Na gut. Vielleicht wird es ja trotzdem schön. Spoiler: wird es nicht.

Wir schauen in die Hütte und sehen zunächst die Küche und einen Teil des Wohnzimmers. Check-in ist erst ab 15 Uhr und wir sind schon gegen 14 Uhr dort. Da wir hier wirklich mitten im Nirgendwo sind, beschließen wir, noch einmal in den nächsten Ort zu fahren und einzukaufen. Kathi überlegt, was wir in den nächsten Tagen essen wollen, macht eine Liste und kommt mit einem komplett gefüllten Einkaufswagen aus dem Supermarkt. Getränke, Essen und natürlich Pistazien.

Zurück an der Hütte schleppen wir alles hinein und lassen uns erschöpft auf die Couch fallen. In diesem Moment steht Mike wieder auf: „Was ist denn das hier?“ Direkt vor unserer Terrasse befindet sich eine frisch gegossene Bodenplatte. Oh nein. Ernsthaft? Damit ist der schöne Blick schon einmal deutlich eingeschränkt.

Aber es kommt noch besser. Kathi macht wie immer ein Video von der Unterkunft für Freunde und Familie. Dabei fällt uns nach und nach auf, wie schmutzig das Apartment tatsächlich ist. Hinter dem Kühlschrank steht eine volle Mülltüte, der Glastisch im Wohnzimmer ist völlig verdreckt und die Ablageflächen im Bad ebenfalls. Eigentlich ist die gesamte Unterkunft so schmuddelig, dass wir am liebsten direkt wieder losfahren würden.

Und dann kommt der Höhepunkt. Wir sitzen mit einem Glas Wein auf der Couch und versuchen erst einmal, das Ganze zu verdauen. Plötzlich steht ein Bauarbeiter direkt vor unserer Terrasse. Er wässert mit einem Gartenschlauch den frisch gegossenen Beton, winkt freundlich und setzt sich anschließend auf eine Holzbohle – direkt vor unser Fenster.

Man muss dazu sagen, dass die Hütte aus zwei offenen Ebenen besteht. Zur Seeseite gibt es keine Vorhänge. Sprich: Die Bauarbeiter können uns am nächsten Morgen gemütlich ins Bett zuwinken. Super. Genau so hatten wir uns die romantische Unterkunft am See vorgestellt.

Wir haben in Antigua bereits Geld durch das stornierte Hotel verloren, aber Kathi sagt trotzdem sofort: „Auf keinen Fall bleibe ich hier.“ Wir beschließen, eine Nacht dort zu bleiben. Wir benutzen weder Handtücher noch Bademäntel und Kathi kontaktiert sofort den Airbnb-Support. Unser Ziel: die kompletten Kosten für die beiden übrigen Nächte zurückzubekommen.

Am nächsten Morgen sitzen wir beim Kaffee. Mike arbeitet am Laptop und Kathi schreibt mit Airbnb. Plötzlich fängt alles an zu wackeln. Mike springt auf und Kathi bleibt erst einmal wie angewurzelt auf der Couch sitzen. Die Baustelle? Nein.

Am 17. Juli 2026 bebte plötzlich die Erde. Vor der Küste des südlichen Mexikos, nahe der Grenze zu Guatemala, ereignete sich ein starkes Erdbeben der Stärke 7,3. Das Beben war auch in weiten Teilen Guatemalas deutlich zu spüren und löste kurzzeitig sogar eine Tsunamiwarnung für die Pazifikküste aus. Zum Glück wurden trotz der enormen Stärke keine größeren Schäden oder Todesopfer gemeldet. Zahlreiche Nachbeben folgten. Ein ziemlich eindrucksvoller Moment, der uns wieder einmal zeigt, wie aktiv die Erde in dieser Region ist. Wahnsinn. Wir können es kaum glauben.

Kathi rappelt sich auf und bringt die Hütte wieder in den Zustand, in dem wir sie vorgefunden haben. Sie macht das Bett, räumt die Decken von der Couch und packt sämtliche Lebensmittel wieder ein, die wir erst einen Tag zuvor mühsam hineingeschleppt haben. Alles wieder raus.

In diesem Moment macht Piper plötzlich einen Riesensatz. Kathi sieht einen Skorpion quer durch den Eingangsbereich laufen. Na wunderbar. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass der Vulkan ausbricht.

Mike googelt sofort, was bei Hunden passieren kann, wenn sie von einem Skorpion gestochen werden. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gerne in Schuhen, Kleidung oder Betten. Kathi untersucht Piper gründlich, kann aber keine Einstichstelle entdecken. Wir beschließen, sie den restlichen Tag genau zu beobachten.

Zum Glück haben wir bereits am Vorabend eine andere, hoffentlich schönere Airbnb-Unterkunft gefunden und einen frühen Check-in vereinbart. Also geht es wieder mit Sack und Pack los – natürlich über die hervorragenden guatemaltekischen Straßen. Mike kämpft immer noch mit seiner Erkältung, was die ganze Aktion nicht gerade angenehmer macht. Kathi hat die Taschen inzwischen so umgepackt, dass wir wenigstens nicht wieder das komplette Auto ausräumen müssen.

