Spleißen – Mehr als nur Knoten: Mein Einstieg in eine alte Kunst

In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit einem faszinierenden Thema beschäftigt: dem Spleißen.

Zugegeben, als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: „Ist das nicht einfach eine Art komplizierter Knoten?“ Doch je tiefer ich eintauchte, desto mehr wurde mir bewusst, dass es sich hierbei um eine wahre Kunst handelt – mit einer langen Tradition und einem enormen praktischen Nutzen.

Was ist Spleißen überhaupt?
Spleißen bezeichnet eine Technik, bei der die Enden eines Seils oder Taus so miteinander verflochten werden, dass eine besonders stabile und belastbare Verbindung entsteht. Im Gegensatz zu Knoten, die die Festigkeit eines Seils oft reduzieren, bleibt die Tragfähigkeit beim Spleißen nahezu vollständig erhalten. Es gibt dabei verschiedene Arten von Spleißen, die je nach Einsatzgebiet genutzt werden – sei es für die Schifffahrt, das Klettern, den Segelsport oder auch für dekorative Zwecke.

Hier eine einfache Definition:
Spleißen ist die Technik, bei der Seilfasern oder Litzen so verflochten werden, dass ein dauerhaftes und sicheres Ende oder eine Verbindung entsteht.

Augspleiß mit Dyneema-Mantelgeflecht

Warum wollte ich Spleißen lernen?
Die Idee, mich mit Spleißen zu beschäftigen, kam während der Überführung der KAMI aus den Bahamas. Ich sah während eines Stops auf Bermuda, wie ein erfahrener Segler ein Seil reparierte, indem er es innerhalb weniger Minuten spleißte – ohne Knoten, ohne Klebeband, einfach nur mit seinen Händen und einem Fid (einem speziellen Werkzeug). Das Ergebnis war nicht nur funktional, sondern sah auch unglaublich sauber und professionell aus. Das wollte ich auch können!

Erste Schritte: Material und Techniken
Beim Einstieg ins Spleißen war es wichtig, sich mit den Grundlagen vertraut zu machen. Zunächst besorgte ich mir ein paar Seile – sowohl aus Naturfasern als auch aus modernen Materialien wie Dyneema oder Polyester. Außerdem holte ich mir ein Spleißwerkzeug-Set, bestehend aus einem Fid (zum Öffnen des Seils), einem Marlspieker (für feinere Arbeiten) und einer Schere. In mehreren Onlineseminaren (YACHT und Premiumropes) begann ich mit den einfachsten Techniken:


  • Augspleiß: Hierbei wird am Ende eines Seils eine Schlaufe (Auge) hergestellt. Perfekt, um Seile an einem festen Punkt zu fixieren.
  • Kurzspleiß: Zwei Seilenden werden miteinander verbunden. Ideal, wenn man ein gerissenes Seil reparieren möchte.
  • Langspleiß: Eine Verbindung, die besonders glatt und flexibel ist – perfekt für Segel- oder Kletteranwendungen.
Onlineseminar von Premiumropes (niederländischer Seilhersteller)

Zu Beginn war es eine ziemliche Herausforderung, die Litzen gleichmäßig zu öffnen und sauber zu verflechten. Doch mit etwas Übung und Geduld begann das Ganze mehr und mehr Spaß zu machen. Die erzielten Ergebnisse ließen sich rasch sehen.

Spleißwerkzeuge
Flämisches Auge (Spleiß)

Warum Spleißen so besonders ist
Was mich am meisten fasziniert, ist die Kombination aus Tradition, Handwerk und Funktionalität. Spleißen ist eine Technik, die seit Jahrhunderten genutzt wird, vor allem in der Seefahrt. Schon damals mussten Matrosen sicherstellen, dass ihre Seile den rauen Bedingungen auf See standhalten konnten.

Heute wird Spleißen zwar oft von Maschinen übernommen, doch die manuelle Technik hat nichts an Bedeutung verloren. Es ist ein bisschen wie Handarbeit oder Holzschnitzen – es verbindet einen mit der Tradition und gibt einem das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen.

Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – Step 1
Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – Step 2
Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – Step 3
Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – Step 4
Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – Step 5
Augspleiß mit Dyneema Hohlgeflecht – fertiges Auge

Mein Fazit: Ein Handwerk, das bleibt
Nach einigen Wochen Übung gelang es mir, einen ordentlichen Augspleiß zu fertigen. Auch mit dem hochmodernen Dyneema-Material machte ich rasch Fortschritte und konnte Softschäkel sowie Endlosloops herstellen. Es ist unglaublich befriedigend, zu sehen, wie ein Seil, das man selbst bearbeitet hat, hält – und das ganz ohne einen einzigen Knoten.

Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Vorbereitung
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Freilegen des Dyneema-Kerns
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring wird eingespleißt
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring Step 2
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring Step 3
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring Step 4
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring Step 5
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Ring fest im Augspleiß
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – fast fertig
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – zurückmelken des Kerns
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – vernähen des Mantels
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Takeling
Einspleißen eines Rings mit einem Dyneema-Mantelgeflecht – Final

Spleißen ist für mich längst mehr geworden als nur eine nützliche Technik. Es ist ein Hobby, das Geduld und Präzision erfordert, aber auch jede Menge Spaß macht. In den letzten Monaten habe ich die Seereling der KAMI von Draht auf Dyneema umgestellt. Dabei konnte ich die Seilenden sauber in die Reelingstützen einspleißen. Für unseren Hund Piper habe ich mehrere Sicherungsleinen mit Augspleiße versehen, und die Verbindungsleinen der Davits zum Dinghy habe ich durch handgespleißte Dyneema-Leinen ersetzt.
Softschäkel in allen erdenklichen Größen und Formen, mit und ohne Mantel, wurden zu meinem Zeitvertreib während der regnerischen Sommertage im Hafen von Warnemünde.

Softschäkel mit Bones und Schutzmantel – lässt sich schon sehen – Oder?

Hast du schon mal etwas von Spleißen gehört oder es vielleicht selbst ausprobiert? Lass es mich wissen – ich freue mich auf den Austausch!
Mike von der SV KAMI

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