Ganz ehrlich: Wir haben uns die Überquerung des Atlantiks von Ost nach West ganz anders vorgestellt. Eigentlich ist diese Route ja durch die vorherrschenden Passatwinde für die Seglercommunity eine der beliebtesten. Vor einigen Jahren ist Mike mit der KAMI die entgegengesetzte Route, also von West nach Ost, gesegelt. Diese Route meiden wiederum viele Segler. Sie hat uns (Mike) aber viel besser gefallen. Hier gab es mal ein, zwei schöne Flautentage mit Badespaß im Atlantik und immer wieder mal verschiedene Segelkurse. Damals haben wir 5.200 Seemeilen in 42 Tagen gemeistert. Die jetzige absolvierte Route war in Summe 3.049 nm lang, und wir haben 22 Tage für die Passage gebraucht.
Der Passatwind war auf unserer Überfahrt nicht sehr beständig. Der Wind drehte andauernd von NNW, NE, Ost mit einigen Ausreißern. Über die Hälfte der Zeit hatten wir eher mäßigen Wind, und oft stimmte der benötigte Windwinkel für unser Schiff nicht (so dachten wir anfänglich). Nun ja, wir sind ja mehr oder weniger Segelanfänger – hätten wir uns eher getraut, mit Gennaker und Genua im Schmetterling zu fahren, hätten wir gut und gerne eineinhalb bis zwei Tage an Zeit gespart. Aber gut, wir sind ja noch in der Lernphase – do it yourself! Unsere durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 5,8 kn. Unser höchstes Peak lag bei 14,3 kn, während wir eine Böe in unseren Segeln eingefangen haben. Viele der anderen Segler, die sich zur gleichen Zeit auf den Weg über den Atlantik gemacht haben, hatten einen Parasailor an Bord. Das ist ein großes, vor dem Schiff „fliegendes“ Leichtwindsegel, das das Schiff kontinuierlich und entspannt vorwärts zieht. Die Investition in solch ein zusätzliches Segel ist nicht ohne. Wir haben aber für uns schon entschieden, so ein Segel müssen wir uns unbedingt zulegen. Gerade später, wenn es auf den Pazifik geht und die Entfernungen noch gewaltiger werden, wollen wir es uns so leicht wie möglich mit dem gewünschten Vortrieb machen. Mal sehen, ob wir irgendwo in der Karibik einen Parasailor ergattern können.
Was wir damals auf unserer Atlantikroute von West nach Ost auch nicht hatten, waren die vielen nächtlichen Squalls. Oft kündigen sie sich auf dem Radarbild an und man kann teilweise den Kurs noch etwas verändern, meistens ist es aber schon zu spät. Hier gilt, mindestens in den Nachtstunden eine konservative Besegelung auszubringen. Also Reffs in das Großsegel einbinden und die Segelflächen der Vorsegel verkleinern – je nachdem wie doll es bläst. Segeln am Limit erhöht das Risiko von Materialverschleiß und Mastbruch. Dann doch bitte eher behutsamer.
Nach der Hälfte der Wegstrecke über den Atlantik mussten wir uns von der anfänglich von wetterwelt.com versprochenen entspannten Überfahrt verabschieden. Ein Tiefdruckgebiet aus dem Nordosten wird uns heimsuchen. Vorhergesagt waren 3 bis 4 Meter Welle und bis zu 35 kn in Böen.
In Deutschland hatten wir bei wetterwelt.de ein Wetterrouting von Europa bis in die Karibik angefragt. Schnell waren wir uns im Juli preislich einig geworden und haben bis hier in die Karibik ein individuelles Streckenrouting per E-Mail erhalten. Parallel dazu haben wir bei Windy und PredictWind auch auf eigene Faust Planungen und Kalkulationen angestellt.
Zusammenfassend können wir sagen, dass wir die Routenplanungen auch allein hinbekommen hätten. Oft lagen die Vorhersagen aus Deutschland weit neben der Realität hier draußen auf dem Atlantik. Auch konnten wir das eine oder andere mal die übermittelten Wegpunkte gar nicht ansegeln, da es nicht zum Polardiagramm der KAMI passte (segelbare Windwinkel). Zum Ende der Passage haben wir nach unserem Bauchgefühl Kurs gesetzt – und sind damit auch nicht schlecht gefahren.
Das Wetterrouting war für uns Anfänger eine Art „Sicherheit“. Wir trauen uns aber jetzt für die Zukunft eine eigene Routenplanung zu – natürlich mit der entsprechenden Software und unserer Datenverbindung via Starlink.
Während der Überfahrt hatten wir nur kurz einmal Begegnung mit einer kleineren Delfinschule. Unsere Angelbemühungen brachten lediglich den Fang eines einzigen, sehr wohlschmeckenden Mahi Mahi.
Größere Schäden am Boot blieben uns erspart. Eher kleinere Patzer oder Mängel, wie ein abgebrochener Schrankknopf, ein verbogener Karabiner, eine gebrochene Segellattenhalterung, eine tropfende Deckenlampe oder eine lose Rettungsinsel in der Heckhalterung. Die Zylinderhalterung des Autopiloten hatte sich gelockert, und der Motor des Wassermachers macht zeitweise komische hochfrequente Schleifgeräusche.
Gesundheitlich waren wir in den drei Wochen abwechselnd etwas angeschlagen. Kathi hatte eine ganze Weile mit einer milden Seekrankheit zu kämpfen und bekam plötzlich ein „Musauge“ – woher, wissen wir nicht. Mike hatte sich ja zu Beginn der Reise an der linken Hand verletzt und war einige Tage leicht erkältet.
Das durch die hohen Wellen verursachte Schlafdefizit hat uns alle drei erwischt. Die erste Nacht im Hafen Pointe du Bout in Martinique war für uns alle eine Tiefschlafphase, wie wir sie so noch nicht erlebt haben. Unsere Körper haben sich den fehlenden Schlaf geholt. Diese Nacht war eine echte Wohltat.
Wir haben die Passage auch ohne Buddyboot oder Sicherheitsbegleitung einer ARC (gemeinsame Rallye von 150 Booten) geschafft. Wir sind nach wie vor Segelanfänger, auch wenn Mike nun schon fast 10.000 Seemeilen für sich verzeichnen kann. Gemeinsam sind wir stolz, es geschafft zu haben, und freuen uns jetzt auf schöne und erholsame Tage auf Martinique. Wir freuen uns sehr auf den Besuch von Lea-Marie über die Weihnachtstage und auf den anstehenden Jahreswechsel, bis es weiter nördlich in Richtung Guadeloupe gehen soll.









