Wir kommen an einem großen grünen Tor an. Kathi öffnet den Schlüsselkasten, nimmt den Schlüssel heraus und öffnet damit das Tor. Mike fährt hinein. Vor uns liegt eine kleine Wohnanlage mit mehreren Bungalows und schon der erste Eindruck ist komplett anders. Blumenreich angelegte Wege führen zu unserem Häuschen. Innen ist alles liebevoll in Blau- und Weißtönen maritim eingerichtet. Von der Terrasse haben wir einen wunderschönen Blick auf den Atitlánsee. Und dann hängt dort auch noch eine Hängematte. Kathi ist verliebt.

Wahnsinn.

Und als wäre das nicht schon genug, bestätigt uns die Mitarbeiterin vom Airbnb-Kundenservice auch noch, dass wir die beiden Nächte in der ersten Unterkunft komplett erstattet bekommen. Sehr schön!

Wir sind so begeistert von unserer neuen Unterkunft, dass wir spontan beschließen, nicht nur zwei Nächte, sondern gleich eine ganze Woche zu bleiben. So hat Mike genug Zeit, sich auszukurieren. Schließlich wartet hier auch noch unser gebuchter Paragliding-Flug auf uns, auf den wir uns schon den ganzen Trip freuen.

Also tragen wir wieder alles in die Wohnung, räumen aus und danach folgt erst einmal ein dreistündiges Nickerchen in der Hängematte. Traumhaft.

Da wir ohnehin genug eingekauft haben, beschließen wir, die nächsten Abende einfach im Apartment zu kochen. Wir genießen die Ruhe und den wunderschönen Blick auf den See. Am nächsten Tag machen wir ganz entspannt: ein bisschen chillen, ein bisschen arbeiten und ein bisschen nichts tun. Kathi geht mit Piper an den See, denn die Anlage hat einen eigenen Zugang zum Wasser. Piper tobt ein wenig am Ufer und wir genießen die Sonne.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Tuk-Tuk in die nächstgelegene Stadt Panajachel. Panajachel, von den Einheimischen liebevoll „Pana“ genannt, liegt direkt am wunderschönen Lago de Atitlán und gilt als das Tor zum See. Der Ort ist lebendig und bunt, mit kleinen Restaurants und Cafés, unzähligen Ständen mit traditionellem Maya-Kunsthandwerk und der bekannten Calle Santander.

Das eigentliche Highlight ist aber die traumhafte Kulisse. Der Atitlánsee liegt eingebettet zwischen Bergen und den mächtigen Vulkanen Atitlán, Tolimán und San Pedro. Vom Ufer aus hat man einen fantastischen Blick über den See und mit den kleinen Lanchas kann man von Panajachel aus die verschiedenen Maya-Dörfer rund um den See erkunden. Ein wunderschöner Ort, an dem beeindruckende Natur, Maya-Kultur und das quirlige Leben Guatemalas aufeinandertreffen.

Das beste Fortbewegungsmittel hier ist definitiv das Tuk-Tuk. Die kleinen Dinger fahren überall durch die Stadt wie Ameisen durch ihren Bau. Und wenn man am Straßenrand steht, hält fast immer eines an. Wir fahren ungefähr zehn Minuten bis zur Calle Santander und zahlen dafür 35 Quetzales, umgerechnet etwa 4 €. Perfekt. Keine Parkplatzsuche, kein Stress im engen Verkehr und kein Kampf mit schmalen Straßen.

Wir laufen die Calle Santander entlang und Kathi ist völlig überwältigt. Alles ist bunt und überall gibt es wunderschöne Sachen. Mike bekommt der Ausflug allerdings gesundheitlich noch nicht besonders gut. Also beschließen wir, noch etwas zu essen und anschließend wieder zurück zur Unterkunft zu fahren.

Auf dem Weg zum Restaurant entdeckt Kathi eine Hängematte, die genauso aussieht wie die in unserer Unterkunft, und zieht Mike natürlich direkt in den Laden. Der Händler hat unglaublich viele wunderschöne Sachen. Alles handgemacht – echte Handwerkskunst. Wir kaufen die Hängematte und Kathi ist überglücklich.

Doch dann entdeckt sie in dem Geschäft einen Traumfänger und der erobert sofort ihr Herz.

„Wie schön ist der denn bitte?“

Mike schaut ihn an: „Wir haben keinen Platz dafür.“

Womit er natürlich recht hat.

Aber er ist trotzdem soooo schön.

Wir verlassen den Laden erst einmal nur mit der Hängematte.

Am nächsten Tag fährt Kathi alleine in die Stadt. Eine ziemlich witzige Fahrt, denn ein Tuk-Tuk gehört natürlich nicht automatisch einem Fahrgast. Ist noch ein Platz frei, werden einfach weitere Leute eingesammelt. So lernt Kathi unterwegs eine sehr nette einheimische Dame kennen und macht noch schnell ein Foto, bevor diese aussteigt.

Der Einkaufsbummel wird begleitet von Nachrichten mit Kathis Tochter Lea und Ihrer Mutter sowie ihren Freundinnen Katha und Steffi.. Kathi schickt Videos und zeigt allen, wie herrlich es in Panajachel ist. Es ist immer wieder toll, mit der Heimat und den geliebten Menschen zu kommunizieren und zu hören, wie es ihnen geht.

Und natürlich schickt sie auch Fotos vom Traumfänger. Mike hatte am Abend vorher noch gesagt: „Na, wenn du ihn unbedingt haben möchtest, dann finden wir schon einen Platz.“ Damit war der Kauf eigentlich schon besiegelt … lach. Kathi ist sich nur noch nicht ganz sicher, wo dieser riesige Traumfänger auf der KAMI überhaupt hin soll.

Als sie schließlich wieder in dem Laden steht, geht der Künstler mit dem Preis auch noch 300 Quetzales herunter. Damit ist eigentlich alles entschieden. Kathi kann nicht mehr Nein sagen. Nach vier Stunden kommt sie mit mehreren Oberteilen, einer Hose, einem Armkettchen, einem Halskettchen und natürlich dem Traumfänger zurück zur Unterkunft. Überglücklich. Mike rollt nur mit den Augen … hihi.

Das Auto platzt inzwischen fast aus allen Nähten. Und spätestens am Rio Dulce müssen wir das ganze Zeug auch noch mit dem Dinghy zurück auf die KAMI bekommen. Hmmm … das Problem verschieben wir einfach auf später.

Wir verbringen noch ein paar wunderschöne Tage in Panajachel und am letzten Tag steht schließlich unser Paragliding-Flug mit Leo und Toto an. Wir treffen uns am Pier in Panajachel und fahren mit der Lancha nach San Marcos. Dort soll uns ein Jeep einsammeln und auf den Berg bringen.

Was wir nicht wissen: Ausgerechnet an diesem Tag gibt es eine Straßenparade und der Ort ist teilweise von der Polizei gesperrt. Also warten wir ungefähr 40 Minuten. Kathi stört das überhaupt nicht. Die Sonne scheint und viele süße Kids ziehen in Fußballkleidung durch die Straßen. Für unsere beiden Guides ist die Verzögerung natürlich weniger lustig, da wir nicht die einzigen Gäste sind, die an diesem Tag mit ihnen fliegen möchten.

Irgendwann kommt der Jeep. Es folgt eine ziemlich wilde Fahrt auf der Ladefläche und wenig später stehen wir etwa 600 Meter über dem See auf dem Berg. Kurze Einweisung, Schirme aufbauen und los geht’s.

Traumhaft!

Der See von oben, die Berge, die Vögel, die an uns vorbeiziehen, und diese unglaubliche Ruhe beim Paragliding – es ist wirklich schwer zu beschreiben. Nach ungefähr 25 Minuten landen wir an einem Strand und fahren mit dem Tuk-Tuk weiter zum nächsten Hafen. Unsere Guides haben dort schon die nächsten beiden Flugwilligen bestellt und machen sich direkt wieder auf den Weg nach oben. Für uns bleibt ein wahnsinnig schönes Erlebnis.

Am Abend wollen wir ein letztes Mal in der Stadt essen gehen und diesmal soll Piper mit. Also heißt es auch für sie: ab ins Tuk-Tuk. Na ja – ob Segelkatamaran, Dinghy, Auto oder Tuk-Tuk. Das schafft sie jetzt auch noch.

Und tatsächlich sitzt sie ganz brav hinten zwischen uns auf der Sitzbank. Begeisterung sieht zwar eindeutig anders aus, aber Piper ist immer gerne dabei, wenn wir unterwegs sind. Also muss sie da jetzt leider durch.

Was uns hier außerdem sofort auffällt: Rund um den Atitlánsee gibt es unglaublich viele Straßenhunde. Sie laufen frei durch die Straßen, liegen vor Geschäften, schlafen am Straßenrand oder begleiten einen einfach ein Stück. Mit Piper sorgen wir dagegen regelmäßig für erstaunte Blicke. Sie läuft ganz selbstverständlich mit uns an der Leine durch die Stadt und manchmal haben wir wirklich das Gefühl, dass die Leute eher Piper anschauen als uns. Wahrscheinlich denken sie: „Warum ist der Hund denn angeleint?“.

Am nächsten Tag, dem 22.07., machen wir uns wieder auf den Weg nach Guatemala City. Dort haben wir erneut das gleiche Airbnb gemietet und werden noch einmal zwei Nächte bleiben, bevor es endgültig zurück zum Rio Dulce und zu unserer KAMI geht.

Kathi hat bereits Anfang der Woche mit Hugo geschrieben, der unser Dinghy hat. Wir kündigen an, dass wir am Samstag gegen 15 Uhr wieder am Rio Dulce sein werden. Seine Antwort: „Kein Problem, ihr könnt dann direkt euer Dinghy abholen.“

Klar … das klingt ja fast zu einfach für Guatemala. Aber wir sind inzwischen schlauer und wissen: Ein Plan B schadet hier eigentlich nie … grins.

Am Samstag machen wir uns früh auf den Rückweg. Kathi schreibt Hugo, dass wir gegen 14 Uhr ankommen werden. Seine Antwort kommt prompt: Er hat den Geburtstag seines Sohnes vergessen und ist auf einer Familienfeier – und natürlich auch gar nicht in der Stadt.

Na wunderbar. Genau so hatten wir uns unsere Rückkehr vorgestellt. Das Auto bis unters Dach voll, Piper dabei und unser Dinghy irgendwo ohne uns. Und Piper findet Lancha fahren nach wie vor auch nicht gerade großartig.

Aber Hugo organisiert uns zum Glück einen Freund mit einer Lancha, der uns zur Monkey Bay Marina bringen soll. Und tatsächlich funktioniert alles. Am Rio Dulce angekommen, kommt kurze Zeit später sein Kumpel. Wir nehmen nur das Wichtigste aus dem Auto mit und lassen uns zurück nach Hause zu unserer KAMI bringen.

Zum Glück haben wir noch ein paar Konserven und genug zu trinken an Bord. Denn bis Montag, wenn wir unser Dinghy endlich bekommen, können wir nicht mal eben zum Einkaufen fahren.

Damit endet ein wirklich wahnsinnig aufregender Trip. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie schön es am Atitlánsee ist, wären wir dort mindestens zwei Wochen geblieben und hätten noch viel mehr von den Städten und Dörfern rund um den See erkundet. Für uns definitiv einen Besuch wert.

Und zu guter Letzt müssen wir auch noch etwas sagen, was uns während der gesamten Reise aufgefallen ist: In Guatemala sieht man wirklich viele bewaffnete Männer. Vor Geschäften, Banken, Apotheken oder Wohnanlagen steht fast überall Security. Das wirkt für uns am Anfang schon etwas befremdlich.

Aber trotz all dieser sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen hatten wir während unseres gesamten Trips keine einzige Situation, in der wir uns unwohl fühlten oder gar Angst hatten. Und vielleicht ist genau das auch eine der größten Überraschungen dieser Reise gewesen.

Mit vielen neuen Eindrücken, unvergesslichen Erlebnissen und jeder Menge schöner Erinnerungen geht es für uns zurück auf unsere KAMI.

Jetzt heißt es aber erst einmal wieder: Arbeiten statt Abenteuer. Am 03.08. kommt unsere KAMI aus dem Wasser und die nächsten Wochen stehen ganz im Zeichen von Wartung, Reparaturen und vielen kleinen und großen Projekten an Bord.

Langweilig wird uns also garantiert nicht. Im nächsten Blogbeitrag nehmen wir euch mit hinter die Kulissen unseres Bootsalltags und zeigen euch, was bei einem Werftaufenthalt alles auf dem Programm steht.

Bis dahin – bleibt neugierig und bis bald! ⚓😊

Gefällt mir 6

So richtig grün

Wie geplant erreichen wir gegen Mittag Livingston. Die kleine Stadt an der Flussmündung des Río Dulce bildet für Segler das Tor zu Guatemala. Vor der Flussmündung hat sich eine Sandbank gebildet, die vielen Seglern starke Bauchschmerzen bereitet. Die Tiefen liegen hier teilweise nur bei 1,50 Meter, das ist für das eine oder andere Segelboot mit langem Kiel ein echtes Problem. Wir haben Glück: Mit unserem 1,20 Meter Tiefgang passieren wir die Sandbank ohne Grundberührung. Der Anker fällt, und wir kontaktieren Raúl, den Agenten, der sich um die notwendigen Behördengänge kümmert.
Wir müssen zwei Stunden warten, dann kommt eine kleine Lancha, also ein kleines Motorboot, zu unserer KAMI herangebraust. Darin sitzen Raúl, der Agent, eine Dame vom Veterinäramt, ein Offizier in Uniform von der Einwanderungsbehörde und natürlich der Herr vom Zoll. Alle stürmen an Bord und nehmen im Cockpit Platz. Nach dem üblichen Geplänkel und einigen Kichereinlagen beantworten wir die eine oder andere Frage und legen unsere Dokumente vor. Die Pässe nimmt Raúl an sich und informiert uns, dass wir sie samt unserem Cruising Permit in etwa 1,5 Stunden bei ihm im Büro abholen können. Die notwendigen Gebühren zahlen wir in seinem Büro.
Vorher müssen wir noch einen Geldautomaten finden, an dem wir die einheimische Währung, den Quetzal, abheben können. Mit US-Dollar kommt man hier leider nicht weit. Das ganze Prozedere dauert bis zum späteren Nachmittag. Wir werden etwas unruhig, denn man soll die Nacht nicht vor der Stadt verbringen. Die Diebstahlrate ist hier wohl sehr hoch. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, soll nachts von den ankernden Booten gestohlen werden.

Wir fahren also weiter in den Río Dulce ein und sind völlig überwältigt. Dieses Grün! Unbeschreiblich! Seit Monaten sahen wir nur Blau in allen Facetten – jetzt dieses Urwaldgrün. Es tut den Augen richtig gut. Die Fauna und Flora hier sind wirklich der Wahnsinn. Auch die Gerüche und Geräusche … wir sind hin und weg. Mit der KAMI fahren wir mit etwa 7,5 Knoten weiter den sich schlängelnden Río Dulce hinauf. Bis zum ersten größeren See sind es gut anderthalb Stunden Fahrt. Noch vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir an und suchen uns einen guten Ankerplatz.
Wir staunen über die vielen kleinen Boote, die den Fluss auf und ab fahren. Es sind Fischer, kleine Familien, und manchmal sehen wir Kinder in den Lanchas sitzen, die sich paddelnd fortbewegen. An den Flussufern sehen wir viele kleine Hütten mit Dächern aus Palmblättern. Frauen stehen knietief am Ufer und kümmern sich um die Wäsche, Kinder toben und tollen im dunkelgrünen Wasser umher. Wir hören Vogellaute, die wir noch nie gehört haben. Ein Vogel hört sich wie eine Alarmanlage an – irgendwie verrückt.

Für eine größere Ansicht, einfach auf das gewünschte Bild klicken!

Wir düsen mit unserem Dinghy zu einem kleinen, gemütlichen Restaurant auf Stelzen. Hier sind wir fast die einzigen Gäste. Es ist so richtig gemütlich, und wir sind noch immer völlig überwältigt vom ganzen Drumherum. Am nächsten Tag sieht Kathi aus dem Augenwinkel ganz in der Nähe der KAMI eine Karibik-Manati, also eine Seekuh, auftauchen. Doch bevor das Handy zur Hand ist, ist sie leider auch schon wieder abgetaucht. Schade, wie gern hätten wir sie fotografiert.
Zur Mittagszeit wird es hier so richtig heiß, bis zu 36 Grad gefühlt bis zu 42 Grad. Wir springen ins Dinghy und erkunden die Mangroven. Wir beginnen, uns immer mehr in dieses Land zu verlieben. Es ist so phantastisch – man kann es kaum beschreiben. Dieses urige und einfache Leben der Locals in den kleinen palmendachgedeckten Hütten am Uferrand. Jeder, der uns in unserem Dinghy vorbeifahren sieht, winkt freundlich. Wir fühlen uns willkommen. Für die nächsten sechs Monate wird der Río Dulce unser Zuhause sein, und wir sind überzeugt, dass unsere Wahl, hier die Hurrikansaison zu verbringen, absolut richtig war.

Bevor wir weiter den Río Dulce in Richtung Monkey Bay Marina fahren, wollen wir Chloe, einer französischen Segelmacherin, einen Besuch abstatten. Hier wollen wir unsere gesamte Segelgarderobe über die Regenzeit einlagern lassen. Die Segel sollen außerdem gewaschen und soweit nötig ausgebessert werden, zum Beispiel sollen Nähte in Ordnung gebracht werden. Das „Abtakeln“ beziehungsweise Abschlagen der Segel klappt reibungslos, und wir entscheiden uns, noch eine Nacht direkt bei ihr am Häuschen zu verbringen.
In der Nacht hören wir ihre Kinder weinen und schreien. Direkt hinter ihrem Geschäft lebt sie seit sieben Jahren mit ihrem guatemaltekischen Mann und ihren zwei Töchtern in einer kleinen, bescheidenen Behausung. Back to the roots. Sie vermisst das französische Leben nicht, sagt sie. Einmal im Jahr fliegt sie nach Europa, um Freunde und Familie zu sehen. So wie es ist, ist es gut. Sie hat hier in Guatemala ihr Glück gefunden.

Bevor wir am nächsten Tag weiterfahren, besuchen wir noch ein kleines Restaurant namens Mini Mike. Wir machen unser Dinghy am Stelzenhäuschen fest und betreten den nach allen Seiten offenen Gastraum. In der Ecke steht ein Fernsehgerät, und ein europäisch wirkender älterer Mann schaut bei einer Flasche Bier Fußball. Im Gastraum liegen zwei einheimische Damen und schlafen auf Bänken. Kleine Kinder spielen in der Nähe, irgendwie wirkt der Ort auf uns recht surreal.
Ein vielleicht zehnjähriger Junge kommt zu uns an den Tisch und stellt sich als Mike vor. Wir müssen lachen. Er spricht sogar ein wenig Englisch. Das freut uns natürlich sehr, denn hier wird fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Wir geben unsere bescheidene Bestellung auf und genießen zwei Drinks und zwei eher mäßige Hamburger mit ein paar kalten Pommes. Wir bezahlen bei Mike, und weil er so verdammt knuffig ist, bekommt er vom großen Mike zwei einzelne 1-Dollar-Noten als Trinkgeld überreicht. Mit funkelnden Augen nimmt er die Dollarnoten entgegen und läuft stolz wie Bolle durch den Gastraum. Dabei hält er eine der Banknoten mit beiden Händen stolz vor seiner Brust und reibt sie hin und her. Sehr süß und ein schönes Erlebnis – bis auf die schlafenden Frauen im Gastraum.

Wir fahren weiter den Río Dulce hinauf und erreichen die Monkey Bay Marina. Anja, eine deutsche Seglerin, die mit ihrem Mann Nic temporär das Management der kleinen Marina übernommen hat, heißt uns per WhatsApp willkommen und bittet uns, erst am nächsten Morgen in der Marina anzulegen. Der Wind ist ab mittags hier immer sehr stark, und das Manövrieren daher sehr anspruchsvoll. Wir verbringen also die Nacht vor Anker direkt an der halbleeren Marina und fahren am nächsten Morgen gegen halb acht in die Marina ein. Helfende Hände am Steg bugsieren die KAMI in den hinteren Teil der Marina. Alles klappt, und das Schiff wird für die nächsten Monate vorerst fest vertäut.
Anja und Nic zeigen uns die Örtlichkeit und laden uns auf ein Willkommensbier ein. Wir erfahren, dass der Besitzer der Marina ein Deutscher ist. Karl ist oft an den Wochenenden hier mit seiner Frau und dem Hund. Sie haben direkt am Wasser eine kleine und feine Lodge. In der Marina arbeiten einige weibliche Locals, die sich, wenn der Chef kommt, halb verbiegen, damit alles zur vollsten Zufriedenheit ist. Das zaubert uns regelmäßig ein Schmunzeln ins Gesicht. Ganz nebenbei stellen wir dann noch fest, dass Karl, der Besitzer der schönen Monkey Bay Marina, auch noch der TO-Stützpunktleiter hier in Guatemala ist. Na, was für ein Zufall.
Die gesamte Marina ist wahnsinnig gut gepflegt. Alles ist sauber und liebevoll eingerichtet. Wir hatten vor einem Jahr durch Zufall ein Video über die Marina im Netz gesehen und waren begeistert. In der Realität ist sie noch viel schöner. Gut, dass wir hier sind!
In der zweiten Nacht wird uns klar, warum die Marina „Monkey“ im Namen trägt. Bei Gewitter und Regen hört man die Brüllaffen schimpfen, die hier direkt in den Bäumen sitzen. Was für ein Sound. Tagsüber sehen wir sie ab und an, wie sie in den Bäumen schlafen oder vor sich hin chillen.
Im Moment sind noch wenig Segler in der Marina, das genießen wir sehr. Alles ist ruhig, ohne Stress, und jeder scheint hier tiefenentspannt zu sein. Lediglich sechs Segler laufen hier mit uns herum. Da kommt uns die Idee, abends zum selbst gekochten Frikassee einzuladen. Unsere Einladung wird dankend angenommen, und alle sind vom Geschmack begeistert. Die Corris, ein männliches Paar aus den USA, kannten Frikassee noch gar nicht und waren dementsprechend hin und weg, so dass sie sich am nächsten Tag noch einmal heimlich über den Restetopf hergemacht haben. Wir verleben einen wunderbaren gemeinsamen Abend in der Palapa, dem großen Gemeinschaftsraum, der Palmenhütte – wenn nur nicht die stechenden Insekten wären. Mücken und gelbe Fliegen, also beißende Bremsen, fallen im Schatten oder wenn die Sonne untergeht über die Menschen her. Insektenschutzmittel sind hier täglich ein Muss, sonst kommt man nicht mehr davon ab, gerade an den Fuß-, Hand- und Armgelenken zu kratzen. Es juckt so furchtbar! Selbst Piper wird regelmäßig attackiert.

Piper freut sich über den regelmäßigen Auslauf hier in der Marina und freundet sich auch langsam mit der Marinahündin Clea an. Wenn die Sonne untergegangen ist, toben beide gerne durch die Palapa. Tagsüber gehen sie sich komischerweise aus dem Weg. Mal tollen sie zusammen, mal bellen sie sich an. Nachts wacht Clea über das Gelände. Kommt eine Lancha vorbei, schlägt sie sofort bei dem Motorgeräusch an. Zeitnah bellen auch die Hunde in der Nachbarschaft. Leider auch Piper auf der KAMI. So wird die eine oder andere Nacht durch kurze, kräftige Bellphasen für uns unterbrochen, meistens schlafen wir aber alle wieder schnell ein.
Das ist auch gut so, denn Kathi steht oft schon gegen 06:30 Uhr auf. Sportprogramm! Anja, eine deutsche Seglerin, hält dienstags und samstags Jogasessions ab. Montags und freitags in der Frühe ergänzt die in die Jahre gekommene kanadische Marinamanagerin mit Pilates-Vorführungen auf dem großen Bildschirm im Palapa. Mike und Piperli schlafen so früh meistens noch und stehen erst etwas später auf.

Der Tag beginnt mit dem Zu-Wasser-Lassen des Dinghys, dem wichtigsten Transportmittel hier auf dem Río Dulce. Die Monkey Bay Marina ist eine von vielen Marinas, die ausschließlich über die Seeseite erreichbar ist. Eine Fahrt zum Einkaufen quer über den See zum supermarkteigenen Steg dauert keine zehn Minuten. Auf der anderen Seeseite liegt Frontera, ein lauter und quirliger Ort. Hier tobt das Leben. Durch den Ort zieht sich eine enge, extrem von Trucks befahrene Straße. Fußgänger- oder Radwege gibt es hier nicht. Tuc-Tucs, dreirädrige Mopeds, kurven zwischen den nicht enden wollenden Konvois von Trucks umher. Die Luft ist stickig und heiß. Die direkt an der Straße liegenden Geschäfte laden wenig zum Besuch ein, alles ist mit Staub und Straßendreck bedeckt – selbst die ausgelegte Ware.

Tagsüber ist es mit 36 bis 38 Grad Celsius extrem heiß. Kurioserweise weht hier erst nachmittags der Wind, bis dahin herrscht Flaute und die Sonne brennt brutal und erbarmungslos. Wir müssen täglich mehrmals duschen und die Kleidung wechseln. An körperlich anstrengende Arbeit ist tagsüber kaum zu denken. In Strömen fließt der Schweiß und lässt sich nicht aufhalten. Auch Piper leidet unter den Temperaturen. Wir sind froh, dass wir vor unserer Reise noch eine Klimaanlage in unserem Rumpf verbaut haben. Tagsüber, wenn wir unterwegs sind, stellen wir sie an, und Piper ist darüber sehr froh. Sie darf dann ausnahmsweise zu uns runter und der Hitze entkommen. Aber auch nachts ermöglicht sie uns einen einigermaßen erholsamen Schlaf und Schutz vor den anhaltend schwülen Temperaturen.
Eine fühlbare Abkühlung ist hier eher selten, eigentlich nur, wenn es die ganze Nacht schüttet und am nächsten Tag die Sonne keine Chance hat, die Wolkendecke zu durchbrechen. Jetzt beginnt hier in Lateinamerika die Regenzeit. Fast jeden Abend und in den Nächten erleben wir die schaurigsten Gewitter, die über den Río Dulce ziehen. Wir hoffen und flehen, dass kein Blitz in unseren Mast einschlägt. Solche Einschläge sind hier an der Tagesordnung – das müssen wir nicht haben. In der letzten Saison ist die Monkey Bay Marina von Blitzeinschlägen verschont geblieben, wir wollen daher optimistisch sein.

Wir vermissen ein wenig das blaue, kristallklare Wasser. Der Río Dulce ist ein Binnenfluss mit einigen Seen, das Wasser ist grün, über 30 Grad warm und nicht sonderlich zum Baden einladend. Überall schwimmt Plastikmüll und Unrat, dazu kommt, dass sich im Fluss auch die Morelet-Krokodile tummeln. Man sieht hier und da entsprechende Warnschilder. Nach den ersten vier Wochen zeigt die KAMI und unser Dinghy eine dicke grüne Algenschicht am Wasserpass. Wie wird das Schiff erst nach Monaten aussehen?
Die anfängliche Ruhe in der Marina hält leider nicht lange an. Nach drei Wochen macht eine amerikanische, streng gläubige Familie mit fünf Kindern in der Marina fest. Die Skipperin ist hoch schwanger und erwartet in den nächsten zwölf Wochen ihr sechstes Kind. Wow. Mit dem Marinazuwachs toben nun zwölf Kinder zwischen drei und zwölf Jahren täglich über die Stege. Die derzeitige Quote beläuft sich auf zwölf Erwachsene und zwölf Kinder. Hinzu kommen zwei Katzen und zwei Hunde. Ruhe und Entspannung – ab jetzt Fehlanzeige.
Der Unmut über das Getobe und anhaltende Geschrei der Kinderschar nimmt bei den kinderlosen Seglern tagtäglich weiter zu. Es wird schwierig und eine komische Stimmung macht sich breit. Wir werden später noch gesondert darüber schreiben. Zwischenzeitlich konzentrieren wir uns auf unsere To-do-Liste und warten unsere Maschinen. Dieselfilter-, Öl- und Impellerwechsel sind innerhalb von zwei Tagen, man bedenke die heißen Temperaturen, erfolgreich durchgeführt. Die Wartung unseres Cummins-Stromgenerators ist für nächste Woche geplant. Immer wieder kommen kleine Arbeiten zwischendurch dazu. Mal tropft es durch eine Luke, dann verliert ein Fender seine Luft.

Für die Ersatzteilbeschaffung aus den USA sitzen wir manchmal stundenlang vor dem Laptop und durchsuchen das Netz nach entsprechenden Angeboten. Über den Besitzer der Marina, Karl, der eine Importfirma hat, bestellen wir Teile nach Florida. Von dort werden sie hier nach Guatemala weitergeleitet. Natürlich dauert das alles seine Zeit und kostet auch eine Kleinigkeit. Leider müssen wir auf die amerikanischen Steuern auch noch die guatemaltekischen Steuern zahlen. Somit werden die benötigten Teile alle recht teuer. Aber es ist nun mal so und nicht zu ändern. Die aufwändige Ersatzteilbeschaffung gehört zur Schattenseite des tollen Seglerlebens. Jeder Segler kennt das, egal wo auf der Welt er gerade unterwegs ist.

Nach ewigem Hin und Her mit der RAM Marina hier am Río Dulce, das ist die Marina, die unser Schiff aus dem Wasser heben kann, haben wir endlich einen verbindlichen Krantermin. Am 3. August geht die KAMI an Land. Während des Landaufenthalts der KAMI beziehen wir eine kleine Lodge in der Nähe mit eigenem Anleger für unser Dinghy. Für nur 450 US-Dollar im Monat können wir hier mit Klimaanlage der gewaltigen Hitze entkommen – es wird unser zu Hause an Land.
In der RAM Marina haben wir einen neuen Antifoulinganstrich für unser Unterwasserschiff beauftragt und bereits angezahlt. Wir haben uns diesmal für ein Hartantifouling namens Coppercoat entschieden. Das ist ein Hartantifoulinganstrich aus Kupfer, bestehend aus insgesamt neun Schichten. Dieser Anstrich soll das Unterwasserschiff für Jahre vor Bewuchs schützen. Bevor die notwendigen Schichten aufgetragen werden können, muss erst das „alte“ Antifouling runter. Das soll per Sandstrahlen und Schleifarbeiten erfolgen.

Das Ärgerliche an der Sache ist, dass wir 2024 in Deutschland durch die Firma Barther Yachtservice GmbH ein neues Antifouling aufbringen lassen haben. Es wurde uns für die Langfahrt extra empfohlen und hielt im Endeffekt nicht einmal ein Jahr. Vom schwarzen Antifouling „Hempel 9000“ ist kaum noch etwas zu sehen. Überall sieht man nur noch den gelben Voranstrich, teilweise ist gar kein Anstrich mehr vorhanden und das blanke GFK ist zu sehen. Wir haben damals über 10.000 Euro für die Arbeiten bezahlt. Nach dem ersten Jahr hatten wir schon großflächige Ablösungen, die nochmals beim Barther Yachtservice 2025 nachgearbeitet wurden. Dafür wurden uns weitere 3.000 Euro aus dem Portemonnaie gezogen. !
Mittlerweile haben wir einen Anwalt beauftragt, gegen diese Firma vorzugehen. Ein Gutachter hier in Guatemala hat schon sein erstes Statement abgegeben. Die Beschichtung wurde anscheinend nicht korrekt aufgetragen. Es fehlt u.a. eine entscheidende Grundierungsschicht. Also kein Materialfehler, eher ein Ausführungsfehler. Leider zeigt sich der Barther Yachtservice im Wege der außergerichtlichen Einigung wenig entgegenkommend. Wir haben uns daher vorgenommen, die Angelegenheit gerichtlich klären zu lassen.

Nun, als wäre die Angelegenheit mit dem Unterwasseranstrich nicht schon genug ärgerlich, haben wir auch Probleme mit unseren Saildrives. Wie ihr ja wisst, haben wir diese vor unserem Reiseantritt ebenfalls von einer deutschen Fachwerkstatt für einen mittleren vierstelligen Betrag warten lassen. Schon damals wurde bei der Wartung geschludert. Als die KAMI noch in der Marina an Land stand, trat Öl aus beiden Antrieben aus und tropfte auf den Boden. Daraufhin haben wir die ausführende Firma Marine Service Rostock, Herrn Neumeister, kontaktiert und als Antwort bekommen, dass die Dichtungen doch noch gut aussahen. Die Saildrives wurden komplett zerlegt, warum die Dichtungen und Simmerringe nicht gleich erneuert wurden, ist uns ein Rätsel.
Ein halbes Jahr später, nach unserer Ankunft in Martinique, mussten wir dann feststellen, dass bei einem Saildrive Wasser in den Ölkreislauf eingetreten ist, drohender Getriebeschaden also, und bei dem anderen Saildrive im oberen Bereich Öl austritt. In Sint Maarten hatten wir Gregory von YANMAR an Bord, der wenigstens den nicht richtig eingebauten Saildrive, die Getriebeschaltung auf der Backbordseite, reparierte. Dazu wurde der komplette Motor gelöst und ausgerückt, und der obere Teil des Saildrives zerlegt. Die obere Welle musste in der Werkstatt nachgearbeitet werden, und alle Dichtungen wurden ersetzt.

Hier in Guatemala wollen wir nochmals beide Saildrives ordentlich warten lassen und alle möglichen Dichtungen ersetzen lassen. Auch von außen sollen die Saildrives einen neuen Antifoulinganstrich erhalten. Wir wollen ja spätestens 2028 in den Pazifik und vorher nicht noch einmal aus dem Wasser. Daher müssen jetzt alle Arbeiten akkurat ausgeführt werden. Rückblickend auf unsere Refitzeit in Deutschland können wir sagen, dass wir fast mit jedem Auftragnehmer, also mit deutschen Fachbetrieben, schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wir ärgern uns regelmäßig darüber, nicht nur wegen der Qualität der Arbeiten, sondern auch wegen des Umgangs mit den berechtigten Reklamationen. Also … wir hoffen, hier in Guatemala das meiste geradebiegen zu können. Zum Glück sind die Handwerkerkosten hier noch überschaubar, auch wenn es natürlich auch hier das eine oder andere schwarze Schaf gibt – irgendwie ziehen wir sie an wie das Licht die Motten. Dazu später aber mehr.

Um nicht die ganze Hurrikansaison auf dem Schiff zu verbringen, haben wir für Juli einen Inlandstrip geplant. Wir haben uns einen Mietwagen von privat organisiert und werden am 2. Juli hier vom Río Dulce nach Guatemala City fahren und dort eine Woche in einer schönen Airbnb absteigen. Uns zieht es mal wieder in eine große Shoppingmall und in das Großstadtgewusel. Anschließend fahren wir für eine weitere Woche nach Antigua. Antigua ist eine von Vulkanen umgebene Kleinstadt im Süden Guatemalas, die für ihre Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit bekannt ist. Hier haben wir uns in ein „antikes“ Hotel in der City eingebucht.
Danach geht die Rundreise weiter zum Lago de Atitlán. Der Lago de Atitlán ist der zweitgrößte See in Guatemala. Er liegt im Departamento Sololá und ist bekannt für seine Fauna und Flora. Das Wasser soll hier kristallklar sein und zum Baden einladen. In einer Blockhütte mit kleinem Jacuzzi direkt am See werden wir weitere fünf Tage verbringen, bevor es zurück zum Río Dulce geht.
Dann sind die ersten drei Monate hier im Land fast vorbei, und wir müssen unser Cruising Permit fürs Schiff verlängern. Damit wir noch länger hier bleiben dürfen, müssen wir ein Visum beantragen. Dafür gibt es hier in der Nähe eine Agentin, die sich darum kümmert. Unsere Pässe werden dazu zur Behörde nach Guatemala City geschickt und die Visa eingestempelt. Nach der Zahlung von etwa 900 US-Dollar, inklusive Kosten, Gebühren und Anwalt, dürfen wir weitere drei Monate im Land bleiben. Insgesamt sind somit 180 Tage möglich – heißt für uns:
Am 11. November müssen wir spätestens mit der KAMI das Land verlassen haben.

Wir hoffen, dass die Zeit an Land, wenn die KAMI aus dem Wasser ist, für alle noch notwendigen Arbeiten ausreicht und wir pünktlich wieder loskönnen. Zeitlich kann man hier schwer planen, denn es gilt allgemein: „Kommst du heute nicht, kommst du morgen vielleicht auch nicht.“ Warten gehört hier zur Normalität, mit der deutschen Lebensphilosophie nicht vergleichbar. Auch ein wichtiger zeitlicher Kalkulationspunkt ist das Wetter. Bei strömendem Regen und donnernden Dauergewittern arbeitet keiner an den Schiffen. Aus angesagten 30 Tagen können gut und gerne auch 60 oder mehr werden.

Wir hoffen und sind wie immer gespannt, wie es weitergeht … bis bald!

Gefällt mir 4